Thüringens Landtagspräsident drängt Fraktionen zur Festlegung neuer Wahlkreise
Thüringens Landtagspräsident Thadäus König hat die politischen Fraktionen aufgefordert, sich auf neue Wahlkreisgrenzen zu einigen, und warnte, dass die derzeitigen Karten aufgrund des Bevölkerungsrückgangs eine ungleiche Stimmengewichtung riskieren. Der Neuzuschnitt ist vor der nächsten Landtagswahl erforderlich, doch König rechnet nur mit moderaten Anpassungen.
Bevölkerungsrückgang erzwingt gesetzlichen Auftrag
Die Bevölkerung Thüringens schrumpft stetig, weshalb die bestehenden Wahlkreise für den Landtag die gesetzliche Schwelle nicht mehr erfüllen. Das Landeswahlgesetz schreibt vor, dass die Einwohnerzahl eines Wahlkreises nicht mehr als 25 Prozent vom Durchschnitt aller Wahlkreise abweichen darf. Wird diese Grenze überschritten, wird ein Neuzuschnitt zwingend erforderlich.
Expertenarbeit bereits geleistet
Eine eigens eingesetzte Kommission wurde 2023 berufen, um neue Grenzen vorzuschlagen. Mitte 2024 legte sie der damaligen Landtagspräsidentin Birgit Pommer ihren Bericht vor. Die politische Einigung über die empfohlenen Änderungen ist seither ins Stocken geraten, sodass die Akte unbearbeitet blieb.
König fordert parlamentarische Initiative
Innenminister Georg Maier (SPD) schrieb kürzlich an den amtierenden Landtagspräsidenten Thadäus König und machte deutlich, dass eine parlamentarische Initiative nötig sei. König leitete das Schreiben an alle Fraktionen weiter und drängte sie, eine Lösung auszuhandeln. „Ich denke, die Gespräche werden in den kommenden Monaten beginnen“, sagte er. Der Präsident betonte, es bestehe kein akuter Zeitdruck, fügte jedoch hinzu:
Es muss bis zur nächsten Landtagswahl passieren.
Heikles Geschäft
Die Neufestlegung von Wahlkreisgrenzen ist stets heikel, weil sie lokale Mehrheiten verschieben kann. König räumte die heikle Natur des Unterfangens ein:
Er gestand auch eine emotionale Dimension ein:Je nachdem, wie man sie zuschneidet, können sich auch die Mehrheitsverhältnisse ändern. Und das ist der heikle Punkt.
Ich gebe nur ungern Orte aus meinem Wahlkreis an einen anderen ab, weil ich mich für diesen Wahlkreis und die Menschen dort verantwortlich fühle.
Keine große Reform erwartet
König suchte Befürchtungen zu zerstreuen, eine Partei könne sich durch den Neuzuschnitt einen Vorteil verschaffen, und bezeichnete es als einen verhandelten Prozess. „Es wird keine große Wahlkreisreform geben“, sagte er. „Aufgrund der veränderten Bevölkerungszahlen wird es eine Anpassung geben.“ Zu erwarten sind begrenzte, technische Änderungen und keine umfassende Neuordnung.

