
Tamedia streicht 34 Vollzeitstellen – 41 Beschäftigte in Schweizer Redaktionen betroffen
Der Schweizer Verlag Tamedia hat am Montag die Streichung von 34 Redaktions- und Produktionsstellen angekündigt. Betroffen sind 41 Beschäftigte in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf, da die Werbeeinnahmen zurückgehen.
Umbau in den Schweizer Redaktionen
Der Schweizer Medienkonzern Tamedia hat am Montag angekündigt, 34 Vollzeitstellen in seinem Zeitungsgeschäft zu streichen. Der Umbau betrifft 41 einzelne Beschäftigte in den Redaktionen in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf. Den Großteil der Einsparungen machen die Redaktionsbereiche aus: 30 Vollzeitstellen sollen im Journalismus wegfallen, hinzu kommen 4 Vollzeitstellen, die am zentralen Druckdesk gestrichen werden. Die Unternehmensleitung hat mit allen betroffenen Beschäftigten Einzelgespräche angesetzt, die bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen sein sollen. In der französischsprachigen Schweiz stehen die Kündigungen noch unter dem Vorbehalt des Ergebnisses eines gesetzlichen Konsultationsverfahrens. Die Personalvertretungen und Sozialpartner wurden im Vorfeld über den Abbauplan informiert.
- Publizistik
- 30 Stellen
- Druckdesk
- 4 Stellen
Regionale Verteilung und Zeitpunkt
Die Stellenstreichungen treffen die regionalen Redaktionsstandorte und Verwaltungsbereiche von Tamedia unterschiedlich stark. In der Deutschschweiz verlieren 28 Beschäftigte in den Redaktionen in Zürich, Bern und Basel ihre Stellen. In der französischsprachigen Romandie, wo Tamedia Titel wie 24 Heures, La Tribune de Genève, Bilan und Le Matin Dimanche herausgibt, sind 9 Beschäftigte betroffen. Weitere 4 Beschäftigte verlieren ihre Stelle im gemeinsamen Druckdesk. Die Ankündigung erfolgt unmittelbar nach dem Auslaufen einer 2024 vereinbarten Beschäftigungssicherung. In dieser Vereinbarung hatte die Tamedia-Führung zugesichert, dass bis Ende September 2026 keine Journalistinnen und Journalisten entlassen werden.
- Deutschschweizer Redaktionen
- 28 Personen
- Westschweizer Redaktionen
- 9 Personen
- Druckdesk
- 4 Personen
Wirtschaftlicher Druck und technische Neuorganisation
Tamedia begründet den Stellenabbau mit massiven strukturellen Einbrüchen im kommerziellen Werbemarkt und verändertem Leseverhalten. Werbebudgets in der Schweiz wandern zunehmend zu internationalen Online-Plattformen ab und höhlen die traditionellen Erlösquellen der Zeitungen aus. Um auf diese Marktverschiebungen zu reagieren, will der Verlag redaktionelle Aufgaben bündeln, den Verwaltungsaufwand senken und Produktionsabläufe vereinfachen. Die Neuorganisation priorisiert Investitionen in Bereiche, die zahlenden Digitalabonnenten direkten Mehrwert bieten. Zudem kündigte Tamedia an, den Einsatz von Automatisierung auszuweiten und eine eigene Einheit für künstliche Intelligenz und Daten aufzubauen, die den Umbau der Redaktionen begleiten soll.
Statements der Führung und Abfindungsmaßnahmen
Tamedia-Chefin Jessica Peppel-Schulz erklärte, der Stellenabbau spiegle unvermeidbare finanzielle Zwänge wider, mit denen sich die Verlagsbranche konfrontiert sehe.
Stellen streichen zu müssen, ist für mich persönlich und für das gesamte Führungsteam eine schwierige Konsequenz dieser aufgrund der neuen Marktrealität notwendigen Veränderungen.
Der Medienkonzern bestätigte, dass ein vereinbarter Sozialplan greift, um ausscheidende Beschäftigte zu unterstützen. Das Unterstützungsangebot umfasst Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Möglichkeiten der Frühpensionierung für berechtigte Mitarbeitende. Die Leitung erklärte zudem, sie wolle interne Umsetzungen prüfen, wo im Unternehmen offene Stellen bestehen.
Hinter jedem Arbeitsplatz stehen Menschen, die mit ihrem Engagement Tamedia geprägt haben. Uns ist bewusst, dass diese Entscheidungen für die Betroffenen und ihre Kolleginnen und Kollegen schmerzhaft sind, und wir werden dafür sorgen, dass dieser Prozess respektvoll und menschlich abläuft. Gleichzeitig müssen wir unsere Organisation so aufstellen, dass sie wirtschaftlich tragfähig ist und wir auch künftig in Qualitätsjournalismus, starke Marken und relevante Produkte investieren können.


