
Pariser Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen nicht einvernehmlicher Filmaufnahmen von Frauen mit Smart Glasses ein
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat mehrere Strafverfahren gegen Personen eingeleitet, die mit kamerabestückten Smart Glasses heimlich Frauen in der Öffentlichkeit filmten und die Videos online verbreiteten. Die Straftaten können mit bis zu zwei Jahren Haft und 45.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.
Justizmaßnahmen in Paris
Am 22. September 2026 gab die Pariser Staatsanwaltschaft die Einleitung mehrerer Strafverfahren bekannt, nachdem Beschwerden von Frauen eingegangen waren, die ohne ihre Einwilligung mit Smart Glasses auf öffentlichen Straßen gefilmt worden waren. Die Staatsanwaltschaft nannte weder die Markennamen noch die Hersteller, die in den Rechtsmitteln genannt wurden. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die öffentliche Verbreitung von Bild- oder Toninhalten über Online-Kommunikationsdienste ohne Zustimmung der betroffenen Person. Die französischen Justizbehörden gaben an, dass sich mehrere Opfer nach Begegnungen in städtischen Gebieten gemeldet hätten, bei denen Passanten mit tragbarer Technologie sie heimlich aufgenommen hätten. Nach französischem Strafrecht wird die Übermittlung oder Verbreitung nicht einvernehmlicher Aufnahmen einer Person mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 45.000 Euro bestraft.
Belästigung in sozialen Medien und Anklagen wegen sexueller Nötigung
Der rechtliche Schritt folgt auf Warnungen vor einem Online-Phänomen, bei dem heimlich aufgezeichnete Aufnahmen von Frauen auf digitalen Plattformen hochgeladen werden. Die Kinderschutzorganisation e-Enfance, die Frankreichs nationale Hotline 3018 für Opfer digitaler Gewalt betreibt, gab am 8. September 2026 eine formelle Warnung vor der Verbreitung erniedrigender Videoaufnahmen heraus, die mit kamerabestückten Brillen erstellt wurden. Zusätzlich zu Verstößen gegen die Privatsphäre bestätigten die Staatsanwälte, dass mehrere eröffnete Fälle auch Anklagen wegen sexueller Nötigung umfassen, wenn nicht autorisierte Aufnahmen zusammen mit nicht einvernehmlichem Körperkontakt stattfanden.
Es gibt einen zunehmenden Trend in sozialen Netzwerken, Frauen auf der Straße ohne ihre Einwilligung mit Smart Glasses zu filmen und die Videos online zu stellen.
Geräteverbreitung und Cyberkriminalitätstests
Smart Glasses, die durch kommerzielle Partnerschaften zwischen Brillenherstellern und Technologiekonzernen wie Google und Meta entwickelt wurden, integrieren nach außen gerichtete Kameras, Mikrofone, Internetverbindung und Live-Streaming-Technologie. Die Hardware ermöglicht es den Nutzern, Videos aufzunehmen, Standbilder zu machen, Anrufe zu tätigen, Texte zu übersetzen und direkt in soziale Netzwerke zu streamen. Im Jahr 2025 erreichten die weltweiten Verkäufe der von Meta und Ray-Ban entwickelten Smart-Glasses-Reihe 7 Millionen Einheiten. Im September 2026 führte die Abteilung für Cyberkriminalität der Pariser Staatsanwaltschaft spezielle technische Bewertungen von Smart Glasses durch, um mögliche strafrechtliche Haftungsrisiken zu identifizieren. Die Ermittler fanden heraus, dass Träger heimlich sensible digitale Daten wie private Wiederherstellungsphrasen von Kryptowährungs-Wallets erfassen konnten, um finanzielle Vermögenswerte abzuschöpfen.
- Meta und Ray-Ban verkaufen weltweit 7 Millionen Smart Glasses.
- Hamburger Abgeordnete schlagen ein Verbot tragbarer Aufnahmegeräte in öffentlichen Bädern und Saunen vor.
- Die französische Kinderschutzorganisation e-Enfance warnt vor eskalierenden erniedrigenden Videos online.
- Pariser Cyberkriminalitätsermittler führen technische Tests zu den Fähigkeiten von Smart Glasses durch.
- Pariser Staatsanwaltschaft kündigt mehrere Strafverfahren wegen nicht einvernehmlicher Aufnahmen an.
Kommunale Einschränkungen und deutscher Widerstand
Die Bedenken hinsichtlich kamerabestückter Brillen haben sich in ganz Europa ausgeweitet und in Deutschland kommunale Debatten über Verbote im öffentlichen Raum ausgelöst. In Hamburg wurde die 28-jährige Bewohnerin Zeina Abou Taha ohne ihre Einwilligung auf der Straße von einem Smart-Glasses-Träger gefilmt; das entstandene Material kursierte online und wurde von beleidigenden Kommentaren begleitet. Als Reaktion auf die zunehmenden Vorfälle brachten politische Fraktionen in Hamburg vor der Bürgerschaftssitzung Anfang September Gesetzesvorschläge ein. Ein von der Linken eingebrachter Vorschlag zielt darauf ab, Smart Glasses und alle tragbaren Aufnahmegeräte in städtischen Schwimmbädern zu verbieten, einschließlich Badezonen, Liegewiesen, Umkleidekabinen, Duschen, Toiletten und Saunen. Ein ergänzender Antrag der Sozialdemokratischen Partei und der Grünen sieht vor, dieses Verbot auf das gesamte öffentliche Nahverkehrsnetz der Stadt auszuweiten.


