
Angeblicher Verbrecherboss Daniel Kinahan aus Dubai ausgeliefert – vor Special Criminal Court in Dublin
Der 49-jährige Daniel Kinahan wurde mit einer irischen Regierungsmaschine aus Dubai nach Irland gebracht und angeklagt, eine kriminelle Organisation geleitet zu haben – damit endet ein Jahrzehnt im Exil in den VAE.
Auslieferung und Gerichtsverhandlung
Der 49-jährige Daniel Kinahan wurde am Sonntag, dem 9. August, aus Dubai nach Irland ausgeliefert, an Bord einer irischen Regierungsmaschine, die auf dem Casement Aerodrome landete, 14 km von den Strafgerichten im Zentrum Dublins entfernt. Bewaffnete Polizisten flankierten die Eingänge zum Special Criminal Court, während zwei separate Hochgeschwindigkeitskonvois den Angeklagten vom Flugfeld transportierten. Kinahan wurde am 15. April 2026 in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgrund eines irischen Haftbefehls im Rahmen eines bilateralen Auslieferungsabkommens zwischen Irland und den VAE verhaftet, das im letzten Jahr geschlossen wurde. Die Auslieferung erfolgte nach einem Urteil des Dubai Court of Cassation und wurde in einer gemeinsamen Erklärung des irischen Justizministers Jim O'Callaghan und des Justizministers der VAE, Abdullah bin Sultan bin Awad Al Nuaimi, begrüßt, die den Iren als eine der profiliertesten Personen bezeichneten, die im Zusammenhang mit transnationaler organisierter Kriminalität strafrechtlich verfolgt werden sollen.
Die Anklage
Kinahan wird vorgeworfen, zwischen dem 18. Oktober 2015 und dem 6. April 2017 die Aktivitäten einer kriminellen Organisation geleitet zu haben. Die Straftat nach Section 71a des Criminal Justice Act 2006 in der Fassung von 2009 wurde vor zwei Jahrzehnten geschaffen, um Bandenfehden in Limerick und Dublin zu bekämpfen. Fälle nach diesem Paragrafen werden vor dem Special Criminal Court verhandelt, einem Gericht ohne Geschworene, aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Einschüchterung von Zeugen. Die Anhörung dauerte etwa 13 bis 14 Minuten vor Richterin Fiona Lydon, Richter Patrick McGrath und Richterin Sarah Berkeley. Kinahan ließ sich in diesem Stadium des Verfahrens nicht zur Sache ein. Detective Sergeant Colin Davidson erklärte dem Gericht, dass er Kinahan verhaftet habe, der bestätigte, dass er die Anklage verstehe.
Ohne Rechtsbeistand
Kinahan erschien ohne Anwalt. Er sagte dem Gericht, dass er seit Freitagnachmittag isoliert worden sei und geglaubt habe, ein Familienmitglied hätte einen Rechtsbeistand organisiert, was jedoch nicht geschehen sei. Er sagte, er sei bereit, fortzufahren, und werde später Anwälte organisieren. Als ihm mitgeteilt wurde, dass ein Antrag auf Kaution beim High Court gestellt werden müsse, zeigte sich Kinahan gelassen.
Ich glaube, wir wissen, dass ich keine Kaution bekomme, aber trotzdem danke.
Er wurde in Untersuchungshaft genommen und in das Hochsicherheitsgefängnis Portlaoise im Midlands-Gebiet überstellt, voraussichtlich in den A-Trakt. Er soll am 5. Oktober erneut vor Gericht erscheinen.
Haftbedingungen
Kinahans erster voller Tag in Portlaoise am Montag stand in starkem Kontrast zu seinem Jahrzehnt in Dubai. Er ist etwa 20 Stunden am Tag in seiner Zelle eingeschlossen, mit Zugang zu einem Laufband, einigen Hanteln und begrenztem Lesematerial. Eine Quelle sagte der Irish Times, die Einrichtungen seien minimal gewesen, und das sogenannte Fitnessstudio sei „wahrscheinlich etwas größer als ein Abstellraum in einem Haus“. Seine einzige Ausgabemöglichkeit ist der Gefängniskiosk. Er wurde keiner Straftat für schuldig befunden und bleibt vor dem Gesetz unschuldig.
Hintergrund und Beteiligung der USA
Kinahan wurde 2022 von den Vereinigten Staaten als einer von drei Anführern der Kinahan Organised Crime Group genannt, die angeblich etwa ein Drittel des Kokainangebots in Europa kontrolliert, mit Nebengeschäften in Schusswaffen und Erpressung. Das US-Finanzministerium erklärte, die Gruppe habe an einem Bandenkrieg in Irland und Spanien teilgenommen, der zahlreiche Morde zur Folge hatte. Die USA setzten eine Belohnung von bis zu 5 Millionen US-Dollar für Informationen aus, die zu seiner Festnahme oder Verurteilung führen, so France 24 und der Guardian; die Irish Times berichtete von einer Summe von bis zu 15 Millionen US-Dollar. Kinahans Anwälte haben der BBC zuvor mitgeteilt, dass die Vorwürfe falsch seien und keine Beweisgrundlage hätten, und dass er keine Vorstrafen oder Verurteilungen habe. Über seine Boxmanagementfirma MTK Global organisierte Kinahan Meisterschaftskämpfe und beriet Kämpfer wie Tyson Fury, der ihm 2020 öffentlich dankte, bevor er ihn aufgrund von Gegenwind als Verhandlungsführer fallen ließ.
- Kinahan in Dubai aufgrund eines irischen Haftbefehls festgenommen
- Mit Regierungsmaschine nach Irland geflogen, vor dem Special Criminal Court angeklagt
- Erster voller Tag im Hochsicherheitsgefängnis Portlaoise
- Nächster geplanter Gerichtstermin


