
Boris Rhein fordert CDU auf, AfD-Abgeordneten den Vorsitz von Bundestagsausschüssen zu ermöglichen
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat die CDU aufgefordert, Kandidaten der Alternative für Deutschland für den Vorsitz von Bundestagsausschüssen zu unterstützen, lehnt zugleich aber rechtliche Schritte für ein Parteiverbot ab.
Vorstoß für parlamentarische Integration
Boris Rhein, Ministerpräsident von Hessen und Landesvorsitzender der Christlich Demokratischen Union (CDU), hat seine Partei aufgefordert, Kandidaten der Alternative für Deutschland (AfD) für den Vorsitz von Ausschüssen im Bundestag zu unterstützen. In einem vorab veröffentlichten Interview mit dem Magazin Stern erklärte Rhein, die CDU solle die AfD entsprechend ihrem Wählerauftrag behandeln, statt ihre Vertreter von parlamentarischen Ämtern auszuschließen. Er verwies auf den Hessischen Landtag und andere Landesparlamente, in denen AfD-Politiker regelmäßig Ausschussvorsitze innehaben. Rhein betonte, die klare politische Abgrenzung zur AfD erfordere nicht, die Partei von regulären Ausschussverfahren auszuschließen.
Die Partei ist gewählt, und so sollte man sie auch behandeln.
- Bundesverfassungsgericht weist AfD-Beschwerde wegen abgelehnter Bundestagsausschussvorsitze zurück
- Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier fordert ein Ende der AfD-Verbotsdebatte
- Hessens Ministerpräsident Boris Rhein fordert CDU-Unterstützung für AfD-Ausschussvorsitze
Ausschussverfahren und rechtliche Präzedenzfälle
Nach Paragraph 58 der Geschäftsordnung des Bundestages bestimmen die Ausschüsse ihre Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden selbst. Jahrzehntelang verständigten sich die Fraktionen traditionell im Ältestenrat konsensual über die Vergabe der Ausschussvorsitze. Zwar hat die AfD das Vorschlagsrecht für den Vorsitz mehrerer Fachausschüsse, doch die von der Partei nominierten Kandidaten verfehlten wiederholt die notwendigen Mehrheiten der übrigen Abgeordneten. In der vergangenen Wahlperiode verpassten AfD-Kandidaten die Mehrheiten für drei Bundestagsausschussvorsitze, sodass die Partei ohne einen einzigen Vorsitz blieb. Die AfD reichte beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Beschwerde ein und argumentierte, ihre Rechte würden verletzt, doch das Gericht wies den Fall zurück und stellte keinen rechtlichen Fehler in den Wahlergebnissen fest.
Ablehnung eines Verbotsverfahrens
Rhein äußerte sich zudem ablehnend zu Forderungen nach einem förmlichen Verbotsverfahren gegen die AfD. Entsprechende Forderungen wurden von Politikern verschiedener Parteien und zivilgesellschaftlichen Gruppen erhoben. Rhein argumentierte, demokratische Wettbewerber müssten sich der AfD politisch stellen, statt auf die Justiz zu setzen. Er drängte die CDU, bessere politische Lösungen anzubieten und die Deutungshoheit über die Alltagsfragen des Landes zurückzugewinnen, anstatt auf rechtliche Verbote zu setzen.
Ich rate dazu, die AfD nicht juristisch, sondern politisch zu bekämpfen.
Brandmauer-Debatte und rechtliche Kritik
Rheins Haltung deckt sich mit seinen früheren Äußerungen gegenüber Welt TV nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, in denen er die starre Anwendung des Brandmauer-Konzepts gegenüber AfD-Wählern kritisierte. Er argumentierte, Bürger hinter institutionellen Barrieren zurückzulassen widerspreche christdemokratischen Werten, und plädierte für den Dialog mit Wählern, während er Regierungskoalitionen oder eine förmliche politische Zusammenarbeit mit der AfD entschieden ausschloss. Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatte Mitte September in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger ebenfalls ein Ende der Verbotsdebatte gegen die AfD gefordert. Papier bezeichnete wiederholte Verbotsforderungen nach dem AfD-Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt als unklug und erklärte, ein Verbotsverfahren würde der AfD nutzen, während die Erfolgsaussichten vor Bundesregierung, Bundestag oder Bundesrat minimal seien. Papier fügte hinzu, die etablierten Parteien schadeten dem Parlamentarismus, wenn sie ihren legislativen Spielraum verengten, indem sie sich weigerten, Vorhaben zu verabschieden, die von AfD-Stimmen getragen würden.


