
DFB-Präsident Bernd Neuendorf lehnt Infantino ab und fordert neue FIFA-Führung
Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, hat bestätigt, dass der DFB bei der Wiederwahl von Gianni Infantino mit Nein stimmen wird, und bezeichnete den FIFA-Chef vor einem UEFA-Treffen in Berlin als nicht mehr tragbar.
Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Bernd Neuendorf, hat den Rückzug von FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert und bestätigt, dass der deutsche Verband gegen ihn stimmen wird. Neuendorf, der den DFB seit 2022 führt, erklärte, das Präsidium des Verbands habe einen förmlichen und einstimmigen Beschluss gefasst, sich bei der anstehenden Wahl gegen Infantino zu stellen. Der deutsche Funktionär argumentierte, der Weltverband brauche nach einem Jahrzehnt unter der aktuellen Führung einen klaren Schnitt. Neuendorf legte seine Position in einem Interview mit der Zeitung Tagesspiegel dar und bediente sich dabei der Schiedsrichtersprache, um die Notwendigkeit von Infantinos Abgang zu beschreiben.
Wir müssen ihn vom Platz stellen.
Neuendorf erklärte, die DFB-Führung sei in dieser Frage zu einem vollständigen Konsens gelangt, weil Infantino alles Vertrauen im gesamten Sport verspielt habe.
Gianni Infantino ist als FIFA-Boss nicht mehr tragbar. Er hat dem Fußball sehr schweren Schaden zugefügt.
Europäischer Gipfel und Infantinos Reformangebot
Die öffentliche Erklärung geht einem Treffen in Berlin voraus, bei dem am Mittwoch alle 55 Mitgliedsverbände der UEFA zusammenkommen, um über die Zukunft des Weltverbands zu beraten. Die Führungsspitzen der europäischen Verbände wollen Governance-Fragen erörtern und ihre Positionen zum Schweizer Funktionär abstimmen. Infantino reagierte auf die anhaltende Kritik an seinem Führungsstil mit einem Brief an alle 211 Mitgliedsverbände der FIFA, in dem er Gespräche über mögliche strukturelle Veränderungen anbot. In diesem Schreiben kündigte Infantino eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance an, verbunden mit Konsultationen über die Stärkung der Entscheidungsprozesse, einschließlich der Rolle des Präsidenten. Neuendorf wies das Angebot als durchsichtiges Manöver zurück, das allein Infantinos Wiederwahl sichern solle.
Es kann nicht sein, dass der für den aktuellen Zustand Verantwortliche den dringend notwendigen Reformprozess steuert.
Wahlkalender und rechtliche Auseinandersetzungen
Der 56-jährige Infantino steht seit zehn Jahren an der Spitze und hat deutlich gemacht, dass er die globale Organisation weiter führen will. Sein Brief enthielt keinen Hinweis auf einen Verzicht auf eine vierte Amtszeit beim FIFA-Kongress in Marokko im März 2027. Die Gegner um UEFA-Präsident Aleksander Čeferin haben gefordert, dass Infantino auf eine Kandidatur verzichtet, doch bislang hat kein alternativer Kandidat offiziell eine Kampagne angekündigt. Den Gegnern bleibt nach den Statuten des Verbands nur ein enges Zeitfenster, um den Amtsinhaber herauszufordern. Die Mitgliedsverbände müssen jeden Kandidaten für die Präsidentschaftswahl bis zum 18. November offiziell einreichen, drei Monate vor der Abstimmung in Marokko.
- Gegner drohen mit Schweizer Strafanzeige und reichen Auskunftsersuchen bei US-Gerichten zu den Investorenplänen für die Weltmeisterschaft ein
- DFB-Präsident Bernd Neuendorf fordert den Rückzug von Gianni Infantino und bestätigt, dass Deutschland gegen ihn stimmen wird
- Alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände kommen in Berlin zusammen, um über die FIFA-Governance zu beraten
- Frist für die Verbände läuft ab, Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft einzureichen
- Der FIFA-Kongress tritt in Marokko zusammen, um die Präsidentschaftswahl durchzuführen
Der administrative Konflikt folgt auf rechtliche Auseinandersetzungen, die Ende August im Zusammenhang mit Investorenvereinbarungen für die Weltmeisterschaft aufkamen. Kritiker verschärften die Konfrontation, indem sie vor Schweizer Gerichten mit einer Strafanzeige gegen Infantinos kommerzielle Pläne für das Turnier drohten. Gegner reichten zudem bei Gerichten in den Vereinigten Staaten förmliche Auskunftsersuchen ein, um Unterlagen über die geplanten Transaktionen zu erhalten.


