KI-generiert·Mehr erfahren
Regierung·vor 3 Std.

Öffentliche Verwaltungen in Norddeutschland tun sich schwer, Ingenieure und IT-Fachkräfte zu rekrutieren – der demografische Engpass verschärft sich

Gemeinden und Kreise in Schleswig-Holstein haben immer größere Schwierigkeiten, offene Stellen in technischen und sozialen Berufen zu besetzen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Der demografische Wandel und die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft setzen die Nachwuchsgewinnung unter Druck.

Die am stärksten betroffenen Berufe

Öffentliche Einrichtungen in ganz Schleswig-Holstein berichten, dass Personallücken nahezu in allen Bereichen bestehen, der Druck jedoch im Ingenieurwesen, in der Informationstechnologie und in der sozialen Betreuung am größten ist.

Besonders auffällig ist dies bei Bautechnikern und Ingenieuren, am stärksten im Tiefbau, sowie bei IT-Fachkräften und im Bildungsbereich.

Der stellvertretende Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages Schleswig-Holstein fügte hinzu, dass selbst klassische Verwaltungsaufgaben immer schwerer zu besetzen seien, was die Kommunen zwinge, verstärkt auf Quereinsteiger zu setzen.

Demografischer Wandel und wachsende Aufgabenliste

Zwei Kräfte treiben den Engpass an. Die erste ist eine steigende Zahl von Renteneintritten, die nicht durch einen Zustrom junger Arbeitskräfte ausgeglichen wird. Die zweite ist eine stetige Ausweitung der staatlichen Aufgaben.

In den letzten Jahren hat es eine erhebliche Zunahme neuer Aufgaben für Kreise und Gemeinden gegeben, oder bestehende Aufgaben wurden ausgeweitet, was zu einer höheren Arbeitsbelastung führt.

Berneith, stellvertretender Geschäftsführer des Landkreistages Schleswig-Holstein, sagte, bundesweite Prognosen deuteten auf einen Fehlbestand von rund 731 000 Verwaltungsmitarbeitern bis 2030 hin.

Folgen für Bürger und Personal

Offene Stellen führen zwangsläufig zu längeren Warte- und Bearbeitungszeiten für die Bürger und zu eingeschränkter Erreichbarkeit, erklärte Berneith. Die Belastung fällt auch auf die Kollegen, die die Arbeit einer vakanten Stelle übernehmen und folglich weniger Zeit für ihre eigenen Fälle haben. In der Stadt Lübeck sagte Sprecherin Nicole Dorel, dass von einer Kernverwaltung mit 4 560 Mitarbeitern derzeit rund 40 Stellen ausgeschrieben seien.

Ungleiches Bild im Land

Nicht jeder Ort schildert die Situation als flächendeckende Krise. Kiels Sprecherin Kerstin Graupner merkte an, dass die Stadt mit knapp über 5 000 Stellen eine Besetzungsquote von 95 Prozent habe, obwohl ein hoher Anteil an Teilzeitkräften bedeute, dass die Kopfzahl eine dünnere Abdeckung in der Praxis verschleiere. Dorel warnte ebenfalls davor, mit zu grobem Pinsel zu malen.

Generell von einem Personalmangel zu sprechen, wäre nicht zutreffend.

Dennoch räumen beide Städte ein, dass in einigen Berufsgruppen – insbesondere im Bauingenieurwesen – der öffentliche Dienst die Konkurrenz der Privatwirtschaft deutlich spürt.

Hoffnungsschimmer

Es gibt Inseln der Entlastung. Berneith wies darauf hin, dass die Kreise in den letzten Monaten offene Stellen in ihren Ausländerbehörden besetzen konnten, was ihnen geholfen hat, mit einer steigenden Zahl von Einbürgerungsanträgen fertig zu werden. Die Verbesserung hat jedoch das Gesamtbild einer öffentlichen Belegschaft, die schneller altert als sie sich erneuern kann, nicht verändert.

Lübeck · Kiel

3 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft