
Putin besucht umstrittene Kurilen-Insel Iturup und löst diplomatische Krise mit Japan aus
Der russische Präsident Wladimir Putin besuchte am 13. August die umstrittene Insel Iturup im südlichen Teil der Kurilen, was heftige Proteste aus Tokio und eine Rüge der USA auslöste – der erste derartige Besuch seit 2010.
Putins Besuch auf Iturup
Der russische Präsident Wladimir Putin reiste am 13. August 2026 nach Iturup, der größten der vier umstrittenen südlichen Kurileninseln. Der Kreml veröffentlichte ein Video, das Putin beim Besuch einer Fischverarbeitungsanlage zeigt, wo ihm Kaviar angeboten wurde, sowie bei der Inspektion eines Kriegsschiffs und dem Rundgang durch eine Schule. Der Besuch erfolgte einen Tag, nachdem Putin auf der benachbarten russischen Insel Sachalin Halt gemacht hatte, wo die Marine Manöver durchführte und wo er eine Sitzung zur „Gewährleistung der Sicherheit der russischen Ostgrenzen“ leitete, wie RIA Nowosti berichtete. Der 73-jährige Putin bereiste die Region im Vorfeld der Parlamentswahlen im September, begleitet von Gouverneur Waleri Limarenko von Sachalin, der ihm von der bevorstehenden Ankunft von Riesen-Thunfischen vor den Küsten Sachalins und der Kurilen berichtet hatte.
Es war der erste Besuch eines russischen Präsidenten auf dem Territorium seit Dmitri Medwedew 2010 als erster russischer Führer dorthin gereist war – eine Reise, die ebenfalls Japans Zorn erregte.
Japan und USA legen nach
Premierministerin Sanae Takaichi erklärte gegenüber Journalisten, die Nördlichen Territorien, wie Japan die Inseln nennt, seien „sowohl aus historischer Sicht als auch nach Völkerrecht ein untrennbarer Teil des japanischen Hoheitsgebiets.“
Der Besuch verletzt die Gefühle des japanischen Volkes und ist absolut inakzeptabel, und er macht die Wiederherstellung der Beziehungen mittel- und langfristig noch schwieriger.
Außenminister Toshimitsu Motegi bestellte den russischen Botschafter Nikolai Nosdrjow ein, um einen scharfen Protest zu überbringen, und teilte ihm mit, der Besuch werde eine „äußerst negative Auswirkung“ auf die bilateralen Beziehungen haben, die bereits durch Moskaus Invasion der Ukraine belastet seien. Auch die USA schalteten sich ein: Ein US-Diplomat erklärte, Washington und Tokio arbeiteten zusammen, um den Wohlstand im Indopazifik zu fördern, und „lehnen jede Handlung, die den Frieden und die Stabilität in der Region gefährden könnte, entschieden ab.“
Russland weist Kritik zurück
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies die Kritik als „unbegründet“ zurück und beschuldigte Tokio des „Revisionismus“ und „absurder Behauptungen gegen Russland.“
Wir lehnen diese Erklärungen kategorisch ab, die wir für politisch irrelevant, anstößig und selbstverständlich rechtlich unbegründet halten.
Der ehemalige Präsident Dmitri Medwedew, heute Vizevorsitzender des Sicherheitsrates, schlug in den sozialen Medien einen schärferen Ton an und sagte, die Kurilen „waren, sind und werden russisches Territorium bleiben“ und Takaichi könne „so viel schwafeln, wie sie wolle.“ Botschafter Nosdrjow stellte den Streit in einem Interview mit RIA Nowosti in einen breiteren Zusammenhang und sagte, Tokio „ergreife Maßnahmen, die die nationale Sicherheit Russlands bedrohen, indem es sich an den westlichen Bemühungen zur Unterstützung der Ukraine beteiligt.“ Putin selbst bezeichnete Japans Sanktionen am Vorabend des Besuchs als „ungerechtfertigt.“
Historischer und strategischer Hintergrund
Die vier Inseln wurden 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs von der Sowjetarmee erobert. Japan beruft sich auf einen Vertrag von 1855, der die Grenze knapp jenseits der umstrittenen Inseln festlegte, während Russland auf die Konferenz von Jalta im Februar 1945 verweist, bei der die Alliierten vereinbarten, dass die Kurilen im Austausch für den Kriegseintritt der UdSSR gegen Japan an die Sowjetunion abgetreten werden. Der Streit hat die beiden Länder daran gehindert, einen formellen Friedensvertrag zu schließen.
- Russland und Japan unterzeichnen Vertrag, der die Grenze knapp jenseits der vier umstrittenen Inseln festlegt
- Konferenz von Jalta: Alliierte stimmen der Abtretung der Kurilen an die UdSSR zu
- Sowjetarmee erobert vier südliche Kurileninseln in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs
- Dmitri Medwedew wird erster russischer Führer, der die Inseln besucht, was Japan verärgert
- Putin besucht Sachalin, leitet Sitzung zur Sicherheit der russischen Ostgrenzen
- Putin besucht Iturup; Japan bestellt russischen Botschafter zu scharfem Protest ein
Rund 20.000 russische Staatsbürger leben auf den Kurilen, einem Archipel mit rauem Klima, aber Vorkommen von Gold und Silber, reichen Fischgründen und strategischer Bedeutung seit dem Kalten Krieg. Japan und Russland führten von 1904 bis 1905 einen Krieg. Die bilateralen Beziehungen haben sich seit dem Beginn des groß angelegten Konflikts in der Ukraine im Jahr 2022 verschlechtert, als Japan sich den G7-Sanktionen anschloss und nicht-tödliche militärische sowie wirtschaftliche Hilfe an Kiew leistete.

