Sicherheit · Hamburg und Bornholm

Hamburger Gericht lehnt Antrag auf Aussetzung des Nord-Stream-Prozesses gegen ehemaligen ukrainischen Kapitän ab

Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, den Prozess gegen Serhii Kuznetsov auszusetzen. Dem ehemaligen ukrainischen Kapitän werden die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 zur Last gelegt. Eidesstattliche Erklärungen seiner früheren Vorgesetzten, die am Dienstag, 27. Oktober, verlesen wurden, besagen, er habe damals unter deren unmittelbarem Befehl gestanden.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Financial Times News, Deutsche Welle, DIE WELT und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Hamburg, Bornholm · Deutschland, Dänemark
Wie es dazu kam
  1. 26.09.Explosionen beschädigen Nord Stream 1 und 2 nahe Bornholm
  2. August 2025Kuznetsov wird während eines Urlaubs in Italien festgenommen
  3. 27.10.Hamburger Gericht weist Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Prozesses zurück
  4. Januar 2027Verhandlungstermine bis Ende Januar angesetzt

Gericht lehnt Antrag auf Aussetzung des Prozesses ab

Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat am Dienstag, 27. Oktober, am zweiten Verhandlungstag einen Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Verfahrens gegen Serhii Kuznetsov zurückgewiesen. Die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring entschied, dass der Prozess wie geplant fortgesetzt wird. Kuznetsov, 50, ist ein ehemaliger Kapitän der ukrainischen Streitkräfte. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Sachbeschädigung und Beihilfe zu einem Kriegsverbrechen vor und behauptet, er habe eine Gruppe aus Sabotagetauchern, einem Sprengstoffspezialisten und einem Bootsführer angeführt. Er wurde im August 2025 während eines Urlaubs in Italien festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert.

Verteidigung beruft sich auf Geheimhaltungseid

Die Anwälte von Kuznetsov argumentieren, sein militärischer Geheimhaltungseid hindere ihn daran, mit ihnen über den Fall zu sprechen oder vor Gericht auszusagen, was ihrer Ansicht nach eine faire Verteidigung unmöglich mache. Sie fügten hinzu, ihm drohe in der Ukraine eine schwere Strafe, sollte er aussagen. Kuznetsov hat es abgelehnt, zu seiner eigenen Verteidigung auszusagen; bereits zum ersten Verhandlungstermin zwei Wochen zuvor hatte die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens beantragt.

Meier-Göring erklärte, die Freiheit zur Aussage in Deutschland werde nicht durch die Dienstvorschriften eines anderen Staates eingeschränkt. Sie wies das Argument so zurück:

„Nach deutschem Recht ist der Angeklagte in seiner Verteidigung nicht eingeschränkt.“

Anne Meier-Göring

Die Richterin stellte zudem infrage, ob die eidesstattlichen Erklärungen der mutmaßlichen früheren Vorgesetzten als amtliche Dokumente gelten, und merkte an, die beiden Männer könnten selbst an dem Anschlag beteiligt gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft bezeichnete die beiden Vorgesetzten als Unterstützer der Operation, was nach Einschätzung des Gerichts Zweifel an ihren Aussagen aufwirft.

Erklärungen der früheren Vorgesetzten

Zwei notariell beglaubigte eidesstattliche Erklärungen früherer militärischer Vorgesetzter wurden an diesem Tag vor Gericht verlesen, ebenso amtliche Unterlagen über Kuznetsovs Dienstzeit im Zeitraum der Anschläge. Roman Chervinsky, ein Oberst und ehemaliger stellvertretender Kommandeur der Einheit von Kuznetsov, schrieb, der Kapitän habe bis Oktober 2022 unter seinem „unmittelbaren Befehl“ gestanden. In derselben Erklärung heißt es, Kuznetsov habe seinen Posten nie ohne Genehmigung des Oberbefehlshabers verlassen.

„Kapitän Kuznetsov hat seinen Dienstposten nie aus eigenem Antrieb und ohne Genehmigung des Oberbefehlshabers verlassen.“

Roman Chervinsky, Oberst und ehemaliger stellvertretender Kommandeur

Chervinsky argumentierte zudem, die Nord-Stream-Pipelines seien ein legitimes Ziel gewesen, da sie Handlungen unterstützten, die die territoriale Integrität und Unabhängigkeit der Ukraine bedrohten. Er ist derzeit in ein separates, seit Langem laufendes Verfahren wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs verwickelt, das laut den Berichten nichts mit diesem Prozess zu tun hat.

Die Anschläge von 2022

Die Explosionen ereigneten sich am 26. September 2022 nahe der dänischen Insel Bornholm. Thomas Forster, ein Experte des Bundeskriminalamts (BKA), stellte dem Gericht eine PowerPoint-Präsentation vor. Er sagte, die erste Detonation habe sich um 2:03 Uhr ereignet und in einer Tiefe von 77 Metern ein Loch in einen der beiden Stränge von Nord Stream 2 gerissen, während der andere Strang nur an seinen äußeren Schichten beschädigt worden sei. Forster sagte, die Pipeline sei noch mit Gas unter einem Druck von 103 bar gefüllt gewesen, und der austretende Strahl habe einen Schub erzeugt, der mit dem eines Raketentriebwerks vergleichbar sei. Russland hatte den Betrieb beider Leitungen Monate zuvor eingestellt, und Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen.

Die Position Kiews

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Pläne für die Sabotage auf Anweisung ukrainischer Staatsstellen erstellt wurden. Die Regierung in Kiew bestreitet jede offizielle Beteiligung an Operationen gegen die Pipelines, und Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine staatliche Beteiligung an dem Anschlag wiederholt und kategorisch bestritten.

Wie es weitergeht

Das Gericht hat Verhandlungstermine bis Ende Januar angesetzt. Die Vorsitzende Richterin sagte, nur Kuznetsov selbst könne das Dilemma um seine Geheimhaltungspflicht lösen, indem er entscheide, wie er vorgehen wolle, und eine Darstellung der Vorwürfe erfordere nicht zwangsläufig die Offenlegung geheimer Daten. Die Verteidigung hat einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens eingereicht; die Ablehnung dieses Antrags durch das Gericht bedeutet, dass das Verfahren fortgesetzt wird.

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