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Wahlen·vor 1 Std.

Die Schweiz stimmt über die Initiative zur Begrenzung der Bevölkerung auf 10 Millionen ab und stellt damit die EU-Beziehungen auf die Probe

Die Schweizer Wähler gehen heute an die Urnen, um darüber zu entscheiden, ob eine Obergrenze von 10 Millionen für die ständige Wohnbevölkerung in der Verfassung verankert werden soll – eine Initiative, die die Beziehungen zur EU belasten könnte.

Die Initiative

Am Sonntag entscheiden die Schweizer Wähler, ob ein strenges Bevölkerungslimit in der Verfassung verankert wird. Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!», lanciert von der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), würde die ständige Wohnbevölkerung auf 10 Millionen begrenzen. Derzeit leben 9,1 Millionen Menschen in der Schweiz, 2,4 Millionen davon sind Ausländer. Bei Annahme müsste die Regierung Asyl und Familiennachzug einschränken, sobald die Bevölkerung 9,5 Millionen erreicht – dies könnte in den 2030er Jahren der Fall sein. Sollte dies nicht ausreichen, wäre die Schweiz verpflichtet, das bilaterale Abkommen mit der EU über die Personenfreizügigkeit zu kündigen.

Politischer Wahlkampf

Der SVP-Kopf Christoph Blocher fasste die Stimmung zusammen:

Es kommen zu viele, und die Falschen! Und das muss aufhören.

Anders als frühere SVP-Kampagnen, die Ängste vor fremden Kulturen schürten, konzentriert sich die diesjährige Botschaft auf Beschwerden über die Lebensqualität: Wohnungsknappheit, steigende Mieten, überfüllte Züge und strapazierte Infrastruktur. Die Partei macht dafür allein die Einwanderung verantwortlich und spricht damit das an, was der Politikwissenschaftler Claude Longchamp als

ein nostalgisches bürgerliches Publikum

bezeichnet, das von einer von der modernen europäischen Integration unberührten Schweiz träumt. Doch die SVP steht allein: Die Regierung, alle anderen Parlamentsparteien, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften lehnen die Obergrenze ab.

Wirtschaftliche und diplomatische Risiken

Die Wirtschaft warnt davor, dass eine Einschränkung der Einwanderung den Zugang zu Fachkräften blockieren würde. Multinationale Konzerne wie Nestlé und Novartis sind auf ausländische Talente angewiesen. Das offizielle Informationsportal der Regierung warnt, dass die Initiative Rechtsunsicherheit verursachen, die Wirtschaft schädigen, Wohlstand und innere Sicherheit gefährden und den bilateralen Weg mit der EU untergraben würde. Die Teilnahme am Schengen- und Dublin-Abkommen könnte auf dem Spiel stehen, was die enge Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Asyl auflösen würde.

Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung

Ausländer machen 27 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung aus. Die größten Gruppen kommen aus Italien (15 Prozent der ausländischen Bevölkerung), Deutschland (14 Prozent), Portugal (11 Prozent) und Frankreich (8 Prozent). Die restlichen 52 Prozent setzen sich aus Menschen vieler anderer Länder zusammen.

Zusammensetzung der ausländischen Wohnbevölkerung der Schweiz (2026) · %
Italien
15 %
Deutschland
14 %
Portugal
11 %
Frankreich
8 %
Andere
52 %

Umfragen und Abstimmung

Umfragen deuteten zunächst auf eine Annahme der Initiative hin, aber die Stimmung kippte vor etwa zwei Wochen, und der Ausgang ist nun völlig offen. In der Vergangenheit wichen Schweizer Volksabstimmungen oft von den endgültigen Umfragewerten ab, was die Unsicherheit erhöht. Die Auszählung der Stimmen beginnt am Mittag. Bei Annahme wäre die Schweiz das erste Land mit einer starren Bevölkerungsgrenze in der Verfassung.

Bern

4 Quellen

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