Studie bestätigt Berliner Wohnungsvergesellschaftung für 13,5 Milliarden Euro – Koalitionsgespräche stehen bevor
Eine wirtschaftswissenschaftliche Studie der Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass die Vergesellschaftung von 210.000 Konzernwohnungen in Berlin 13,5 Milliarden Euro kosten würde und ohne Haushaltskürzungen finanziert werden kann – vor den Koalitionsverhandlungen mit der Linken.
Wirtschaftliche Machbarkeit der Wohnungsvergesellschaftung
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte in Zusammenarbeit mit Forschenden der Universität Mannheim und der Universität Duisburg-Essen eine Studie zur Bewertung der Vergesellschaftung großer privater Wohnungsportfolios in Berlin. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass die Überführung von rund 210.000 Wohnungen in öffentliches oder gemeinwohlorientiertes Eigentum sozialpolitisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig ist. Unter Anwendung der kapitalisierten Ertragswertmethode auf Basis der Nettokaltmieten berechneten die Autoren die insgesamt an private Wohnungskonzerne zu zahlende Entschädigung auf 13,5 Milliarden Euro. Die Düsseldorfer Forschungsstiftung stellte fest, dass die erforderliche Entschädigung ohne Ausgabenkürzungen im Berliner Landeshaushalt finanziert werden kann.
Bei einer klugen Ausgestaltung der Vergesellschaftung wäre dies finanzierbar, ohne Kürzungen im Berliner Landeshaushalt vorzunehmen.
Auswirkungen auf Mietspiegel und Wohnungsangebot
Die Studie bestätigte, dass die Überführung bestehender Wohnungen in öffentliche Hand die allgemeine Wohnungsknappheit in Berlin nicht beseitigen wird, und betonte, dass ein groß angelegter Neubau weiterhin unerlässlich bleibt. Dennoch bewerteten die Forschenden die Vergesellschaftung als wirksames sekundäres Instrument zur Stabilisierung der steigenden Wohnkosten in der Hauptstadt. Große private Wohnungsgruppen kontrollieren derzeit umfangreiche Bestände in Berlin, darunter zahlreiche Wohnungen in niedrigen und mittleren Mietpreissegmenten. Die Umwandlung dieser Einheiten in öffentliches oder gemeinnütziges Eigentum ermöglicht es den öffentlichen Stellen, ihren Einfluss auf den Wohnungsmarkt auszuweiten, künftige Mieterhöhungen zu begrenzen und eine senkende Wirkung auf den Berliner Mietspiegel auszuüben.
Dennoch kann die Vergesellschaftung als ergänzendes Element nützlich sein, um das Problem der Erschwinglichkeit von Mieten zu verringern.
Politischer Streit und Entschädigungsschätzungen
Die Politik ist nach der Berliner Landtagswahl, die Die Linke mit dem Wahlversprechen „Wir machen Berlin bezahlbar“ gewann, zu einem zentralen Streitpunkt geworden. Die Linke bestätigte, dass sie ihre Vergesellschaftungsplattform in den bevorstehenden Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Landesregierung mit SPD und Grünen beibehalten will. Der Vorschlag stößt auf parteiübergreifende Kritik, insbesondere wegen der erwarteten finanziellen Belastung für das Land. Im Wahlkampf lehnte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach die Vergesellschaftung ab und argumentierte, dass Entschädigungsforderungen die Stadt zwischen 20 und 30 Milliarden Euro kosten würden. Laut IMK reichen die Schätzungen verschiedener Berechnungsmodelle von etwa 10 bis 36 Milliarden Euro.
- Niedrigste Schätzung (IMK)
- 10 €B
- Bewertung der IMK-Studie
- 13.5 €B
- Schätzung Steffen Krach (niedrig)
- 20 €B
- Schätzung Steffen Krach (hoch)
- 30 €B
- Höchste Schätzung (IMK)
- 36 €B
Betriebsmodelle und Reaktionen der Vermieter
Die Forschenden untersuchten drei mögliche Betriebsmodelle für die Vergesellschaftung von Wohnungen und rieten dem Land, die bestehende Verwaltungsinfrastruktur der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften zu nutzen. Die Studie stellte klar, dass kommunale Erwerbe so strukturiert werden müssen, dass keine negativen Auswirkungen auf den künftigen Wohnungsbau entstehen. Unterdessen reagierten private Vermieter auf die politische Debatte mit dem Hinweis auf steigende Kosten. Der Vermieter Ronny Voland erklärte, dass Wohnungseigentümer öffentlich als Mietwucherer und Wucherer dargestellt würden, während die Instandhaltungs- und Betriebskosten stark stiegen. Mit Blick auf die bevorstehenden Koalitionsgespräche stehen die Berliner Parteien vor unterschiedlichen wirtschaftlichen Bewertungen, wie Mieterschwinglichkeit und kommunale Finanzen am besten zu bewältigen sind.

