
Ryanairs O'Leary sieht bis Sommer 2027 keinen Kerosinmangel in Europa, doch die Preise bleiben hoch
Michael O'Leary sagte am Donnerstag, Europa dürfte diesen Winter und bis zum Sommer 2027 nicht ohne Flugkraftstoff dastehen, sofern keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten – während Kerosin derzeit 50 Prozent mehr kostet als Brent-Rohöl.
Versorgungssicherheit
Michael O'Leary, Vorstandschef von Ryanair, sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz des Airline-Verbands Airlines for Europe (A4E) in Brüssel, an der Verfügbarkeit von Flugkraftstoff in Europa bestehe diesen Winter und bis zum nächsten Sommer kein Zweifel, es sei denn, ein unvorhersehbares Ereignis trete ein. Die Knappheitsängste waren entstanden, weil die Golfstaaten als große Produzenten von Öl und Kerosin ihre Produktion während des Krieges im Nahen Osten kaum exportieren können. Ölanlagen in diesen Ländern werden von Iran angegriffen, das selbst unter Angriffen der Vereinigten Staaten steht, sowie von den Huthi-Rebellen im Jemen. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien verschärfen die Lage zusätzlich, und die Ukraine verteidigt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Angriffe auf Raffinerien und Treibstofflager, die die Quellen Iran und seinen Verbündeten zuschreiben, häufen sich.
An der Verfügbarkeit von Kerosin in Europa besteht meiner Ansicht nach diesen Winter kein Zweifel, und ehrlich gesagt auch bis zum nächsten Sommer nicht, es sei denn, es tritt ein unvorhersehbares Ereignis ein.
Preise bleiben hoch
Die Kerosinpreise sind seit März stark gestiegen, und O'Leary sagte, die Prämie gegenüber Rohöl habe das übliche Niveau deutlich überschritten. Er rechnet damit, dass die Preise in den nächsten 12 bis 18 Monaten hoch bleiben, und verwies auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, Angriffe der Huthi und Irans auf Kapazitäten im Nahen Osten sowie Engpässe bei Raffinerie-, Schifffahrts- und Verarbeitungskapazitäten. Raffinerien anderswo in der Welt laufen mit voller Kapazität, um Europa und andere Kontinente zu versorgen. Kerosin wird im Durchschnitt mit 1.550 Dollar pro Tonne gehandelt.
Historisch war Kerosin zwischen 10 und 15 Prozent teurer als Brent-Rohöl. Derzeit liegt der Preis 50 Prozent höher.
Warnungen aus der Luftfahrtbranche
Pascal de Izaguirre, der den französischen Luftverkehrsverband Fnam leitet und zugleich die Fluggesellschaft Corsair führt, äußerte sich in Paris ähnlich. Die Versorgungssicherheit bereite der Branche keine Sorgen.
Die Versorgungssicherheit bereitet uns keine Sorgen. Das ist schon ein positiver Punkt.
Er warnte, dass bei dem aktuellen Ölpreis eine Reihe von Flügen in die roten Zahlen rutscht und damit zu großen Verlustbringern wird. Die Lage habe sich seit der militärischen Intervention im Iran verschlechtert, sagte er und verwies auf höhere Kerosinpreise und das, was er ununterbrochene Steuererhöhungen nannte. Traditionelle Fluggesellschaften können den Schock besser verkraften als Billigflieger.
Ich will Ihnen nicht verhehlen, dass die Lage dennoch sehr ernst ist.
Flugplanstreichungen und Lobbyarbeit
Ryanair hatte im vergangenen Monat angekündigt, wegen höherer Treibstoffkosten den Flugplan für diesen Winter zu reduzieren, und das Jahresziel für die Passagierzahl von 216 Millionen auf 214 Millionen gesenkt.
- Vorheriges Ziel
- 216 Mio. Passagiere
- Revidiertes Ziel
- 214 Mio. Passagiere
Auf der Brüsseler Pressekonferenz drängten Führungskräfte von Air France-KLM, EasyJet, IAG, Lufthansa und Ryanair die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten zu Maßnahmen für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Luftverkehrs.

