
IW verdreifacht deutsche Wachstumsprognose für 2026 auf 1,2% nach starkem ersten Halbjahr
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Schätzung des BIP-Wachstums für 2026 von 0,4% auf 1,2% angehoben und begründet dies mit staatlichen Infrastrukturausgaben und einem frühzeitigen Lageraufbau trotz anhaltender Energie- und Baukostenbelastungen.
Aufgestufte Wachstumsprognosen und frühe Dynamik
Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland im Jahr 2026 verdreifacht und die Schätzung von 0,4% auf 1,2% angehoben. Die Aufwärtskorrektur, die in der Herbstprognose des Instituts vor der offiziellen Veröffentlichung am 20. September detailliert wird, folgt auf eine stärker als erwartete Wirtschaftsleistung in den ersten sechs Monaten des Jahres. Ökonomen des Instituts stellten fest, dass ein spezieller Sonderfonds für die Modernisierung der Infrastruktur, der vollständig über öffentliche Schulden finanziert wird, erstmals für das gesamte Jahr zur Verfügung stand. Auch die Unternehmen erhöhten im ersten Halbjahr 2026 ihre Lagerkäufe und erwarben große Mengen deutscher Chemie- und Elektroprodukte, um sich gegen Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran abzusichern. Für 2027 prognostiziert das Institut ein inländisches Wirtschaftswachstum von rund 1%, was zwei aufeinanderfolgende Expansionsjahre nach vorangegangenen Phasen der Stagnation und Schrumpfung bedeuten würde.
- Bisherige Prognose für 2026
- 0.4 %
- Überarbeitete Prognose für 2026
- 1.2 %
- Prognose für 2027
- 1 %
Verlangsamung im zweiten Halbjahr und Konsumdruck
Die wirtschaftliche Dynamik in ganz Deutschland wird sich im zweiten Halbjahr 2026 voraussichtlich deutlich abschwächen, da vorübergehende Exportfaktoren nachlassen. Der private Konsum im Inland bleibt durch die hohen Energiepreise eingeschränkt, die nach der militärischen Intervention der Vereinigten Staaten gegen den Iran die Energiemärkte am Persischen Golf beeinträchtigten. Höhere Kraftstoffpreise an den Tankstellen schmälern weiterhin die Kaufkraft der Haushalte und halten das prognostizierte Wachstum der privaten Konsumausgaben für das Gesamtjahr bei 0,3%. Gleichzeitig steckt der heimische Bausektor weiterhin in einer anhaltenden Rezession, sodass die staatlichen Investitionen der wichtigste Treiber der nationalen Wirtschaftsleistung bleiben.
Das Institut erläuterte die Verlangsamung zur Jahresmitte in seiner Bewertung der inländischen Wirtschaftsaktivität:
Im zweiten Halbjahr 2026 verlangsamt sich die Dynamik wieder.
Haushaltsdefizite und Arbeitsmarktbedingungen
Die öffentliche Schuldenlast Deutschlands wird sich im Jahr 2026 voraussichtlich ausweiten, was unter anderem auf erhebliche Kapitalzuweisungen für die Aufrüstung der Bundeswehr zurückzuführen ist. Diese Kreditaufnahmen werden das Bundeshaushaltsdefizit bis Ende 2026 auf etwa 4% des Bruttoinlandsprodukts ansteigen lassen. Die gesamte Staatsverschuldung dürfte im gleichen Zeitraum rund 66% der Wirtschaftsleistung erreichen. Die Gesamtteuerungsrate (Verbraucherpreisinflation) wird für 2026 auf durchschnittlich rund 2,5% geschätzt. Auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt wird eine leichte Abschwächung erwartet, wobei die registrierte Arbeitslosigkeit auf nahezu 3 Millionen Menschen ansteigen dürfte, was einer Arbeitslosenquote von 6,3% entspricht.
Globales Handelswachstum und externe operationelle Risiken
Über die Landesgrenzen hinaus prognostiziert das Institut ein globales Wirtschaftswachstum von 2,3% im Jahr 2026, begleitet von einer Ausweitung des Welthandelsvolumens um 5%. Die weltweite Wirtschaftsaktivität wird durch die Einführung neuer Technologien gestützt, insbesondere durch Systeme der künstlichen Intelligenz und grüne Energieinfrastruktur.
Das Institut beschrieb, wie Technologieinvestitionen die internationalen Handelsströme verändern:
Infolgedessen steigt die Nachfrage nach Technologiegütern stark an und führt zu höheren Exportvolumina, insbesondere in Asien.
Trotz dieser technologiegetriebenen Exportvolumina bleibt die deutsche Wirtschaft externen Anfälligkeiten ausgesetzt. Zu den vom Institut identifizierten wesentlichen operationellen Risiken gehören der Krieg in der Ukraine, breitere Nahostkonflikte, internationale Handelsstreitigkeiten und niedrige Wasserstände in den europäischen Flusstransportnetzen.
- Welthandelswachstum
- 5 %
- Globales BIP-Wachstum
- 2.3 %
- Deutsches BIP-Wachstum
- 1.2 %
- Deutsches privates Konsumwachstum
- 0.3 %


