
Niedersachsens SPD-Fraktionschef Stefan Politze tritt nach Aufhebung der Immunität zurück
Stefan Politze hat am Donnerstagabend sein Amt als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen niedergelegt, einen Tag nachdem der Landtag in Hannover seine Immunität aufgehoben hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verkaufs eines ehemaligen Klinikgeländes in Lehrte.
Rücktritt nach der Immunitätsentscheidung
Stefan Politze, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen, trat am Donnerstagabend, dem 8. Oktober, in einer Fraktionssitzung zurück. Der Landtag in Hannover hatte seine Immunität am Vortag, einem Mittwoch, aufgehoben und damit den Weg für weitere staatsanwaltschaftliche Schritte wie eine mögliche Hausdurchsuchung frei gemacht. Der 61-jährige Politze sagte, er könne nicht sagen, ob eine solche Durchsuchung geplant sei. Am Mittwoch war eine geplante Fraktionssitzung am späten Nachmittag abgesagt worden, und ein kleinerer Kreis von SPD-Abgeordneten traf sich am Abend, wie ein Insider dem NDR bestätigte.
Politze sagte, er sei fest von seiner Unschuld überzeugt, spüre aber die Belastung für die Partei, die Fraktion und sich selbst. In der Erklärung der Fraktion wird er wie folgt zitiert:
Die Aufhebung der Immunität und die Berichterstattung der vergangenen Tage darüber lasten auf dem Amt.
- Der Landtag hebt zu Beginn der Plenarsitzung die Immunität von Politze auf
- Ein kleinerer Kreis von SPD-Abgeordneten trifft sich, wie ein Insider dem NDR bestätigte
- Politze kündigt in einer abendlichen Fraktionssitzung seinen Rücktritt an
Anschließend kündigte er an, zurückzutreten.
Deshalb übernehme ich politische Verantwortung und lege mein Amt aus Verantwortung für die Fraktion nieder.
Was die Staatsanwaltschaft prüft
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Verkaufs des Geländes einer ehemaligen Klinik in Lehrte in der Region Hannover. Laut NDR sollen Informationen über den Kaufpreis kurz vor Ende der Ausschreibung an einen Bieter weitergegeben worden sein, was jedoch nicht bewiesen ist. Politze steht im Verdacht, wettbewerbswidrige Absprachen unterstützt zu haben, eine Straftat, die eine Vortat voraussetzt. Sein Anwalt Matthias Waldraff sagte, der Zusammenhang mit dem Ermittlungskomplex um Steffen Krach sei "klar", doch sein Mandant könne sich nicht vorstellen, dass Krach eine Straftat begangen habe. Politze sagte, er wisse derzeit nichts über die Gründe des Verfahrens und habe sich nichts vorzuwerfen. Er kündigte volle Kooperation an und erklärte, bis zur Einsicht in die Akten keine weiteren Statements abgeben zu wollen.
Weitere SPD-Politiker im Visier der Ermittlungen
In dem Fall geht es auch um Steffen Krach, der weiterhin als Präsident der Region Hannover amtiert und SPD-Spitzenkandidat für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus war. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn einen Anfangsverdacht der Bestechlichkeit in zwei Fällen, Krach bestreitet alle Vorwürfe. Auch Adis Ahmetovic, seit 2021 Mitglied des Bundestags und seit 2020 Vorsitzender der Hannoveraner SPD, wird nach Angaben seines Anwalts Holger Nitz ermittelt. Die Staatsanwaltschaft wollte dies unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe weder bestätigen noch dementieren, und Nitz sagte, der Antrag seines Mandanten auf Akteneinsicht sei bislang abgelehnt worden. Ob die Ermittlungen gegen Ahmetovic mit der Ausschreibung in Lehrte zusammenhängen, bleibt unklar. Alle drei Politiker bestreiten ein Fehlverhalten, und es gilt die Unschuldsvermutung.
Reaktionen in der Partei und offene Fragen
Olaf Lies, SPD-Landesvorsitzender und Ministerpräsident von Niedersachsen, reagierte in einer Erklärung der Landespartei. Er sagte, Politze habe die Entscheidung getroffen, damit die Fraktion ihre Arbeit mit voller Kraft fortsetzen könne, und dankte ihm für seinen engagierten Einsatz.
Innerhalb der SPD waren in den vergangenen Tagen die Vorbehalte gegenüber Politzes Umgang mit der Affäre gewachsen, und einige Mitglieder sollen verlangt haben, dass er sich vor dem Rücktritt vor der Fraktion erklärt. In SPD-Kreisen außerhalb des Parlaments galt er als nicht mehr haltbar. Ob die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung durchführen wird und wann Politze Akteneinsicht erhält, bleibt offen.


