
Portugiesische Polizei führt 250 Razzien bei Ermittlungen zu 100 Millionen Euro Mehrwertsteuerbetrug mit Mobiltelefonen durch
Rund 1.000 portugiesische Polizisten und Steuerprüfer haben am Mittwoch 250 Durchsuchungsbeschlüsse im ganzen Land vollstreckt. Ziel ist ein mutmaßliches grenzüberschreitendes Mehrwertsteuer-Karussell mit Mobiltelefonen, das von der Europäischen Staatsanwaltschaft überwacht wird.
Landesweite Razzien und Mobilisierung der Behörden
Am Morgen des 7. Oktober 2026 leiteten die portugiesischen Behörden eine großangelegte Strafverfolgungsaktion namens Operation Hermes ein, um ein mutmaßliches grenzüberschreitendes Steuerhinterziehungsnetzwerk zu zerschlagen. Die Aktion wurde unter Aufsicht der Europäischen Staatsanwaltschaft gestartet und mobilisierte rund 700 Ermittler der Polícia Judiciária sowie 300 Beamte der Autoridade Tributária. Die Einsatzkräfte vollstreckten landesweit rund 250 Durchsuchungsbeschlüsse und zielten auf etwa 150 Firmenstandorte sowie Privatwohnungen, Buchhaltungsgesellschaften und Rechtsanwaltsbüros. Während die Einsätze sich von Nord nach Süd über das gesamte Staatsgebiet erstreckten, konzentrierten sich die operativen Kräfte stark auf den Großraum Lissabon und den Großraum Porto; weitere Durchsuchungen reichten bis nach Braga und Coimbra. Die europäischen Staatsanwälte bereiteten zudem parallele Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen für die Durchführung im Ausland vor, um angeschlossene Netzwerkknoten zu zerschlagen.
- Polícia Judiciária
- 700 Ermittler
- Autoridade Tributária
- 300 Ermittler
Funktionsweise des Mehrwertsteuer-Karussells
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf einen mutmaßlichen Mehrwertsteuer-Karussellbetrug beim Großhandelskauf und Vertrieb von Mobiltelefonen. Die Ermittler stellten fest, dass das Netzwerk Dutzende Briefkastenfirmen in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union gründete, um Waren über wiederkehrende grenzüberschreitende Transaktionen zu leiten. Nach den EU-Regeln für den innergemeinschaftlichen Handel sind Geschäfte zwischen Unternehmen aus verschiedenen Mitgliedstaaten von der Mehrwertsteuer befreit – ein Mechanismus, den die Täter nutzten, um die Einfuhrsteuer auf die Waren zu umgehen. Anschließend reichten die Firmen betrügerische Anträge auf Mehrwertsteuererstattung ein, bevor sie die Mobilgeräte an Endverbraucher weitergaben. Die aus den Endverkäufen eingenommene Steuer wurde nie an den portugiesischen Fiskus abgeführt, da die Strohfirmen keine Steuern erklärten oder sich nach Abschluss der Transaktionen vollständig auflösten.
Finanzieller Schaden und Gerichtsverfahren
Die Behörden gehen davon aus, dass das Betrugsschema erhebliche finanzielle Verluste für öffentliche Mittel verursacht hat. Die Ermittler schätzen den Gesamtschaden für den portugiesischen Staat auf über 100 Millionen Euro; einige Schätzungen nennen Beträge von mehr als 120 Millionen Euro. Das Verfahren fasst zwei getrennte Ermittlungsakten zusammen, die aus Erkenntnissen der Operation Admiral aus dem Jahr 2022 hervorgegangen sind. Zu den untersuchten Straftatbeständen zählen kriminelle Vereinigung, Steuerbetrug, schwerer Steuerbetrug, Geldwäsche und Korruption. Die Justizbehörden erließen zwischen 20 und 40 Haftbefehle gegen Schlüsselfiguren des Unternehmens- und Finanznetzwerks. Die bei den Razzien festgenommenen Personen werden nach Lissabon gebracht, um am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, dem Zentralen Strafgericht für Ermittlungssachen vorgeführt zu werden.
- Die Operation Admiral liefert Erkenntnisse, die zu zwei Steuerbetrugsverfahren führen
- Die Behörden vollstrecken in der Operation Hermes 250 Durchsuchungsbeschlüsse in ganz Portugal
- Die Festgenommenen sollen dem Zentralen Strafgericht für Ermittlungssachen in Lissabon vorgeführt werden
Koordination und internationale Reichweite
Der Einsatz zählt zu den größten Aktionen, die von der Europäischen Staatsanwaltschaft in Portugal koordiniert wurden. Die Ermittler wiesen darauf hin, dass das Netzwerk auf eine ausgefeilte Unternehmensstruktur setzte, um Tausende Mobiltelefon-Transaktionen ohne echte Geschäftstätigkeit zu simulieren. Der Einsatz von insgesamt 1.000 Kräften von Polizei und Steueraufsicht spiegelt den Verfahrensaufwand wider, der erforderlich ist, um komplexe Unternehmensstrukturen zu prüfen und Unterlagen sicherzustellen. Die Einsatzkräfte vor Ort beschlagnahmten physische Geschäftsbücher, digitale Kommunikation und Buchhaltungsunterlagen aus Dutzenden Firmenzentralen. Die Justizbeamten werden nach den vorläufigen Gerichtsanhörungen in Lissabon formelle Haftmaßnahmen und Kautionsauflagen festlegen.

