
Julia Klöckner droht AfD- und Linksfraktionen mit Ausschluss wegen Störungen im Bundestag
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erklärte, sie werde ganze Fraktionen ausschließen, wenn die Störungen andauern, und verwies auf einen starken Anstieg der Ordnungsrufe und auf für soziale Medien inszenierte Reden.
Ausschlusswarnungen wegen zunehmender Störungen
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner warnte vor wachsender Polarisierung und Fehlverhalten im Deutschen Bundestag und hob Abgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) und der Linken hervor. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der Funke Mediengruppe erklärte die CDU-Politikerin, dass die Spannungen im Plenarsaal stark zugenommen hätten. Klöckner stellte fest, dass AfD und Linke mit großem Abstand die meisten formellen Ordnungsrufe erhalten, wobei die AfD die höchste Gesamtzahl und die Linke knapp dahinter folgt. Sie warnte davor, dass diese Polarisierung nicht dazu führen dürfe, dass parlamentarische Verfahren verhindert oder die Stimmen der Mehrheit durch gezielte Störungen übertönt würden.
Klöckner erklärte, sie sei bereit, strenge Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen, wenn Störungen die Arbeit des Plenums verhindern.
Wenn es eskaliert, werde ich die gesamte Fraktion rauswerfen. Dieses Instrument habe ich als Präsidentin.
Sie fügte hinzu, dass ihre Kernaufgabe als Präsidentin darin bestehe, Debatten zu leiten und sicherzustellen, dass jede Fraktion gehört werde, insbesondere wenn eine Gruppe systematisch versuche, einen Redner so lange zu stören, bis er nicht mehr verstanden werden könne.
Social-Media-Auftritte und Debattenstandards
Klöckner kritisierte Abgeordnete beider Fraktionen dafür, dass sie digitale Eigenwerbung über substanzielle parlamentarische Debatten stellten. Sie beobachtete, dass Mitglieder ihre Reden zunehmend direkt für ihr Publikum auf Social-Media-Plattformen zuschneiden und inszenierte Auftritte statt Beiträge zur legislativen Beratung liefern. Abgeordnete nutzten die Redezeit im Plenum, um ihre Online-Follower zu begrüßen und vorbereitete Manuskripte zu verlesen, die in keinem Zusammenhang mit den Beiträgen vorheriger Redner stehen. Klöckner bezeichnete diese Gewohnheiten als unangemessenes Verhalten, das die Standards des deutschen Parlaments herabsetze.
Die Bundestagspräsidentin betonte, dass parlamentarische Debatten zwar hitzig werden könnten, persönliche Angriffe jedoch die demokratische Zusammenarbeit beschädigten.
Wenn nicht die Diskussion, sondern die Demontage im Mittelpunkt steht, wenn nicht das Argument, sondern die Person bekämpft wird, dann wird es aus meiner Sicht gefährlich.
Sie erklärte, dass die Verlagerung des Fokus von politischen Argumenten auf persönliche Angriffe die politischen Parteien daran hindere, legislative Kompromisse zu erzielen. Klöckner betonte, dass der Bundestag eine Vorbildfunktion für den öffentlichen Diskurs habe und von den Abgeordneten verlange, Standards im Umgang mit politischen Gegnern einzuhalten.
Verfahrensreformen und gleiche Durchsetzung
Als Reaktion auf Veränderungen im parlamentarischen Verhalten hat der Bundestag eine umfassende Modernisierung seiner Geschäftsordnung abgeschlossen. Klöckner merkte an, dass das Parlament seit 45 Jahren keine Verfahrensreform dieses Ausmaßes mehr durchgeführt habe. Auf Anregungen, dass die parlamentarische Ordnung möglicherweise außer Kontrolle gerate, wies Klöckner die Vorstellung zurück, dass sie von den erhöhten Spannungen überfordert sei. Sie erklärte, wenn Angst ihre Arbeit bestimme, müsse sie sofort von ihrem Amt zurücktreten.
Klöckner bekräftigte, dass Verfahrensregeln einheitlich durchgesetzt werden müssten, unabhängig davon, welche Partei einen Verstoß begehe.
Jeder bekommt seine Gelegenheit, wenn er sich nicht an die Regeln hält.
Ihre disziplinarische Aufsicht umfasst auch die Rüge der Bundesregierung, wenn Kabinettsmitglieder während der Debatten nicht ausreichend auf den Regierungsbänken vertreten sind. Sie schloss, dass eine konsequente Durchsetzung der Regeln über alle Fraktionen hinweg notwendig sei, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Parlament als demokratische Institution zu bewahren.


