
Oktoberfest-Schaustellerin verteilt kostenlose Shorts, um Frauen vor Upskirting zu schützen
Elisabeth Polaczy, die 80-jährige Betreiberin des Münchner Teufelsrads, hat mehr als 100 Radlerhosen an Besucherinnen ausgegeben, während die Behörden auf Tausende voyeuristische Aufnahmen im Internet reagieren.
Betreiberin führt Schutzshorts ein
Elisabeth Polaczy, die 80-jährige Betreiberin des Teufelsrads auf dem Münchner Oktoberfest, hat während des 16-tägigen Festes mehr als 100 Radlerhosen an Besucherinnen ausgegeben. Das Teufelsrad ist eine der ältesten Attraktionen des traditionellen bayerischen Bierfestes. Die Attraktion besteht aus einer großen, rotierenden Kreisfläche, die so lange beschleunigt, bis die Teilnehmer das Gleichgewicht verlieren und abrutschen. Die Kombination aus körperlicher Bewegung und Fliehkraft führt häufig dazu, dass Röcke oder Dirndl der Frauen beim Sturz nach oben fliegen. Polaczy bietet die kostenlosen Shorts seit drei Jahren an, um Frauen und Mädchen in Röcken vor Zuschauern zu schützen, die nicht einvernehmliche Aufnahmen machen. Der Kauf der zusätzlichen Kleidungsstücke verursacht zwar zusätzliche Betriebskosten, doch Polaczy erklärte, die Ausgabe sei ihr Seelenfrieden wert.
Polaczy beschrieb ihr Engagement für eine sichere Umgebung an der Attraktion:
Ich möchte alles tun, damit sich die Menschen sicher fühlen.
Verbreitung im Netz und Monetarisierung
Nicht einvernehmliche Aufnahmen von der Attraktion haben sich in den sozialen Netzwerken weit verbreitet. Die Münchner Tageszeitung Süddeutsche Zeitung berichtete, dass mindestens 32.000 Videos, die Frauen auf dem Teufelsrad zeigen, im Internet kursieren. Mehrere dieser Videoclips haben auf verschiedenen Plattformen Millionen Aufrufe erreicht. In einigen Fällen wurden die Originalclips digital bearbeitet, um die gezeigten Frauen nackt darzustellen. Ermittlungen des Bayerischen Rundfunks ergaben, dass Einzelpersonen mit dem Material finanziell profitiert haben. Der Sender identifizierte ein Produktionsnetzwerk aus bayerischen Einwohnern und professionellen YouTubern aus der Ukraine und stellte fest, dass eine Frau 9.000 Euro (7.650 Pfund) mit der Veröffentlichung eines einzigen Videoclips verdiente.
Polizeiliche Maßnahmen auf dem Münchner Fest
Schilder und Polizeihinweise in deutscher und englischer Sprache hängen im Teufelsrad-Zelt, um die Festbesucher davor zu warnen, unter die Kleidung zu filmen. Ein Sprecher der bayerischen Polizei bestätigte, dass die Behörden seit 2025 eine eigene Plakatkampagne auf dem Oktoberfest durchführen. Während des Oktoberfests 2026 nahmen Beamte einen 45-jährigen Schweizer fest, der mit einem Mobiltelefon unter das Dirndl einer Deutschen gefilmt hatte. Auch das Personal hat seine Gewohnheiten angepasst: Mehrere Oktoberfest-Kellnerinnen tragen während ihrer Schichten Radlerhosen unter dem Dirndl.
- 2024
- 7
- 2025
- 10
Rechtliche Lücken und Fragen der digitalen Sicherheit
Das Filmen unter den Rock einer Person ist in Deutschland eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden kann. Juristische Interessenvertreter und Opferhilfeorganisationen erklären jedoch, dass die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht jeden Fall unbeabsichtigter Entblößung erfassen. Josephine Ballon, Leiterin der Organisation HateAid, die Opfer digitaler Gewalt unterstützt, erklärte, das deutsche Recht richte sich gegen Personen, die Kameras gezielt unter Röcken positionieren. Diese spezifische Definition führe zu rechtlichen Unklarheiten, wenn Kleidung durch die Bewegung eines Fahrgeschäfts unbeabsichtigt hochgehe. Ballon warnte zudem vor neuen Überwachungsgeräten wie Brillen mit eingebauter Kamera, und forderte, die Strafbarkeit ausdrücklich auf Personen zu erstrecken, die nicht einvernehmliche Aufnahmen auf Online-Plattformen veröffentlichen.

