
Rechtes Wochenmagazin L'Infiltré startet, ohne mutmaßlichen Maulwurf des Rassemblement National zu nennen
Die neue Investigativpublikation L'Infiltré hat am 29. September ihre erste Ausgabe veröffentlicht und damit ursprüngliche Pläne revidiert, einen mutmaßlichen Informanten innerhalb des Rassemblement National zu nennen; zur Begründung verwies sie auf einen kürzlich erschienenen Mediapart-Bericht über Jordan Bardella.
Start von L'Infiltré
Am Dienstag, dem 29. September, veröffentlichte das neue rechte Investigativ-Wochenmagazin L'Infiltré seine Erstausgabe, ohne die Identität eines mutmaßlichen Informanten innerhalb des Rassemblement National (RN) preiszugeben. Das Medium, das als Investigativ-Ableger der identitären Publikation Frontières gegründet wurde, hatte mehrere Wochen lang über verbündete Medienkanäle die erwartete Enthüllung angekündigt. L'Infiltré, das im weiteren Medienumfeld des konservativen Milliardärs Vincent Bolloré operiert, positioniert sich als rechtes Gegengewicht zu etablierten französischen Investigativpublikationen wie Mediapart und Le Canard enchaîné. Geleitet wird die Publikation von Chefredakteur Jules Torres, der zugleich Journalist beim Le Journal du Dimanche und regelmäßiger Kommentator beim Fernsehsender CNews und beim Radiosender Europe 1 ist.
Begründung für die Zurückhaltung des Namens
Die angekündigte Recherche sollte einen Funktionär des RN enttarnen, der beschuldigt wurde, während der jüngsten Berichterstattung über RN-Präsident Jordan Bardella vertrauliches Material an die Tageszeitung Libération weitergegeben zu haben. Die Chefredaktion veröffentlichte jedoch eine öffentliche Erklärung, in der sie den plötzlichen Rückzug auf eine separate, von Mediapart veröffentlichte Recherche zurückführte. Diese Berichterstattung behauptete, Bardella habe in mehreren privaten Online-Konversationen zwischen 2013 und 2015 antisemitische Äußerungen gemacht. L'Infiltré bezeichnete die Mediapart-Recherche als organisierte Kampagne, die auf Bardellas politische Vernichtung abziele, und argumentierte, die Nennung des Namens des Informanten wäre in diesem Moment von gegnerischer Medienberichterstattung überlagert und verzerrt worden.
Angesichts der Macht der linken Presse und der ihr zur Verfügung stehenden Medien können wir nicht garantieren, dass unsere Informationen für das gehört werden, was sie enthüllen.
Die Leitung erklärte, das Medium behalte sich vor, die Identität des Informanten zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen, sobald sich die politischen Bedingungen änderten.
Weitere Behauptungen in der Erstausgabe
Anstelle der versprochenen Enthüllung aus der Partei führte die Erstausgabe Berichte ins Feld, die sich gegen Wirtschaftsführer und die französische Regierung richteten. Auf der Titelseite wurde Xavier Niel, dem Chef der Telekommunikationsgruppe Free, vorgeworfen, das Durchsickern von Äußerungen von Hélène Mercier-Arnault, der Ehefrau von LVMH-Chef Bernard Arnault, organisiert zu haben. Mercier-Arnault hatte in einem Interview mit dem Radiosender RTL angedeutet, obdachlos zu sein könne eine Lebensstilentscheidung sein. RTL sendete die Äußerung zwar nicht, doch Mediapart erlangte und veröffentlichte sie später. In einem weiteren Bericht behauptete das Wochenmagazin, Präsident Emmanuel Macron und die Kommunikationsfirma Publicis hätten interveniert, um die französische Reiseroute von Papst Leo XIV. zu beeinflussen. Der Papst hatte für das Frühjahr einen Besuch der medizinischen Einrichtung Jeanne Garnier, eines Palliativzentrums in Paris, geplant, doch das Wochenmagazin berichtete, die Exekutive habe den vorgeschlagenen Besuch als ungelegen empfunden, während sie versuchte, ein Gesetz zur Sterbebegleitung zu verabschieden.
- Jordan Bardella nimmt mutmaßlich an privaten Konversationen teil, die in der Mediapart-Berichterstattung zitiert werden.
- Papst Leo XIV. erwägt einen geplanten Besuch der Palliativeinrichtung Jeanne Garnier in Paris.
- L'Infiltré veröffentlicht seine Erstausgabe, ohne die Quelle im Rassemblement National zu identifizieren.
Interne Reaktionen in der Partei
Die abgebrochene Enthüllung vollzog sich vor dem Hintergrund wachsender interner Ängste und Loyalitätskonflikte innerhalb des Rassemblement National. Parteimitglieder sehen sich wegen Leaks an die Presse verstärkter Prüfung ausgesetzt, was internes Misstrauen und konkurrierende Loyalitätsbekundungen unter den Parteikadern auslöste. Während die Identität einer internen Quelle von der Publikation nicht bestätigt wird, lenkte die Episode die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf Fraktionsreibung und Vertraulichkeitsbedenken in der Parteiführung. Obwohl die Entscheidung, den Namen zurückzuhalten, eine unmittelbare interne Konfrontation vermied, bleiben Streitigkeiten über unautorisierte Briefings und Leaks an unabhängige Nachrichtenorganisationen ein aktives Problem innerhalb der Parteistruktur.
