CSU-Chef Söder stellt Zehn-Punkte-Plan zur Wiederherstellung der Geschlossenheit nach parteiinternen Querelen und Umfrageschwäche vor
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kündigte am 15. Juni 2026 nach wochenlanger interner Kritik, einschließlich einer offenen Herausforderung durch einen stellvertretenden Parteivorsitzenden, ein Reformpaket an, mit dem er „die Partei mitnehmen, motivieren und besser organisieren“ will.
Nach den herben Verlusten bei den Kommunalwahlen
CSU-Chef und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder präsentierte sein Zehn-Punkte-Programm in München im Anschluss an eine Sitzung des Parteivorstands. Er räumte die „Wunden“ aus den jüngsten Kommunalwahlen ein sowie die Unzufriedenheit, die seit seiner Wiederwahl als Parteivorsitzender im vergangenen Dezember mit enttäuschenden 83,6 Prozent in der Partei schwelte. Der Plan soll die Reihen schließen und die Moral heben.
Streit schadet der Partei und der Demokratie. Ich hoffe auf neue Geschlossenheit.
Webers Pfingstbrief und der interne Aufflammen
Der unmittelbare Auslöser für die Turbulenzen war ein fünfseitiger Brief des CSU-Vizevorsitzenden und Europapolitikers Manfred Weber während der Pfingstfeiertage. Darin forderte Weber einen Kurswechsel – was weithin als direkter Angriff auf Söders Stil und Richtung gelesen wurde. Weber verlangte ein „kraftvolles Narrativ“ darüber, wohin sich Bayern und Deutschland entwickeln sollten, und betonte, dass ein Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung „weder mit Schlagzeilen noch mit Klickzahlen, sondern nur mit Kreativität, Mut und Ideen“ gewonnen werde.
Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann bezeichnete den Brief in der Vorstandssitzung als „Irritation“. Söder erwähnte Weber während seiner Pressekonferenz jedoch nicht namentlich und bezeichnete ihn lediglich als „den Kollegen“ oder „jemanden“. Er betonte zudem, dass die Ideen für die zehn Punkte bereits vor dem Eintreffen des Briefes in der Entwicklung gewesen seien.
Die zehn Punkte im Überblick
Das Paket umfasst eine Wiederbelebung der Grundsatzkommission der Partei, einen außenpolitischen Kongress in der zweiten Jahreshälfte zu den Themen Verteidigung und Europa, ein Hightech-Forum sowie eine Klausurtagung des Vorstands nach den Landtagswahlen im Herbst, die als „Think-Tank“-Sitzung konzipiert ist. Die Hanns-Seidel-Stiftung soll laut ihrem designierten Leiter, dem Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek, zu einer „Brücke zwischen Wissenschaft und Politik, einem Think-Tank“ ausgebaut werden. Söder möchte zudem die Social-Media-Präsenz der CSU stärken: „Wir wollen die Partei, die Mandatsträger und die Verbände in den sozialen Medien stärker aufrüsten.“
Führung ist die Antwort. Nicht das Grübeln, sondern das Regieren ist das, worauf es ankommt. Parteien, die nur suchen, wirken am Ende hilflos.
Der äußere Druck und die Stärke der AfD
Söder weitete den Rahmen aus und sagte, dass etablierte Parteien über das gesamte Spektrum hinweg – CDU, SPD, FDP – eine „schwierige Zeit für alle Demokraten“ durchlebten und durch die Stärke der AfD in den Umfragen verunsichert seien. „Viele diskutieren, jeder sucht in diesen schwierigen Zeiten nach seinem Kurs. Früher war es einfacher, das mag wohl sein. Aber Jammern ist keine Option. Wir müssen Mut zeigen, konzeptionell wie inhaltlich“, sagte er. In Berlin ist die CSU der kleinste Koalitionspartner, was Söder unterstrich, um zu verdeutlichen, dass interne Geschlossenheit besonders kritisch sei.


