
Pariser Gericht eröffnet nichtöffentlichen Prozess gegen Rohan Rane wegen Missbrauchsnetzwerks auf Discord
Rohan Rane muss sich vor dem Pariser Schwurgericht wegen Folter, organisierter Erpressung und Missbrauchs von Minderjährigen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, ein internationales Discord-Netzwerk betrieben zu haben, das minderjährige Mädchen zur Selbstverletzung zwang.
Anklage und Verhandlung
Der Prozess gegen den 29-jährigen indischen Staatsangehörigen Rohan Rane begann am 5. Oktober 2026 vor dem eigens zusammengestellten Pariser Schwurgericht. Rane ist wegen Folter und barbarischer Handlungen gegen Minderjährige, organisierter Verleitung Minderjähriger und organisierter Erpressung angeklagt; die Taten wurden zwischen 2019 und 2021 begangen. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine Höchststrafe von lebenslanger Haft. Das Gericht ordnete an, dass die Verhandlung vollständig hinter verschlossenen Türen stattfindet, nachdem die französische Staatsanwaltschaft und die US-Behörden dies förmlich beantragt hatten. Der vorsitzende Richter gab dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um Opfer, Zeugen und Staatsanwälte vor Einschüchterung zu schützen, nachdem Personen aus dem Umfeld von Ranes Netzwerk auf amerikanischem Boden Drohungen ausgesprochen hatten. Der Prozess soll die ganze Woche dauern, das Urteil wird für Freitag erwartet.
Das Online-Netzwerk und die Erpressungsmethoden
Die Ermittler identifizierten Rane als zentralen Kopf eines Online-Netzwerks, das über den Messengerdienst Discord unter dem Gruppennamen CVLT Missbrauch koordinierte. Dem Netzwerk gehörten junge Männer in Deutschland, Neuseeland und den Vereinigten Staaten an, die neonazistische, antisemitische und maskulinistische Ideologien verbreiteten. Die Gruppenmitglieder nahmen systematisch schutzbedürftige Teenager-Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren ins Visier, die sie über Instagram und Online-Foren ausfindig machten. Sobald die Opfer dazu gebracht worden waren, intime Fotos zu teilen, starteten die Gruppenmitglieder Erpressungskampagnen mittels Doxing und Swatting-Drohungen, bei denen sie bewaffnete Polizei unter falschen Angaben zu den Wohnungen der Opfer schickten. Unter Zwang mussten die Opfer sexuelle Handlungen vor der Kamera vornehmen, Ranes Namen und Hakenkreuze mit Rasierklingen in ihre Haut ritzen und sich mit Messern und stumpfen Gegenständen selbst verletzen.
Ermittlungen und Festnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks
Die internationalen Ermittlungen begannen im November 2020, nachdem Google ein Missbrauchsvideo mit einem 12-jährigen Opfer an das National Center for Missing and Exploited Children gemeldet hatte. Die amerikanischen Bundesbehörden analysierten mehrere Videodateien und führten die Hauptnutzerkonten zu einer Wohnung in Antibes im Südosten Frankreichs zurück. Rane, ein indischer Staatsangehöriger, der zum Studium an einer örtlichen Wirtschaftshochschule nach Frankreich gekommen war und später als Fitnesstrainer arbeitete, steuerte die Aktionen von seinem Schlafzimmer aus. Nach einem Hinweis des Federal Bureau of Investigation nahm die französische Polizei Rane 2021 in Antibes fest. Rane räumte seine Beteiligung bei früheren Gerichtsterminen ein und bezeichnete sich selbst als Faschisten und emotionslosen Psychopathen. Ein erstes Verfahren vor dem Strafgericht des Départements im November 2025 wurde anschließend an das Schwurgericht verwiesen, um der vollen Schwere der Verbrechenstatbestände Rechnung zu tragen.
- Das NCMEC erhält eine Meldung über ein Online-Video, das den Missbrauch eines 12-jährigen Mädchens zeigt
- Die französische Polizei nimmt Rohan Rane nach einem Hinweis des FBI in Antibes fest
- Das Strafgericht des Départements verweist den Fall an das Pariser Schwurgericht
- Der Prozess beginnt hinter verschlossenen Türen am Pariser Schwurgericht
Nebenkläger und justizielle Zusammenarbeit
Das kriminelle Netzwerk hatte es auf mindestens 13 junge Mädchen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, den Niederlanden und Estland abgesehen. Fünf amerikanische Opfer, heute zwischen 18 und 21 Jahre alt, schlossen sich dem Pariser Verfahren als Nebenkläger an, um Verantwortlichkeit einzufordern. Ihr Anwalt Hippolyte Marquetty widersetzte sich der Entscheidung zum Ausschluss der Öffentlichkeit mit dem Argument, eine öffentliche Verhandlung sei entscheidend, um die Mechanismen der sexuellen Anbahnung im Netz offenzulegen.
Meine Mandantinnen halten es für wichtig, das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen, denen Teenager-Mädchen in sozialen Medien ausgesetzt sind.
Die französische Staatsanwaltschaft hielt daran fest, dass der Ausschluss der Öffentlichkeit notwendig sei, um die Sicherheit der Opfer zu schützen und die bilaterale justizielle Zusammenarbeit mit den US-Behörden zu wahren. Das Gericht bestätigte, dass die Videoaufzeichnungen, die den körperlichen Missbrauch und die Demütigung der minderjährigen Opfer dokumentieren, in nichtöffentlichen Sitzungen gesichtet werden, bevor die Richter ihr Urteil fällen.

