
Spanische Ärztegewerkschaften verschieben nach der Ansetzung von Neuwahlen den unbefristeten Streik, katalanische Ärzte streiken weiter
Die landesweiten Ärztegewerkschaften haben einen für den 28. Oktober 2026 geplanten unbefristeten Streik verschoben, nachdem die vorgezogenen Neuwahlen das Ende der Gesundheitsreform besiegelt haben. In Katalonien wollen die Ärzte jedoch weiter streiken.
Landesweiter Streik wegen vorgezogener Neuwahlen verschoben
Spaniens Ärztegewerkschaften haben den unbefristeten landesweiten Streik ausgesetzt, der am 28. Oktober 2026 beginnen sollte. Der Schritt folgt auf die Ankündigung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, für den 29. November 2026 vorgezogene Parlamentswahlen anzusetzen. Die daraus folgende Auflösung der Cortes Generales ließ den Entwurf zur Reform des Rahmenstatuts verfallen, der im Gesundheitsausschuss des Parlaments beraten wurde. Die Gewerkschaftsverbände – darunter die Spanische Konföderation der Ärztegewerkschaften (CESM), die Andalusische Ärztegewerkschaft (SMA) und die Ärztegewerkschaft Euskadis (SME) – erklärten, landesweite Arbeitsniederlegungen ohne aktives Parlament und ohne Verhandlungspartner in Madrid fortzusetzen, würde die Ärzteschaft schwer belasten, ohne dass ein gangbarer legislativer Weg bestehe. Das Streikkomitee erklärte, der Gesetzentwurf des Ministeriums sei politisch begraben, und bezeichnete das Ergebnis als unbestreitbaren Erfolg für die Berufsgruppe, während die Streikankündigung aufrechterhalten bleibe.
Der Beschluss bedeutet keinen Verzicht: Die Streikankündigung bleibt in Kraft, und die Mobilisierung kann reaktiviert werden, falls die nächste Regierung die Forderungen der Berufsgruppe nicht aufgreift.
Streit um das Rahmenstatut
Das verfallene Gesetzesvorhaben sollte die Beschäftigungsregeln für fast 1.000.000 Beschäftigte im nationalen Gesundheitssystem grundlegend reformieren. Der Ministerrat billigte den Entwurf am 1. September 2026, nachdem Einigungen mit den großen Gewerkschaftsverbänden erzielt worden waren, darunter SATSE-FSES, FSS-CCOO, UGT und CSIF. Die Fachärztegewerkschaften lehnten den Text ab mit dem Argument, er zementiere diskriminierende Arbeitsbedingungen, obwohl er konkrete Änderungen enthalte, etwa die Absenkung der verpflichtenden Bereitschaftsdienstgrenzen. Am 6. Oktober 2026 bedauerte der Staatssekretär für Gesundheit, Javier Padilla, dass der Gesetzentwurf nicht mehr zur Schlussabstimmung im Abgeordnetenhaus kommen konnte. Die nichtärztlichen Gewerkschaftsverbände hielten daran fest, dass der ausgehandelte Text als Referenz für die kommende Regierung dienen müsse.
- Bisherige Pflichtgrenze
- 24 Stunden
- Im Entwurf vorgesehene Grenze
- 17 Stunden
Katalonien schert aus und setzt die Streiks fort
Im Gegensatz zur landesweiten Pause bestätigte die größte Gewerkschaft Kataloniens, Metges de Catalunya, dass sie ihren unbefristeten Streik ab dem 28. Oktober 2026 fortsetzen wird. Der Vorstand der Gewerkschaft trat am 6. Oktober 2026 zusammen, um die Ankündigung der Neuwahlen zu bewerten, und kam zu dem Schluss, dass der regionale Konflikt unabhängig von den politischen Zyklen auf nationaler Ebene bleibt. Metges de Catalunya wies darauf hin, dass die Gesundheitsverwaltung vollständig auf die Autonomen Gemeinschaften übertragen ist und die Regionalregierung in Barcelona nicht nur geschäftsführend im Amt ist. Die Gewerkschaft hat sich in den vergangenen drei Wochen mindestens einmal mit der katalanischen Gesundheitsministerin Olga Pané getroffen, um über die Arbeitsbedingungen zu sprechen. Die regionalen Organisatoren fordern vom katalanischen Gesundheitsministerium unverzügliche Lösungen für die enorme Arbeitsbelastung, übermäßige Arbeitszeiten und den Ärztemangel in der Primärversorgung und in den Krankenhäusern.
- Sieben regionale Ärztegewerkschaften gründen den Dachverband UMYF
- Der Ministerrat billigt den Entwurf des Rahmenstatuts
- Der Vorstand von Metges de Catalunya beschließt, den regionalen Streik aufrechtzuerhalten
- Die nationalen Streikkomitees kündigen die Verschiebung des landesweiten Streiks an
- Geplanter Beginn des unbefristeten Streiks in Katalonien
- Spanien hält nach der Auflösung des Parlaments vorgezogene Parlamentswahlen ab
Wahlforderungen und gewerkschaftliche Koordinierung
Die landesweite Verschiebung wurde über die Unión Médica y Facultativa (UMYF) koordiniert, einen im Juni 2026 von sieben regionalen Ärztegewerkschaften gegründeten Dachverband, darunter AMYTS in Madrid, O'Mega und Simega in Galicien, Avanza Valencia sowie Gewerkschaften in Navarra und auf den Kanarischen Inseln. Obwohl die landesweiten Arbeitskämpfe eingefroren sind, kündigte die UMYF an, während des gesamten Wahlkampfs gezielte Protestaktionen durchzuführen, um die Arbeitsbedingungen der Ärzteschaft in die Programme der Parteien einzuschreiben. Die Gewerkschaftsführungen forderten alle antretenden Parteien auf, sich vor der Wahl am 29. November 2026 zu einem eigenen Statut für das medizinische Personal zu bekennen. Die Organisationen warnten, dass die landesweiten Streiks wieder aufgenommen würden, sollte die aus der Wahl hervorgehende Regierung keine konkreten Regelungen aushandeln.

