
Pariser Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen nach zwei Suiziden und zwei Suizidversuchen in den Diensten des französischen Premierministers wegen Mobbings ein
Nach einem Suizidversuch einer Beamtin und Vorwürfen institutionellen Mobbings in den Diensten des französischen Premierministers hat die Staatsanwaltschaft ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet.
Was geschah
Zwei Mitarbeiter der Dienste des französischen Premierministers starben im März 2026 durch Suizid, zwei weitere unternahmen in den vorangegangenen Monaten Suizidversuche, wie France Inter und mehrere französische Medien berichten. Einer der Versuche ereignete sich im Oktober 2025 am Arbeitsplatz; der andere im April 2026 betraf eine Beamtin, die unter dem Pseudonym Laura bekannt ist und von einem Passanten daran gehindert wurde, sich an einem Bahnhof vor einen Zug zu werfen. Ein weiterer verdächtiger Todesfall – eine auf einer Toilette tot aufgefundene Person – wurde ebenfalls im Bericht eines Personalvertreters vermerkt. Die Fälle betreffen alle Mitarbeiter des weitläufigen Netzes von rund 50 autonomen Einrichtungen, die den Diensten des Premierministers (Matignon) unterstehen, in dem über 3.450 Menschen arbeiten, nicht das unmittelbare Kabinett des Premierministers mit 60 Beratern.
Die Beschwerde und die Ermittlungen
Am 25. Juni 2026 erstattete ein Personalvertreter bei der Pariser Staatsanwaltschaft eine formelle Meldung nach Artikel 40 der französischen Strafprozessordnung, der jeden Amtsträger verpflichtet, die Staatsanwaltschaft zu informieren, wenn er von einer Straftat Kenntnis erlangt. In der Meldung wurde von "mutmaßlicher institutioneller moralischer Belästigung" gesprochen und ein Muster von Leiden am Arbeitsplatz beschrieben. Am selben Tag reichte Laura eine Anzeige wegen "moralischer Belästigung" ein. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete ein Vorermittlungsverfahren ein und übertrug es der Brigade zur Bekämpfung von Straftaten gegen Personen. Zudem wurden drei verwaltungsinterne Untersuchungen zu konkreten Fällen und zum allgemeinen Wohlbefinden am Arbeitsplatz eingeleitet. Die juristische Untersuchung prüft Vorwürfe gegen vier Führungskräfte des Korrespondenzdienstes des Premierministers (SCPM): den Abteilungsleiter, den kommissarischen Leiter, einen Stellvertreter und einen weiteren hochrangigen Beamten.
Vorwürfe institutionellen Mobbings
Der Bericht des Personalvertreters, der France Inter und AFP vorliegt, beschreibt einen schrittweisen Entzug von Lauras Aufgaben, öffentliche Demütigungen, abfällige Kommentare und zunehmende Isolation – sie wurde schließlich in ein Büro im Keller versetzt. Ihre Anwältin Christelle Mazza sagte gegenüber France Inter, ihre Mandantin sei "unsichtbar gemacht" worden, von Besprechungen ausgeschlossen, von der Mitarbeiterliste gestrichen und verspottet und verhöhnt worden.
Meine Mandantin war unsichtbar gemacht worden. Sie wurde nicht mehr zu Besprechungen eingeladen, von der Mitarbeiterliste gestrichen, behandelt, als wäre sie niemand. Sie wurde verspottet und verhöhnt, als wäre es Mobbing auf dem Schulhof, [sie wurde] ausgegrenzt.
Mazza fügte hinzu, dass Laura alle verfügbaren internen Meldewege für psychische Belästigung genutzt, aber keine Reaktion erhalten habe. Sie beschrieb einen "radikalen Führungsstil", der den Wettbewerb unter den Mitarbeitern fördere, und erklärte, dass die Instabilität von Matignon – vier Premierminister in zwei Jahren nach der Auflösung der Nationalversammlung im Juni 2024 – die Schwierigkeiten noch vergrößert habe. Die vier Premiers waren Gabriel Attal (geschäftsführend), Michel Barnier, François Bayrou und der amtierende Sébastien Lecornu. Den Premierministern selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen.
Als sich die Situation verschlimmerte, nutzte sie natürlich alle internen Mechanismen, einschließlich der Abteilung für die Meldung von Fällen psychischer Belästigung. Es gab keine Reaktion. Sobald solche Signale auftauchen, muss man ihnen zuhören, denn in diesem Fall handelt es sich um eine sehr ernste Angelegenheit.
Reaktion aus Matignon
Zwei hochrangige Beamte der Dienstleistungsabteilung des Premierministers gaben eine Erklärung ab, in der sie ihren vollen Respekt und ihre Unterstützung für die von den Suiziden und Suizidversuchen betroffenen Kollegen und Familien ausdrückten. Sie erklärten, das psychische Wohlbefinden sei "eine ständige Priorität" der Dienste des Premierministers, und eine Fachprüfung sei im Gange. Die Direction des services administratifs et financiers (DSAF), die die Einrichtungen verwaltet, hat ein psychosoziales Risikomonitoringsystem namens vigisouffrances eingeführt. Matignon habe nicht sofort auf Presseanfragen reagiert, so SudOuest.
Zeitleiste der Ereignisse
- Ein Mitarbeiter versucht, sich am Arbeitsplatz das Leben zu nehmen.
- Ein Mitarbeiter stirbt durch Suizid.
- Ein Kollege des Generalsekretariats der Regierung wirft sich vor einen Zug.
- Laura, eine Beamtin des Korrespondenzdienstes, versucht an einem Bahnhof, sich das Leben zu nehmen, und wird ins Krankenhaus eingeliefert.
- Personalvertreter reicht Meldung nach Artikel 40 ein; Laura erstattet Anzeige wegen moralischer Belästigung; Pariser Staatsanwaltschaft eröffnet Vorermittlungen.
Die Abfolge der Tragödien und die anschließenden rechtlichen Schritte unterstreichen eine Arbeitsplatzkrise, die eine der prestigeträchtigsten staatlichen Institutionen Frankreichs erschüttert hat.


