
ICC-Mitgliedsstaaten stimmen mit überwältigender Mehrheit für die Absetzung von Ankläger Karim Khan nach Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens
Bei einer geheimen Abstimmung am UN-Hauptsitz stimmten 82 Mitgliedsstaaten für die Entlassung des britischen Anklägers, der die Vorwürfe sexueller Übergriffe durch eine Mitarbeiterin bestreitet.
Abstimmung über die Absetzung
Am 24. Juli 2026 stimmten die Mitgliedsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs mit überwältigender Mehrheit für die Absetzung von Ankläger Karim Khan. Bei der geheimen Abstimmung während einer außerordentlichen geschlossenen Sitzung am UN-Hauptsitz in New York unterstützten 82 der 125 Vertragsstaaten des Gerichts seine Entlassung, während 13 dagegen stimmten und 15 sich enthielten, wie aus von AFP zitierten Quellen hervorgeht. Ein von Sierra Leone eingebrachter Verfahrensantrag, der die Absetzung erschwert hätte, wurde zu Beginn der Sitzung abgelehnt; die Diplomaten gingen dann schnell zur Abstimmung über. Das Ergebnis ist das erste Mal in der Geschichte des ICC, dass ein Ankläger von der Versammlung der Vertragsstaaten abgesetzt wurde.
Vorwürfe und Suspendierung
Khan, ein 56-jähriger britischer Anwalt, der das Gericht seit 2021 leitete, wurde von einer weiblichen Beraterin des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Er hat die Vorwürfe wiederholt bestritten. Im Jahr 2024 wurde eine Untersuchung eingeleitet, nachdem sich die Mitarbeiterin gemeldet hatte. Im Mai 2025 trat Khan vorübergehend zurück, um das Ergebnis abzuwarten. Im darauffolgenden Monat stellte die Aufsichtsbehörde des Gerichts fest, dass er sich eines „schweren Fehlverhaltens“ schuldig gemacht hatte, und das 21-köpfige Präsidium der Versammlung suspendierte ihn. Khans Anwälte veröffentlichten diese Woche einen offenen Brief, in dem sie die Staaten aufforderten, ihn nicht abzusetzen, mit der Begründung, dass die Verfahren zu seiner Verteidigung nicht eingehalten worden seien, und warnten, dass die Entscheidung die Unabhängigkeit künftiger Ankläger untergraben könnte.
## Reaktionen Der in Den Haag ansässige ICC erklärte, er habe die Entscheidung „zur Kenntnis genommen“ und stellte fest, dass Khan „schweres Fehlverhalten und eine schwerwiegende Pflichtverletzung“ begangen habe.
Der Gerichtshof wird weiterhin größten Wert darauf legen, ein sicheres, inklusives und respektvolles Arbeitsumfeld für alle seine Mitarbeiter zu gewährleisten.
Kenneth Roth, ehemaliger Exekutivdirektor von Human Rights Watch und heute Gastprofessor an der Princeton University, erklärte in den sozialen Medien, die Staaten hätten „das Richtige getan“. Der israelische UN-Botschafter Danny Danon kritisierte Khan scharf und brachte die Absetzung mit den Ermittlungen des Anklägers gegen israelische Amtsträger in Verbindung.
Khan glaubte, seine politische Hexenjagd gegen Israel und die absurden Haftbefehle würden von den schwerwiegenden Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens ablenken. Er hat sich geirrt.
Haftbefehle und US-Druck
Khan erlangte 2024 internationale Bekanntheit, als er Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant wegen des Krieges in Gaza erwirkte. Der ICC erließ auch Haftbefehle gegen Hamas-Führer, die inzwischen getötet wurden; die Gruppe hatte die Angriffe vom 7. Oktober 2023 auf Israel verübt. Die Absetzung hat keine Auswirkungen auf diese Haftbefehle; nur die Richter des Gerichts sind befugt, sie aufzuheben. Die Abstimmung fand unter wachsendem Druck der Trump-Administration auf den ICC statt, der seit langem Zielscheibe US-amerikanischer Kritik wegen seiner Ermittlungen gegen amerikanische und israelische Handlungen ist.
- Khan tritt vorübergehend zurück, um die Untersuchung der Vorwürfe sexueller Übergriffe abzuwarten.
- Suspendiert durch das 21-köpfige Präsidium der Versammlung, nachdem ein Aufsichtsbericht schweres Fehlverhalten feststellt.
- 82 Mitgliedsstaaten stimmen für seine Absetzung; 13 stimmen dagegen, 15 enthalten sich.


