Sicherheit · Mailand und Genua

Mailänder Staatsanwaltschaft legt kein Rechtsmittel gegen Sihers Freilassung ein – Richterin erhält Polizeischutz

Die Staatsanwaltschaft Mailand wird die Freilassung von Youssef Siher, einem 30-jährigen Forscher, dem Anstiftung zu Straftaten vorgeworfen wird, nicht vor dem Riesame-Gericht anfechten. Richterin Tiziana Landoni, die ihn freigelassen hat, wurde nach Online-Drohungen und Beleidigungen unter Polizeischutz gestellt.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von il Giornale.it, Il Fatto Quotidiano, Adnkronos und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Mailand, Genua · Italien
Wie es dazu kam
  1. 17.–18. Oktober 2026Gewaltsame Proteste und Plünderungen in der Mailänder Innenstadt am Wochenende, danach entstanden der Chat und die Seite „Movimento 17 ottobre“
  2. Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026Siher wird wegen Anstiftung zu Straftaten mit terroristischer Qualifikation festgenommen
  3. 28.10.Richterin Tiziana Landoni bestätigt die Haft nicht und ordnet Sihers Freilassung wegen fehlender schwerwiegender Beweise an
  4. 6.11.Die Staatsanwaltschaft Mailand entscheidet, die Freilassung nicht vor dem Riesame-Gericht anzufechten

Staatsanwaltschaft legt kein Rechtsmittel ein

Die Staatsanwaltschaft Mailand hat entschieden, die Anordnung von Richterin Tiziana Landoni, mit der Youssef Siher freigelassen wurde, nicht vor dem Riesame-Gericht anzufechten. Siher ist ein 30-jähriger Forscher, der den Telegram-Chat und die Instagram-Seite „Movimento 17 ottobre“ betreibt. Die zehntägige Frist für ein Rechtsmittel ist abgelaufen, die Entscheidung ist damit offiziell. Am 28. Oktober hatte Landoni es abgelehnt, die gegen ihn angeordnete Haft zu bestätigen, und ihn unter Verweis auf fehlende schwerwiegende Beweise freigelassen. Die Staatsanwaltschaft hält die Haftgründe, die zur Festnahme geführt hatten, nicht mehr aufrecht. Siher bleibt wegen Anstiftung zu Straftaten mit terroristischer Qualifikation sowie wegen organisierter Gewalt bei öffentlichen Demonstrationen Gegenstand der Ermittlungen.

Die Ermittlungen laufen weiter

Die Ermittlungen gehen weiter, der Fokus liegt nun auf neuen Beweisen und der Rekonstruktion von Sihers Kontaktnetz. Die Postpolizei und die Digos führen die Ermittlungen unter Koordination des Staatsanwalts Marcello Viola und der Staatsanwältin Francesca Crupi; auch die Staatsanwaltschaft Genua prüft seine Kontakte. Sihers Telefon bleibt beschlagnahmt, und er hat den PIN für den Zugang nicht herausgegeben. Geräte, die bei ihm und bei seiner Frau Sagia Hammoud beschlagnahmt wurden, die wegen derselben Delikte ermittelt wird, könnten erste Erkenntnisse bringen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Chat am Abend des 18. Oktober eingerichtet und nach dem Wochenende der Gewalt und der Plünderungen in der Mailänder Innenstadt zu neuen Zusammenstößen aufgerufen zu haben. Landoni hingegen bewertete, dass er Proteste gegen die Regierung organisierte und dabei harsche und vulgäre Sprache benutzte, aber nie zu Gewalt oder zur Verwüstung des 17. und 18. Oktober aufrief. Die Staatsanwaltschaft verweist zudem auf ein Urteil des Kassationsgerichts vom Januar 2026, wonach eine Anstiftung vorliegen kann, wenn die Überzeugungskraft ausreicht, andere zu Straftaten zu drängen.

Richterin unter Schutz

Nachdem sich Drohungen und Beleidigungen online verbreitet hatten, bat der Präsident des Gerichts von Mailand, Fabio Roia, die Behörden um Schutz für Landoni. Die Präfektur stellte sie daraufhin unter die Vigilanza generica radiocollegata (VGR), eine erste Schutzstufe und keine Personenschutzeinheit. Sie umfasst Kontrollen in der Nähe ihrer Wohnung und an den Orten, die sie frequentiert, häufige Durchfahrten von Polizeifahrzeugen und Patrouillen der Carabinieri. Die Maßnahme wurde vom Provinzialkomitee für Ordnung und öffentliche Sicherheit bestätigt; die Schutzstufe kann kurzfristig erhöht werden, wenn die Ermittler konkrete Bedrohungen gegen sie feststellen. Roias Schreiben an Präfekt Claudio Sgaraglia, Questore Bruno Megale, Staatsanwalt Marcello Viola und Generalstaatsanwältin Francesca Nanni enthielt ausdrückliche Drohungen, darunter eine Nachricht, die ihr wünschte, sie stünde bereits unter Eskorte, sowie Hinweise auf Umschläge mit Patronen. Auch KI-generierte Bilder des Gesichts der Richterin kursierten im Netz.

Politische Reaktionen

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte die Entscheidung beschämend; laut La Stampa war sie die erste, die diese Kritik äußerte. Fanpage berichtet, das Gericht von Mailand habe die Richterin verteidigt und die Äußerungen der Regierungschefin als inakzeptabel zurückgewiesen. Il Giornale schrieb, die Entscheidung habe in der Politik Unbehagen ausgelöst, und im Gerichtsgebäude habe das Ausmaß der Online-Drohungen große Bestürzung hervorgerufen. In der Begründung von Landonis Anordnung heißt es, es bestehe keine Fluchtgefahr, da keine regelmäßigen Auslandsreisen dokumentiert seien, und auch die Kontakte zur ProPal-Bewegung deuteten nicht darauf hin.

Minderjährige freigelassen

Das Riesame-Gericht hat zudem sechs der 35 Minderjährigen freigelassen, die wegen der Proteste vom 17. Oktober festgenommen worden waren, und ihre Vorsichtsmaßnahmen aufgehoben.

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