
Polnischer Senat lehnt Nawrockis EU-Klimareferendum zum zweiten Mal ab
Der polnische Senat stimmte am 6. August 2026 dafür, den Antrag von Präsident Karol Nawrocki auf ein landesweites Referendum über die EU-Klimapolitik abzulehnen – zum zweiten Mal blockierte er die Initiative. Das Referendum war für den 27. September 2026 geplant.
Abstimmung im Senat
Der polnische Senat stimmte am 6. August 2026 dafür, den Antrag von Präsident Karol Nawrocki auf ein landesweites Referendum über die EU-Klimapolitik abzulehnen. 59 Senatoren stimmten für die Ablehnung, 32 dagegen, einer enthielt sich. Eine Quelle, Radiozet, berichtete von 57 Senatoren für die Ablehnung. Die Abstimmung folgte Empfehlungen von vier Senatsausschüssen (EU-Angelegenheiten, Infrastruktur, Klima und Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie Volkswirtschaft und Innovation), die auf einer gemeinsamen Sitzung am 5. August die Zustimmung verweigert hatten.
- Nawrocki reicht ersten Referendumsantrag beim Senat ein; Senat lehnt ab
- Europäische Kommission legt Vorschläge zur Revision der ETS-Richtlinie vor
- Nawrocki reicht zweiten Referendumsantrag beim Senat ein
- Senatsausschüsse empfehlen, die Zustimmung zum Referendum zu verweigern
- Senat stimmt mit 59 zu 32 (bei einer Enthaltung) für die Ablehnung des Referendumsantrags
- Geplanter Referendumstermin, nun abgesagt
Die Referendumsfrage
Nawrocki reichte den zweiten Antrag am 23. Juli 2026 beim Senat ein. Die vorgeschlagene Abstimmungsfrage lautete: „Sind Sie dafür, dass Polen die Klimapolitik der Europäischen Union umsetzt?“ Das Referendum war für den 27. September 2026 geplant. Nach der polnischen Verfassung ordnet der Präsident ein landesweites Referendum mit Zustimmung des Senats an, die mit absoluter Mehrheit bei Anwesenheit von mindestens der Hälfte der gesetzlichen Zahl der Senatoren erteilt wird. Der Stimmzettel hätte Erläuterungen zu den Folgen einer „Ja“- oder „Nein“-Antwort enthalten, die die geplante Ausweitung des ETS2-Systems auf Gebäude und Straßenverkehr, Energieeffizienzanforderungen für Gebäude, Beschränkungen des Verkaufs neuer Verbrennungsmotoren sowie Kosten für Industrie und Landwirtschaft umfassen. Ein „Ja“ hätte die Zustimmung zur Fortsetzung der EU-Klimapolitik bedeutet, während ein „Nein“ die Staatsorgane verpflichtet hätte, auf eine Änderung oder Aufhebung der zusätzliche Kosten verursachenden Vorschriften hinzuarbeiten, Ausnahmen für Polen auszuhandeln oder Schutzmechanismen einzuführen.
Begründung des Präsidenten
Das Büro Nawrockis erklärte, die Entscheidung zur erneuten Einreichung des Antrags sei auf die Analyse der Vorschläge der Europäischen Kommission zur Revision der ETS-Richtlinie vom 17. Juli 2026 gefolgt. In der Begründung hieß es: „Statt einer echten, tiefgreifenden Reform, die dem Ausmaß der Probleme gerecht wird, hat die Europäische Kommission eine Reihe technischer Korrekturen vorgelegt, die weder die Richtung noch das endgültige Tempo der kostspieligsten Elemente der Klimapolitik ändern.“ Das Dokument argumentierte, dass die EU-Klimapolitik zu einer geschwächten wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, höheren Energiepreisen und einer Verlagerung der Produktion außerhalb Europas führe, was die Fähigkeit der Staaten einschränke, Sicherheit, Investitionen und andere öffentliche Politiken, einschließlich Umweltmaßnahmen, zu finanzieren. Der erste Referendumsantrag, der im Mai 2026 eingereicht wurde, enthielt eine andere Frage, die sich auf die Lebenshaltungskosten, Energiepreise und die Kosten für Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe bezog. Auch diesen Versuch lehnte der Senat ab.
- Für Ablehnung
- 59 Senatoren
- Gegen Ablehnung
- 32 Senatoren
- Enthaltungen
- 1 Senatoren
Debatte im Ausschuss
In der gemeinsamen Ausschusssitzung am 5. August beantragte Senator Piotr Masłowski vom Senatsklub NOWA Polska-Centrum, die Zustimmung zu verweigern. Er argumentierte, Europa solle in erneuerbare Energiequellen investieren, um die Energiepreise zu senken. Er erinnerte daran, dass sowohl Premierminister Mateusz Morawiecki als auch Jarosław Kaczyński gesagt hätten, dass ein Austritt Polens aus dem ETS nicht möglich sei, als Solidarna Polska zuvor versucht hatte, einen entsprechenden Antrag einzubringen. Masłowski wies auch darauf hin, dass die Vertreter des Präsidenten selbst gesagt hätten, das Referendum gehe es nicht um den Austritt aus dem ETS, sondern um die Stärkung der Stimme Polens in den EU-Verhandlungen.
Um Himmels willen, dafür ist ein Verfassungsreferendum nicht da. Deshalb werde ich, ohne nach einem Alibi zu suchen, mit voller Sicherheit gegen diesen Antrag stimmen.
Reaktion des Präsidialamtes
Paweł Szefernaker, Chef des Präsidialamtes, teilte den Senatoren mit, dass alle subjektiven Formulierungen aus dem vorherigen Antrag entfernt worden seien. Er argumentierte, die überarbeitete Frage sei neutral und es sei der richtige Weg, den Polen eine Abstimmung zu ermöglichen.
Jetzt, wo es kein Alibi mehr gibt, ist der einzig ehrliche und demokratische Weg, den Polen das Wahlrecht zu geben.
Die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene ETS-Revision, die Nawrockis erneute Einreichung auslöste, würde die Mitgliedstaaten verpflichten, mindestens die Hälfte der ETS-Auktionserlöse für Dekarbonisierungsinvestitionen zu verwenden. Die Kommission schätzt, dass derzeit nur 5 Prozent dieser Einnahmen diesem Zweck zufließen.


