
Julio Llamazares gewinnt Spaniens Nationalen Erzählpreis für El viaje de mi padre
Spaniens Kulturministerium hat am Freitag den mit 30.000 Euro dotierten Preis an den Schriftsteller Julio Llamazares für seinen Roman verliehen, in dem er die Route seines Vaters im Bürgerkrieg nachzeichnet.
Preisentscheidung und Befunde der Jury
Das spanische Kulturministerium hat am Freitag den Nationalen Erzählpreis 2026 an den Schriftsteller Julio Llamazares für sein Werk El viaje de mi padre verliehen. Der mit 30.000 Euro dotierte Staatspreis würdigt erzählerische Werke spanischer Autorinnen und Autoren. Die Jury unter dem Vorsitz der Generaldirektorin für das Buch, María José Gálvez Salvador, wählte den bei Alfaguara erschienenen Band wegen seiner Auseinandersetzung mit Erinnerung und generationellen Traumata aus. Das Gremium hob hervor, dass das Buch ein intimes Porträt davon zeichne, wie Kriegswunden über Jahrzehnte hinweg fortwirken.
Durch eine poetische, feinsinnige und nüchterne Prosa werden die Landschaften und Figuren zu den eigentlichen Protagonisten einer Reise durch die Zeit, die Raum, Vergangenheit und Literatur miteinander verbindet und einen ehrlichen Blick ohne epische Großartigkeit eröffnet, verbunden mit ihrer menschlichsten Seite.
Nachzeichnung eines Kriegsmarsches durch Aragón
In El viaje de mi padre, erschienen im Herbst 2025, rekonstruiert Llamazares die Kriegsbewegungen seines Vaters Nemesio Alonso, eines Dorflehrers, der im August 1996 in La Mata de la Bérbula in León starb. Alonso wurde 1937 im Alter von 18 Jahren eingezogen und erlebte militärische Aktionen an Fronten wie Teruel und der Sierra de Espadán. Der Autor begann seine Recherchen zu dieser Reise nach einer zufälligen Begegnung mit einem ehemaligen Kriegsgefährten seines Vaters. Als er diese Route 86 Jahre später durch Aragón nachzeichnete, dokumentierte Llamazares physische Landschaften, Begegnungen vor Ort und persönliche Reflexionen, ohne die Gewalt zu romantisieren. Der Text beginnt mit einer Widmung an alle, die den Spanischen Bürgerkrieg auf welcher Seite auch immer verloren haben, an jene, die alle Kriege verlieren, und an seine Geschwister.
El viaje de mi padre erweist sich als ein Werk von großer Sensibilität, das zur Reflexion über den Lauf der Zeit und die Bande zwischen den Generationen einlädt und eine individuelle Erfahrung in eine intime Rebellion gegen das Vergessen und den Gedächtnisverlust verwandelt.
Vier Jahrzehnte literarischen Schaffens
Die Auszeichnung 2026 würdigt ein schriftstellerisches Werk, das sich über fünf Jahrzehnte in Lyrik, Prosa, Journalismus und Reisebüchern entfaltet hat. Der 1955 in Vegamián geborene, 71-jährige Autor veröffentlichte seine ersten Gedichtbände La lentitud de los bueyes 1979 und Memoria de la nieve 1982. Breite Bekanntheit erlangte er mit frühen Romanen wie Luna de lobos und seinem 1988 erschienenen Titel La lluvia amarilla, der vor 38 Jahren die Entvölkerung eines Bergdorfs schilderte. Zu seinen Sach- und Reisebüchern zählen El río del olvido, Trás-os-Montes, Cuaderno del Duero, Las rosas de piedra, Atlas de la España imaginaria, El viaje de don Quijote und Las rosas del sur. Sein erzählerisches Werk umfasst zudem spätere Romane und Essays wie El cielo de Madrid, Las lágrimas de San Lorenzo, Distintas formas de mirar el agua und Vagalume.
- Veröffentlicht den Gedichtband La lentitud de los bueyes
- Veröffentlicht den Gedichtband Memoria de la nieve
- Veröffentlicht den Roman La lluvia amarilla
- Veröffentlicht das Reisebuch El río del olvido
- Vater Nemesio Alonso stirbt in La Mata de la Bérbula
- Veröffentlicht El viaje de mi padre bei Alfaguara
- Erhält Spaniens Nationalen Erzählpreis
Kontext des Staatspreises
Die Entscheidung wurde am Freitag von einer Jury getroffen, der Maite Salord, Rosa Agost Canó, Carmen Alemany Bay, Miguel Barrero Vázquez, José Belmonte Serrano, Mayte Antona, Brígida Manuela Pastor Pastor, Ramón Rozas Domínguez und Paco Cerdà angehörten. Cerdà, der die Ausgabe 2025 mit seinem Werk Presentes gewonnen hatte, übergab die Auszeichnung feierlich an Llamazares. Der Preis hat herausragende Persönlichkeiten der zeitgenössischen spanischen Erzählliteratur gewürdigt, darunter Raúl Quinto, Pilar Adón, Marilar Aleixandre, Xesús Fraga, Juan Bonilla, Cristina Morales, Almudena Grandes und Fernando Aramburu.

