
Volkswagen stimmt Verkauf des Osnabrücker Werks an Aurelius und Niedersachsen für Rüstungsproduktion zu
Das Land Niedersachsen und der Investor Aurelius Capital haben am 7. September 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um das Osnabrücker Montagewerk von Volkswagen zu erwerben und den Fahrzeugproduktionsstandort für die Herstellung von Luftverteidigungssystemen mit Rafael umzunutzen.
Eigentumsübertragung und industrielle Umstellung
Volkswagen hat am 7. September 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um sein Montagewerk in Osnabrück an den israelischen Investor Aurelius Capital und das deutsche Land Niedersachsen zu verkaufen. Im Rahmen der Vereinbarung wird Aurelius eine Mehrheitsbeteiligung übernehmen, während Niedersachsen, der zweitgrößte Aktionär von Volkswagen, eine Minderheitsbeteiligung halten wird. Die Transaktion zielt darauf ab, den Standort in ein Industriezentrum für Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien umzuwandeln, während die Pkw-Produktion eingestellt wird. Die Entscheidung folgt auf Pläne des Volkswagen-Aufsichtsrats, weltweit 50.000 Stellen zu streichen, zusätzlich zu den geplanten 50.000 Stellenabbau in Deutschland bis 2030, angetrieben durch die Konkurrenz chinesischer Hersteller und hohe Betriebskosten. Die endgültige Durchführung der Transaktion bleibt in den kommenden Monaten von Ausschussgenehmigungen, endgültigen Verträgen und behördlichen Prüfungen abhängig.
Verteidigungskooperation mit Rafael
Das Ankerprojekt für den Standort wird eine industrielle Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems sein, um Luftverteidigungssysteme und Komponenten für Deutschland und europäische Verbündete herzustellen. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf die sich verändernden europäischen Sicherheitsanforderungen als Grund für die staatliche Unterstützung.
Deutschland und Europa müssen ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden. Niedersachsen möchte dazu beitragen, dass daraus Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze entstehen.
Rafael-Chef Yoav Tourgeman erklärte, das Ziel sei es, Schutztechnologien im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft vollständig in Deutschland zu fertigen. Rafael stellt militärische Ausrüstung her, darunter den Raketenabwehrsystem Iron Dome, die Laserwaffe Iron Beam und das aktive Schutzsystem Trophy, das auf deutschen Leopard-Kampfpanzern eingesetzt wird. Ein früherer Vorschlag für eine direkte Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Rafael wurde von Katar abgelehnt, das 17 % an Volkswagen hält. Die Eigentumsübertragung ermöglicht die Rüstungsproduktion in Osnabrück ohne direkte unternehmerische Beteiligung des Automobilherstellers.
Arbeitsplatzsicherheit und arbeitsrechtliche Bestimmungen
Das Osnabrücker Werk beschäftigt derzeit rund 1.800 Mitarbeiter. Im Rahmen der vorläufigen Vereinbarung werden zunächst rund 1.400 Mitarbeiter ihre Positionen behalten, gestützt durch Beschäftigungsgarantien bis Ende 2029. Die Mitarbeiterzahl wird durch Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen schrittweise auf rund 1.200 Stellen reduziert, wobei auch diese Positionen bis Ende 2029 geschützt sind. Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie, Betriebsvereinbarungen und Betriebsratsstrukturen bleiben in Kraft. Volkswagen wird während der Übergangszeit bis 2029 zu den Personalkosten beitragen und gleichzeitig Zugang zur bestehenden Infrastruktur und technischem Know-how gewähren.
- Derzeitige Belegschaft
- 1800 Arbeitskräfte
- Zunächst gesicherte Arbeitsplätze
- 1400 Arbeitskräfte
- Geplante langfristige Mitarbeiterzahl
- 1200 Arbeitskräfte
Geschichte und Ausstieg aus der Automobilproduktion
Die Vereinbarung beendet mehr als 125 Jahre Automobilbaugeschichte in Osnabrück. Der Standort geht auf den Auftragskarosseriebauer Karmann zurück, der 1949 mit der Produktion des Käfer-Cabriolets begann und Fahrzeuge wie den Karmann Ghia sowie Nischenmodelle für BMW, Mercedes-Benz, Renault, Jaguar und Kia baute. Volkswagen übernahm das Werk 2010 nach der Insolvenz von Karmann im Jahr 2009, unterstützt durch den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Die Produktion von Porsche-Modellen an dem Standort endete Ende 2025, nachdem ein geplanter Auftrag für einen elektrischen Sportwagen storniert worden war. Volkswagen wird die Montage des T-Roc Cabriolet, des letzten noch im Werk gebauten Fahrzeugs, im Spätsommer 2027 einstellen.
- Karmann beginnt mit dem Bau des Käfer-Cabriolets am Standort Osnabrück
- Karmann meldet Insolvenz an während des wirtschaftlichen Abschwungs
- Volkswagen erwirbt die Mehrheit des Osnabrücker Werks
- Volkswagen beschließt, die Produktion des T-Roc Cabriolet bis Sommer 2027 einzustellen
- Porsche-Fahrzeugproduktion endet im Osnabrücker Werk
- Aurelius und Niedersachsen unterzeichnen Absichtserklärung zum Erwerb des Werks für Rüstungsproduktion
- Automobilmontage des T-Roc Cabriolet endet im Spätsommer
- Vereinbarte Arbeitsplatzsicherungen und Personalkostenunterstützung von Volkswagen laufen aus


