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Wahlen·vor 6 Std.

Jochen Ott mit 96 Prozent Delegiertenstimmen als SPD-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen bestätigt

Jochen Ott ist auf einem Parteitag in Düsseldorf formell zum Spitzenkandidaten der SPD für die nordrhein-westfälische Landtagswahl im April 2027 gewählt worden. Der Fraktionsvorsitzende erhielt 96,2 Prozent der Delegiertenstimmen. Er wird Amtsinhaber Hendrik Wüst (CDU) herausfordern, während die SPD versucht, eine lang anhaltende Umfragetalfahrt umzukehren.

Die Abstimmung

Am Freitag erteilten die Delegierten in Düsseldorf dem 52-jährigen Fraktionsvorsitzenden ein nahezu einstimmiges Mandat: 204 von 218 gültigen Stimmen entfielen auf Ott, sieben Delegierte stimmten mit Nein, es gab eine Enthaltung; sechs Stimmzettel waren ungültig. Das Ergebnis von 96,2 Prozent setzt ihn an die Spitze der SPD-Landesliste für die im April 2027 anstehende Wahl.

Ich bin bereit, mit euch zu kämpfen. Machen wir es gemeinsam, wir schaffen das, liebe Genossinnen und Genossen!

Der Parteitag gab damit de facto den Startschuss für einen Wahlkampf, den die SPD bewusst früh – mehr als zehn Monate vor der Stimmabgabe – eröffnet hat.

Ein Oppositionsführer vor schlechten Umfragen

Ott führt die SPD-Landtagsfraktion seit 2023 und ist Oppositionsführer gegen die schwarz-grüne Koalition von Ministerpräsident Wüst. Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei 14 bis 18 Prozent, weit abgeschlagen hinter der CDU mit 32 bis 34 Prozent. Die Kluft spiegelt die Landtagswahl 2022 wider, als die SPD auf 26,7 Prozent abrutschte, während die CDU 35,7 Prozent holte. Die Partei, einst dominant im bevölkerungsreichsten Bundesland, regierte dort zuletzt zwischen 2010 und 2017 unter Hannelore Kraft, bevor sie gegen Armin Laschet (CDU) verlor.

Für die Bundes-SPD stehen hohe Stakes auf dem Spiel: Nordrhein-Westfalen ist ihr mitgliederstärkster Landesverband – ein schwaches Abschneiden wäre ein düsteres Signal nach Berlin vor der nächsten Bundestagswahl.

Otts Forderungen an Berlin

Vor der Abstimmung hatte Ott in einem Radiointerview die bundespolitische SPD-geführte Koalition zu mehr sichtbarem Ehrgeiz gedrängt. Das ständige Gerede von Kürzungen demoralisiere die Wähler.

Man kann den Menschen von Montag bis Freitag nicht erzählen, dass überall gekürzt und gespart werden muss. Wenn man Zuversicht und wirtschaftliches Wachstum erreichen will, muss man die Menschen motivieren und mitnehmen.

Er forderte die Bundesregierung auf, zügig einen gemeinsamen Reformvorschlag vorzulegen und mit „mehr Leidenschaft“ zu kommunizieren. Die Annäherung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern sei ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Koalition müsse nun „auf die Tube drücken“.

Der Kandidat und der Weg nach vorn

Als bildungspolitischer Fachmann aus Köln ist Ott seit 2010 Mitglied des Landtags. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Profil der SPD zu schärfen und „ein soziales Gegengewicht zur Landesregierung“ aufzubauen. Dennoch ist er in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt – die Steigerung seines Bekanntheitsgrads gehört zu den unmittelbaren Herausforderungen des Wahlkampfs.

Falls er gewinnt, versprach Ott ein Entlastungspaket für Familien. Der frühe Nominierungszug der SPD ist auch der Versuch, Dynamik zu erzeugen, während die Position der Partei auf Bundesebene unter Druck bleibt.

Düsseldorf

3 Quellen

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