
Bolivien leitet Untersuchung gegen Evo Morales wegen tödlicher Hotelrazzia 2009 in Santa Cruz ein
Boliviens amtierender Generalstaatsanwalt hat ein Vorermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten Evo Morales und den früheren Vizepräsidenten Álvaro García Linera wegen einer Polizeirazzia im Jahr 2009 eingeleitet, bei der drei Männer getötet wurden. Ein förmliches Verfahren zur Klärung der Verantwortlichkeiten müsste vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit genehmigt werden.
Staatsanwaltschaft eröffnet neue Untersuchung
Boliviens amtierender Generalstaatsanwalt José Armando Urioste hat ein Vorermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten Evo Morales und seinen früheren Vizepräsidenten Álvaro García Linera wegen einer Polizeirazzia in einem Hotel in Santa Cruz im Jahr 2009 eingeleitet. Bekanntgegeben wurde der Schritt am Montag, dem 12. Oktober 2026, eine Woche nachdem Urioste vom Kongress ernannt worden war, nachdem sein Vorgänger Roger Mariaca wegen Vorwürfen des Drogenhandels und der Geldwäsche festgenommen worden war. In einem Schreiben an den Obersten Gerichtshof erklärte Urioste, die Behörden sammelten Beweise gegen beide Männer "wegen der mutmaßlichen Begehung der Verbrechen Mord, Misshandlung, Folter und rechtswidriger Freiheitsberaubung". Die Angaben zum Verfahrensstand gehen auseinander: Eine Darstellung spricht von einem förmlichen Strafverfahren, während das Schreiben der Staatsanwaltschaft von einem frühen Stadium der Beweissammlung spricht.
Die Razzia von 2009
Am 16. April 2009 stürmte die Polizei das Hotel Las Américas in Santa Cruz und tötete drei Männer: einen Bolivianer mit kroatischer Staatsangehörigkeit, einen Iren und einen Ungarn mit rumänischer Staatsangehörigkeit. Zwei weitere wurden festgenommen; die beiden Überlebenden erklärten später, sie seien nach ihrer Festnahme gefoltert worden. Die damalige Regierung erklärte, die Gruppe habe eine separatistische Bewegung vorbereitet, die von der rechten Wirtschaftselite Santa Cruz' finanziert worden sei, und die Männer seien bei einem Schusswechsel gestorben – eine Darstellung, die rasch bestritten wurde. Morales befand sich damals auf einem offiziellen Besuch in Venezuela und sagte dort vor Reportern, er habe die Festnahme der Ausländer angeordnet, die er "Söldner" nannte. Der Fall wurde später unter der Regierung von Jeanine Áñez geschlossen, trotz Zweifeln und Vorwürfen der Erpressung.
- Polizei stürmt Hotel in Santa Cruz, tötet drei Männer und nimmt zwei weitere fest
- Interamerikanische Menschenrechtskommission stellt fest, dass Bolivien Menschenrechte verletzt hat
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Beschwerde und Menschenrechtskommission
Die Untersuchung folgt einer Beschwerde zweier rechter Abgeordneter, Tomasa Yarhui und Rodrigo Antonio. Antonio bestätigte gegenüber AFP, dass es sich um die Akte handelt, die als Fall "Hotel Las Américas" bekannt ist. Familien und Opfer brachten den Fall vor die Interamerikanische Menschenrechtskommission, die 2021 zu dem Schluss kam, dass Bolivien Menschenrechte verletzt habe – eine Feststellung, die Entschädigungsansprüche begründet. Der Fall wurde anschließend an den Interamerikanischen Gerichtshof verwiesen. Antonio wies die offizielle Darstellung der Razzia zurück.
Es gab keinen Zusammenstoß zwischen den Sicherheitskräften und diesen Personen.
Antonio erklärte zudem, die Männer seien "außergerichtlich hingerichtet" und nicht in einer Konfrontation getötet worden.
Morales' Reaktion und Haftbefehle
Weder Morales noch García Linera hatten sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung zu der jüngsten Untersuchung geäußert. Morales soll sich auf der Flucht befinden und sieht sich zwei aktiven Haftbefehlen ausgesetzt, die er bestreitet. Einer betrifft seine mutmaßliche Rolle bei Protesten, die Bolivien 53 Tage lang lahmlegten und die rumänische Berichte in den Mai und Juni datieren. Der andere beschuldigt ihn des Menschenhandels mit einer Minderjährigen, mit der er eine Tochter haben soll. Morales bestreitet beide Vorwurfskomplexe.
Wie es weitergeht
Sollte die Staatsanwaltschaft Beweise für strafbare Handlungen finden, muss sie einen Antrag an das Parlament richten, das nach Angaben von Europa Press eine Zweidrittelmehrheit benötigt, um ein Verfahren zur Klärung der Verantwortlichkeiten zu genehmigen. Dieses Verfahren würde vom Obersten Gerichtshof als Garantiegericht beaufsichtigt. Die zur Prüfung stehenden Vorwürfe lauten Mord, Misshandlung, Folter und rechtswidrige Freiheitsberaubung; eine Entscheidung über eine Anklage wurde nicht gemeldet. Der Menschenrechtsfall bleibt mit dem Interamerikanischen Gerichtshof verbunden, an den er nach der Feststellung von 2021 verwiesen wurde.


