
Abderrahim Fakir stirbt nach Polizeimaßnahme in Bologna; Video zeigt Beamte, die auf ihm knien
Abderrahim Fakir, 42, starb am Sonntag, nachdem er von Beamten im Stadtteil Pilastro mit Pfefferspray besprüht, gefesselt und mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden festgehalten worden war. Ein Video zeigt ihn, wie er um Hilfe ruft, während medizinisches Personal zusieht.
Der Vorfall
Am Sonntag, dem 19. Juli, am späten Vormittag, alarmierten Bewohner des Bologneser Stadtteils Pilastro den Notruf 113, um einen Mann zu melden, der sich in der Via Svevo aggressiv verhielt. Abderrahim Fakir, ein 42-jähriger in Marokko geborener Mann, der seit seinem siebten Lebensjahr in Italien lebte, schrie und schlug auf geparkte Autos ein. Als eine Polizeistreife eintraf, schlug Fakir auch auf das Polizeifahrzeug ein. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und drückten ihn zu Boden. Mit Hilfe von zwei Anwohnern und in Anwesenheit von medizinischem Personal des 118 fesselten sie seine Handgelenke mit Kabelbindern auf dem Rücken und versuchten, seine Knöchel zu fixieren. Kurz darauf erlitt Fakir einen medizinischen Notfall und starb noch am Ort.
Video zeigt letzte Minuten
Ein 5 Minuten und 27 Sekunden langes Video, das von einem Nachbarn aus einem Fenster gefilmt und von La Repubblica veröffentlicht wurde, zeigt Fakir mit dem Gesicht nach unten auf dem Asphalt, zwei uniformierte Beamte liegen auf ihm. Ein Beamter drückt auf seinen Oberkörper und Kopf, während eine dritte Person in Zivil seine Knöchel festhält. Fakir ist immer wieder zu hören, wie er ruft: „Aiuto. Basta, basta!“ (Hilfe! Genug!). Zwei Sanitäter stehen in der Nähe, greifen aber nicht ein. Nach einigen Minuten hört Fakir auf, sich zu bewegen, und wird still. Daraufhin treten die Beamten zurück, und das medizinische Personal dreht ihn um und stellt fest, dass er nicht reagiert.
- Anwohner melden einen Mann, der sich in der Via Svevo aggressiv verhält.
- Polizeistreife trifft ein; Fakir schlägt auf das Polizeifahrzeug ein.
- Beamte setzen Pfefferspray ein und drücken Fakir zu Boden.
- Fakir wird mit Kabelbindern gefesselt, von zwei Beamten und einem Zivilisten mit dem Gesicht nach unten festgehalten.
- Fakir ruft wiederholt „Aiuto! Basta, basta!“ während Sanitäter zusehen.
- Nach einigen Minuten wird Fakir still und hört auf, sich zu bewegen.
- Medizinisches Personal dreht ihn um und stellt fest, dass er nicht reagiert; der Tod wird festgestellt.
Offizielle Reaktion und Ermittlungen
Das Polizeipräsidium Bologna erklärte, die Beamten seien auf Bitten von Bürgern eingeschritten und von Passanten bei der Überwältigung des Mannes unterstützt worden.
Die Bodycam-Aufnahmen der eingreifenden Beamten, die die Einsätze aufgezeichnet haben, werden der Justizbehörde unverzüglich zur Verfügung gestellt.
Staatsanwalt Paolo Guido wird die Aufnahmen, Zeugenaussagen und die Ergebnisse einer Autopsie prüfen, um die Todesursache und etwaige Strafvorwürfe zu ermitteln. Nach einem kürzlich eingeführten „Strafschild“-Gesetz könnte die Registrierung der Beamten als Beschuldigte um bis zu 120 Tage verzögert werden, während eine vorläufige Prüfung durchgeführt wird.
Empörung der Familie und der Gemeinschaft
Fakirs Schwester, Katia Fakir, traf am Ort ein, nachdem sein Tod festgestellt worden war. Sichtlich aufgewühlt sagte sie zu Reportern:
Sie töten uns jeden Tag! Sie töten unsere Kinder! Wir brauchen die Hilfe unseres Königs, auch um meinen Bruder zu rächen.
Sie bestand darauf, dass ihr Bruder von der Polizei geschlagen und getötet worden sei, und appellierte an die Bewohner der umliegenden Gebäude als Zeugen. Am Abend zog ein von der Familie organisierter friedlicher Protestmarsch Nachbarn und Unterstützer in den Stadtteil Pilastro, mit Sprechchören gegen die Polizei.
Politische Folgen
Der Tod rief schnell Reaktionen von Oppositionspolitikern hervor. Matteo Mauri, Abgeordneter der Demokratischen Partei (PD) und sicherheitspolitischer Sprecher der Partei, sagte:
Was heute in Pilastro passiert ist, ist zutiefst schmerzhaft. Es darf keine Zweideutigkeit geben: Jeder Umstand muss mit Strenge und Transparenz und ohne Verzögerung aufgeklärt werden.
PD-Senatorin Sandra Zampa fügte hinzu, dass nicht nur die Familie und die marokkanische Gemeinschaft, sondern die gesamte Stadt Bologna Antworten verdiene. Die Partei forderte Innenminister Matteo Piantedosi auf, sich vor dem Parlament zu äußern und den Ablauf zu klären. Italienische Medien zogen Parallelen zur Tötung von George Floyd in Minneapolis im Jahr 2020.


