
Deutscher „Maskenmann“ in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt für Mord an zehnjährigem Jonathan im Jahr 2004
Ein Gericht in Nantes verurteilte Martin N., der in Deutschland bereits wegen drei Kindermorden lebenslang sitzt, wegen der Tötung eines Jungen, der von einem Schulcamp in Saint-Brévin-les-Pins verschwand.
Urteil in Nantes
Ein französisches Gericht in Nantes verurteilte den 55-jährigen Deutschen Martin N. am 4. Juni 2026 zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an dem zehnjährigen Jonathan C. im Jahr 2004. Der Angeklagte, in Deutschland als „Maskenmann“ bekannt, stand regungslos da, als das Urteil verlesen wurde, wie mehrere französische Medien berichten. Er hatte die Tat während des zweiwöchigen Prozesses bestritten und dem Gericht gesagt: „Ich war es nicht.“
Der Mord an dem Jungen trug die ‚kriminelle Signatur‘ des Angeklagten.
Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass zahlreiche Indizien auf N.s Schuld hindeuteten, und das Gericht stimmte dem zu und verhängte die Höchststrafe.
Das Verschwinden im Jahr 2004
Jonathan verschwand nachts aus einem Schulcamp in Saint-Brévin-les-Pins, einer Küstenstadt im Westen Frankreichs. Seine Leiche wurde etwa sechs Wochen später in einem Teich etwa 30 Kilometer entfernt gefunden. Der Junge war unbekleidet, gefesselt und mit einem Betonklotz von etwa 20 Kilogramm beschwert.
Ein Doppelleben in Deutschland
Zwischen 1992 und 2001 missbrauchte N. zahlreiche Jungen in Norddeutschland und tötete drei von ihnen im Alter von acht, neun und dreizehn Jahren. Er arbeitete tagsüber als Kinderbetreuer und Erzieher, leitete Ferienlager und war in Kinderheimen tätig. Nachts zog er eine dunkle Sturmhaube über und schlich in die Schlafzimmer seiner Opfer, was ihm den Spitznamen „Maskenmann“ einbrachte.
Im Februar 2012 verurteilte ihn das Landgericht Stade zu lebenslanger Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Er hatte die meisten deutschen Taten nach einem elfstündigen Gespräch mit zwei Polizeibeamten gestanden.
Die französische Ermittlung
Französische Ermittler begannen bereits 2008, mögliche Verbindungen zwischen N. und Jonathans Fall zu prüfen, da sie deutliche Parallelen zur norddeutschen Serie feststellten. Direkte forensische Beweise wie DNA wurden nicht gefunden. Ein Zeuge berichtete jedoch, am Abend des Verschwindens ein Auto mit deutschen Kennzeichen in der Nähe eines Teiches gesehen zu haben; der Fahrer schien etwas auszuladen und wegzufahren. 2017 behauptete ein Mithäftling, N. habe gestanden, ein Kind in Frankreich getötet zu haben.
- N. beginnt eine Serie von Kindesmissbrauch und Morden in Norddeutschland.
- Letzter bekannter deutscher Mord durch N.
- Der zehnjährige Jonathan verschwindet aus einem Schulcamp in Saint-Brévin-les-Pins, Frankreich.
- Jonathans Leiche wird in einem Teich gefunden, beschwert mit einem Betonklotz.
- Französische Ermittler beginnen, mögliche Verbindungen zum deutschen „Maskenmann“ zu prüfen.
- Das Landgericht Stade verurteilt N. wegen drei Morden in Deutschland zu lebenslanger Haft.
- Ein Mithäftling behauptet, N. habe gestanden, ein Kind in Frankreich getötet zu haben.
- Gericht in Nantes verurteilt N. wegen Mordes an Jonathan und verhängt lebenslange Haft.
Psychiatrische und justizielle Zusammenarbeit
Während des Prozesses in Nantes hörte das Gericht französische und deutsche Ermittler sowie psychiatrische Sachverständige, die den Angeklagten während einer vorübergehenden Überstellung in eine französische Einrichtung untersucht hatten. Die grenzüberschreitende justizielle Zusammenarbeit ermöglichte es dem französischen Gericht, seinen Fall aufzubauen, obwohl weder ein Geständnis noch forensische Beweise vorlagen.
Haftstatus
N. wurde 1970 in Bremen geboren und ist ein ehemaliger Kinderbetreuer und alleinerziehender Pflegevater eines Sohnes. Er verbüßt derzeit seine deutsche lebenslange Haftstrafe in Celle. Das neue französische Urteil fügt eine weitere rechtliche Konsequenz für einen Mann hinzu, dessen Verbrechen sich über zwei Länder und mehr als ein Jahrzehnt erstreckten.


