
Schweizer Bundespräsident drängt auf US-Zollobergrenze von 15%, sieht aber keinen Durchbruch in den Washingtoner Gesprächen
Bundesrat Guy Parmelin traf am Montag den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer, doch beide Seiten verließen die Gespräche ohne verbindliches Zollabkommen. Die Drohung höherer Abgaben lastet weiter auf den Schweizer Exporten.
Eine stockende Verhandlung
Guy Parmelin, der Schweizer Bundespräsident für 2026, setzte sich am 29. Juni in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zusammen. Ziel war es, eine maximale Zollbelastung von 15 Prozent für Schweizer Waren festzuschreiben, bevor der derzeitige vorübergehende Satz am 24. Juli ausläuft. Die Gespräche brachten keine Unterschrift, obwohl Greer später erklärte, die USA arbeiteten weiterhin an einem „fairen, ausgewogenen und gegenseitigen“ Abkommen.
Wir arbeiten weiterhin auf den Abschluss eines Abkommens über fairen, ausgewogenen und gegenseitigen Handel hin.
Schweizer Beharren auf der 15-Prozent-Obergrenze
Bern stützt sich stark auf eine gemeinsame Erklärung vom November 2025, die die US-Zusatzzölle auf 15 Prozent begrenzt. Parmelin legte ein einseitiges Dokument vor, das im Detail aufführt, wie die Schweiz jede Verpflichtung erfüllt hat – darunter gesetzliche Anpassungen zur Erleichterung von US-Automobilausfuhren, Angleichungen bei Medizinproduktestandards und Regeln für das öffentliche Beschaffungswesen. Er erwartet, dass Washington dies erwidert.
Ein Deal ist ein Deal.
Die Schweizer Regierung hat zudem ihr Versprechen angepriesen, innerhalb von fünf Jahren 200 Milliarden Dollar in die amerikanische Wirtschaft zu investieren. Dennoch räumte Parmelin ein, dass die Stimmung nicht auf eine unmittelbare Unterzeichnung hindeutete.
- Angedrohter Satz (2025)
- 39 %
- Obergrenze der gemeinsamen Erklärung (Nov. 2025)
- 15 %
- Derzeitiger befristeter Satz (Stand Juni 2026)
- 10 %
Die USA leiten neue Untersuchungen ein
Während die Schweizer Delegation ihre Verlässlichkeit betonte, führt das Büro des US-Handelsbeauftragten eine parallele Untersuchung durch, die der Schweiz vorwirft, ihre heimische Industrie indirekt zu schützen. Amerikanische Unterhändler haben ihre Gegenüber in der Vergangenheit bereits mit plötzlichen Zolldrohungen überrascht, darunter ein Schock von 39 Prozent im vergangenen Jahr. Diese Unberechenbarkeit hält die europäischen Exporteure in Atem.
Ein bescheidenes Verfassungsgeschenk
Im Bewusstsein der öffentlichen Wahrnehmung brachte Parmelin zwei Bücher zur Schweizer Verfassungsgeschichte mit, die zusammen etwa 27 Franken wert sind. Greer hatte Interesse an diesem Thema bekundet, und die Bücher unterstreichen die Verbindungen zwischen der Schweizer Bundesverfassung von 1848 und der amerikanischen Verfassungstradition. Das Geschenk steht in starkem Kontrast zu der Rolex-Tischuhr und dem gravierten Goldbarren, die eine private Wirtschaftsdelegation Donald Trump während der Gesprächsrunde 2025 überreichte.
Experten bezweifeln niedrigere Sätze
Rahul Sahgal, Leiter der Swiss-American Chamber of Commerce, erklärte, alles unter 15 Prozent sei derzeit unrealistisch, und die stärkste Waffe der Schweiz sei ihre Glaubwürdigkeit. Er skizzierte ein Szenario, in dem die USA die Zölle vorübergehend leicht über 15 Prozent ansetzen, um sie dann nach erneuter Bestätigung der Schweizer Compliance zu senken. Das eigentliche Risiko sei ein Zusammenbruch, der den Streit auf das Strafniveau von 39 Prozent zurückwerfen würde.
Weniger als 15 Prozent sind derzeit unrealistisch.
Was als Nächstes kommt
Parmelins Nordamerika-Reise dauert bis zum 9. Juli an, mit ursprünglich um die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer herum geplanten Stationen in Kanada und Mexiko. Das Handelsdossier wird jedoch seine Agenda dominieren. Die derzeitigen befristeten Zölle in Höhe von 10 Prozent, die nach einem Eingreifen des Obersten US-Gerichtshofs gesenkt wurden, laufen am 24. Juli aus. Falls bis dahin keine Verlängerung oder ein verbindliches Abkommen in Kraft ist, drohen den Schweizer Exporteuren deutlich höhere Hürden.

