
- Ende Juli 2026Ze Be AI beginnt, die Social-Media-Beiträge von Politikerinnen und Politikern zu verfolgen
- Mitte Oktober 2026Mehr als 44.000 Beiträge erfasst, über 14 Prozent nutzen KI in irgendeiner Form
- 27.10.Die Israelis wählen
Arabische Wähler im Fokus
Palästinensische Führungspersönlichkeiten in Israel rufen Angehörige der arabischen Minderheit zu einer hohen Wahlbeteiligung bei der Wahl am 27. Oktober 2026 auf. Ihr Ziel ist es, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu abzulösen und das zu beenden, was die rechteste Regierung in der Geschichte des Landes wäre. Arabische Bürgerinnen und Bürger, ihrer Herkunft nach Palästinenser und israelische Staatsangehörige, machen je nach Quelle etwa 20 bis 21 Prozent der Bevölkerung aus. Mansour Abbas, ein islamistischer Zahnarzt, der Politiker wurde und die Vereinigte Arabische Liste (Ra'am) führt, sprach in seinem Büro in Nazareth, der größten arabischen Stadt Israels, mit Reuters. Jussef Dschabarin führt die Gemeinsame Liste, die eine weniger versöhnliche Linie als Ra'am verfolgt und in Tel Aviv eine Wahlkampfveranstaltung abhielt. Al Jazeera berichtet, den beiden arabisch geführten Parteien würden zusammen 13 Sitze vorausgesagt – eine Zahl, die sich erst an den Urnen bestätigen muss.
Abbas beschrieb die Tragweite der Wahl als Wechsel der Regierung, nicht als Beitritt zur bestehenden. Gegenüber Reuters sagte er:
„Wir können die Bildung einer neuen Regierung des Wandels sicherstellen.“
Wer das Zünglein an der Waage sein könnte
Umfragen deuten darauf hin, dass der Block von Gadi Eisenkot, angeführt von einem ehemaligen Generalstabschef der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, die meisten Stimmen gewinnt, ohne eine Mehrheit zu erreichen. Damit wäre Eisenkot auf die arabischen Parteien angewiesen, sei es als Koalitionspartner oder als Unterstützer von außerhalb einer Minderheitsregierung. Eisenkot hat bislang ausgeschlossen, mit arabischen Parteien zusammenzuarbeiten, und verweist auf fehlende gemeinsame Werte und deren Weigerung, die Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen. In einem Podcast Anfang Oktober formulierte er seine Haltung unmissverständlich:
„Ich werde mich keiner arabischen Partei anschließen.“
Netanyahu und die meisten Oppositionsführer haben eine Koalition mit den arabisch geführten Parteien ebenfalls ausgeschlossen. Abbas rechnet dennoch mit Spielraum nach der Wahl und verweist auf die harte Arithmetik des Wahlergebnisses. Sollte kein Block eine arbeitsfähige Regierung bilden können, droht dem Land eine Phase der Blockade und anschließend Neuwahlen im Jahr 2027, wobei Netanyahu in der Zwischenzeit im Amt bliebe.
KI im Wahlkampf
Politikwissenschaftler sprechen bereits von Israels erster KI-Wahl. Ze Be AI, ein Forschungsprojekt an der Open University of Israel unter Leitung der Medienforscherin Anat Ben-David, verfolgt die Social-Media-Auftritte von Politikerinnen und Politikern seit Ende Juli. Bis Mitte Oktober hatte das Team mehr als 44.000 Beiträge auf Facebook, Instagram, X und TikTok gesammelt und festgestellt, dass in über 14 Prozent des Materials KI in irgendeiner Form zum Einsatz kam. Ben-David warnte, KI könne kurz vor der Wahl eingesetzt werden, um Kontroversen zu lenken und das Ergebnis zu beeinflussen.
Das Projekt zählte bis Mitte Oktober mehr als 1.800 Beiträge mit KI-generierten Inhalten von Netanyahus Likud-Partei, etwa ein Viertel des analysierten Social-Media-Materials der Likud. Ein Beispiel, das auf Netanyahus Konto veröffentlicht wurde, ist ein 19-sekündiger KI-generierter Clip, der Eisenkot und Abbas zeigt, wie sie sich auf einer Wiese umarmen – eine Szene, die offenbar antiarabische Ressentiments bedienen soll. Der Clip wurde mehr als eine Million Mal angesehen und löste Empörung aus.