
Madrider Gericht eröffnet Ermittlungsverfahren zu Lecks von Zapateros Tagebüchern und Chats im Fall Plus Ultra
Ein Gericht in Madrid hat ein Ermittlungsverfahren dazu eröffnet, wie Zapateros persönliche Tagebücher und Chats mit seiner Sekretärin an die Presse gelangten. Die Richterin hat die Polizei um einen Bericht zu den Lecks aus der Akte des Falls Plus Ultra gebeten.
Gericht eröffnet Ermittlungen zu den Lecks
Ein Gericht in Madrid hat ein Ermittlungsverfahren zu der Weitergabe persönlicher Nachrichten und Tagebücher von José Luis Rodríguez Zapatero, dem früheren spanischen Ministerpräsidenten, im sogenannten Fall Plus Ultra eröffnet. Richterin Margarita Valcarce vom Untersuchungsgericht Nr. 16 in Madrid prüft, ob der Straftatbestand der Offenbarung von Geheimnissen (revelación de secretos) erfüllt ist. Sie hat die Policía Judicial um einen Bericht dazu gebeten, wie Material aus der Verfahrensakte an die Medien gelangte. Justizkreise bestätigten den Schritt am 15. Oktober. Eine Frist für diesen Bericht wurde nicht genannt.
Wie die Chats an die Presse gelangten
Dem Verfahren vorausgegangen war eine Anfrage von Richter José Luis Calama von der Audiencia Nacional, der die Ermittlungen im Fall Plus Ultra leitet. Zapateros Verteidigung hatte wegen der Enthüllungen Beschwerde eingelegt, und Calama erklärte sich für die Untersuchung dieser Frage für unzuständig, woraufhin die Akte an das Gericht von Valcarce weitergeleitet wurde, das seine Auffassung teilte, dass Anzeichen für eine Straftat vorliegen. Das Material war erstmals im Juni aufgetaucht, nach einem Bericht der Einheit UDEF für Finanzkriminalität der Nationalpolizei über einen mutmaßlichen Einfluss, den Zapatero bei der Regierung Boliviens zugunsten eines peruanischen Unternehmens ausgeübt haben soll und für den er angeblich 200.000 Euro erhielt. Zu den Angaben über das Datum von Calamas Anordnung gibt es unterschiedliche Darstellungen: Europa Press nennt den 25. Juni, El País verortet sie im Juli. Das veröffentlichte Material umfasste Dutzende Essen und Treffen mit Unternehmern und hochrangigen Regierungsvertretern, darunter Pedro Sánchez, sowie Namen wie Félix Bolaños, Santos Cerdán, María Jesús Montero und Óscar López.
- Agenden und private Chats zwischen Zapatero und seiner Sekretärin tauchen in der Presse auf
- Laut El País werden Anfragen nach weiteren Details zum durchgesickerten Material an die Audiencia Nacional geschickt
- Richterin Valcarce eröffnet ein Ermittlungsverfahren und bittet die Polizei um einen Bericht
Beschränkter Zugang und sensibles Material
Calama beschränkte den Zugang zu der Cloud, in der die Verfahrensdokumente gespeichert sind, sodass nur die von der PP geführte Volksklage sie einsehen kann. Außerdem legte er audiovisuelle Aufzeichnungen der Aussagen von Zeugen und Beschuldigten in einem gesonderten Teil mit sensiblen Informationen ab. Laut ABC verwies der Richter auf ständige und unmittelbare Lecks an die Medien, nachdem die Dokumente für die Parteien über die Cloud-Plattform verfügbar geworden waren. Nur das Gericht und die Staatsanwaltschaft haben Zugang zu diesen Aufzeichnungen. El País berichtet, die Audiencia Nacional habe dem Madrider Gericht bereits die weiteren angeforderten Details übermittelt.
Zapateros Position im Fall Plus Ultra
Zapatero wird bei der Audiencia Nacional gemeinsam mit seiner Sekretärin Gertrudis Alcázar untersucht. Calama stellt ihn als Kopf eines mutmaßlichen Netzwerks der Einflussnahme dar, das von seiner angeblichen Vermittlung bei der 53 Millionen Euro schweren Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra durch die Regierung während der Pandemie profitiert haben soll. El País berichtet, Zapatero sei dem Verfahren bereits als Partei beigetreten. Die durchgesickerten Chats betrafen sowohl Privates als auch Berufliches, darunter seine persönliche Agenda und Termine. Ob der Polizeibericht zu einer Beschuldigung führt, wurde in den bisherigen Berichten nicht thematisiert.