
Gianni Infantino schlägt FIFA-Governance-Überprüfung nach Kritik an WM-Anteilsverkauf vor
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat am Montag einen Brief an alle 211 Mitgliedsverbände geschickt, in dem er eine unabhängige externe Überprüfung und Konsultationen der Interessengruppen über den Entscheidungsrahmen des Verbandes vorschlägt.
Brief an die Mitgliedsverbände
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat am Montag einen Brief an alle 211 Mitgliedsverbände und die 37 Mitglieder des FIFA-Rats verschickt, in dem er anbietet, die Art und Weise zu überprüfen, wie die Organisation strategische Initiativen handhabt. Der Schritt folgt auf monatelange institutionelle Spannungen über ein privates Investmentvehikel, das die Kommerzialisierung globaler Fußballturniere zum Ziel hatte. Infantino fragte, ob der Rat eine externe Bewertung genehmigen würde, um institutionelle Autorität, Transparenz und die Verteilung der Zuständigkeiten zwischen den Exekutivorganen zu untersuchen.
Infantino skizzierte den ersten Schritt seiner Initiative in dem an die Verbände gesendeten Brief:
Zunächst werde ich den Rat fragen, ob er eine unabhängige externe Überprüfung des aktuellen Governance-Rahmens der FIFA für große strategische Initiativen in Auftrag geben und mögliche Verbesserungen empfehlen möchte.
Er legte außerdem eine strukturierte Konsultationsphase vor, um Stellungnahmen zu den jeweiligen Rollen des Präsidenten, des Büros, des Rates und des Kongresses einzuholen. Der 37-köpfige FIFA-Rat soll die Vorschläge bei seiner Sitzung am 15. Oktober 2026 bewerten.
Das aufgegebene kommerzielle Vehikel
Der Governance-Streit begann Ende Juli 2026 mit dem Auftauchen des FIFA-Forward-Enterprise-(FFE)-Plans. In diesem Projekt prüfte FIFA die Gründung einer eigenen Einheit zur Verwaltung der kommerziellen und Ticketrechte für Turniere, einschließlich der Männer-, Frauen- und Klub-Weltmeisterschaften. Das Unternehmen wurde auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei 20 bis 21 Prozent für den Verkauf an private Investoren vorgesehen waren, insbesondere an den US-Fonds Thrive Eternal unter der Leitung von Joshua Kushner.
Die Offenlegung stieß in den Konföderationen auf Widerstand und führte zu Boykottdrohungen des europäischen Verbandes UEFA. Infantino zog den Plan daraufhin im Juli zurück, bevor er zu einer formellen Abstimmung durch den Rat oder die Mitgliedsverbände kam. In seinem Brief vom Montag betonte er, dass die sportliche Führung nie zur Disposition gestanden habe, und verteidigte das ursprüngliche Konzept als explorativen Versuch, Mittel für die Fußballentwicklung zu generieren.
Ich erkenne an, dass dies ohne den vollständigen Kontext Besorgnis erregt und den Eindruck erweckt hat, dass bereits Entscheidungen getroffen worden seien. Das war nicht der Fall.
Rechtsstreitigkeiten und Widerstand der Konföderationen
Trotz des Rückzugs des kommerziellen Projekts weitete sich der Widerstand gegen Infantinos Führung in den regionalen Konföderationen aus. Die UEFA bereitete im August 2026 strafrechtliche Klagen gegen Infantino vor US-Gerichten vor, in denen sie kriminelles Missmanagement vorwarf und die Herausgabe aller Dokumente zur FFE-Initiative forderte. Die Vorsitzende des englischen Fußballverbands Debbie Hewitt, die auch als FIFA-Vizepräsidentin fungiert, forderte Infantino separat auf, alle Unterlagen zu dem Vorschlag offenzulegen.
Die FIFA konterte die rechtlichen Schritte, indem sie der UEFA vorwarf, eine Verleumdungskampagne gegen ihre Führung zu führen. Gleichzeitig forderten die UEFA und die CONCACAF, dass die FIFA aus ihren vorhandenen Barreserven 10 Millionen US-Dollar an jeden der 211 Mitgliedsverbände ausschüttet, was einer Gesamtauszahlung von 2,1 Milliarden US-Dollar entspricht. Mitgliedsverbände in mehreren Ländern, darunter der Königliche Niederländische Fußballverband (KNVB) in den Niederlanden, forderten Infantino zum Rücktritt auf, wobei der KNVB einen internationalen Gipfel in Amsterdam zur Aushandlung institutioneller Reformen vorschlug.
Bevorstehende Ratsüberprüfung und Wahlzeitplan
Die Sitzung des FIFA-Rats am 15. Oktober 2026 dient als unmittelbarer Prüfstein für Infantinos Governance-Angebot, bei dem die Mitglieder entscheiden werden, ob sie die externe Überprüfung anordnen. Bis zu diesem Datum eingegangene Stellungnahmen werden in die formelle Tagesordnung des Rates aufgenommen, wobei weitere Konsultationsfristen noch festzulegen sind. Der Konsultationsrahmen soll klären, ob strategische Entscheidungen die einstimmige Zustimmung des Büros oder breitere Referenden auf dem FIFA-Kongress erfordern.
- Infantino legt den FIFA-Forward-Enterprise-Plan nach Widerstand der Konföderationen auf Eis
- UEFA bereitet rechtliche Schritte vor US-Gerichten vor, die kriminelles Missmanagement vorwerfen
- Infantino verschickt Brief mit Vorschlag einer unabhängigen Governance-Überprüfung an 211 Mitgliedsverbände
- FIFA-Rat tritt zusammen, um Governance-Überprüfung und Konsultationsvorschläge zu prüfen
- Frist für die Registrierung von Gegenkandidaten für die FIFA-Präsidentschaftswahl endet
- FIFA-Präsidentschaftswahl soll stattfinden
Der institutionelle Konflikt entfaltet sich vor der nächsten FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027, bei der Infantino eine vierte Amtszeit anstrebt. Nachdem er 2016 die Nachfolge von Sepp Blatter angetreten hatte, bleibt Infantino der einzige erklärte Kandidat, obwohl CONCACAF-Präsident Victor Montagliani als potenzieller Herausforderer gilt. Potenzielle Konkurrenten haben bis zum 18. November 2026 Zeit, um alternative Kandidaturen für die Wahl im März zu formalisieren.


