
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie warnt vor kommerziellen Langlebigkeitsbehauptungen vor Frankfurter Kongress
Rund 1.000 Fachleute treffen sich vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main, um über Altenpflege, Alzheimer-Therapien und die Frage zu diskutieren, ob biologisches Altern als Krankheit eingestuft werden sollte.
Frankfurter Geriatrie-Kongress
Rund 1.000 Geriater und Gerontologieforscher treffen sich vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt am Main zu einem medizinischen Kongress. Das viertägige Treffen bringt Fachleute zusammen, um Gesundheitsansätze für alternde Bevölkerungen zu untersuchen. Zu den geplanten Themen gehören neue therapeutische Ansätze für die Alzheimer-Krankheit, die direkten gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels auf ältere Menschen und neue technologische Anwendungen in der Altenpflege. Die Teilnehmer werden auch Gemeinschaftskonzepte besprechen, die darauf abzielen, älteren Erwachsenen ein unabhängiges Leben zu ermöglichen.
- Eröffnung des Geriatrie- und Gerontologie-Kongresses in Frankfurt am Main mit rund 1.000 Fachleuten
- Geplante Kongress-Sitzung zum Thema 'Ist Altern eine Krankheit?'
Medizinische Skepsis gegenüber Langlebigkeitsprodukten
Vor dem Kongress äußerte sich die medizinische Führung zum wachsenden kommerziellen Interesse an biologischer Langlebigkeit. Im Gegensatz zu traditionellen Anti-Aging-Ansätzen, die sich hauptsächlich auf die optische Ästhetik konzentrieren, zielt die Langlebigkeitsbewegung darauf ab, biologische Alterungsprozesse auf zellulärer Ebene zu verzögern. Influencer und kommerzielle Unternehmen vermarkten Nahrungsergänzungsmittel und Methoden, darunter bestimmte Peptide, die angeblich das Körpergewebe verjüngen. Professor Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, wies darauf hin, dass diese kommerziellen Behauptungen keine klinische Untermauerung in Humanstudien haben.
Es gibt kein Produkt, das nachweislich die Lebensdauer des Menschen verlängert.
Denkinger merkte an, dass die Evidenz für gewebeverjüngende Peptide und vergleichbare Anti-Aging-Verbindungen auf Tierversuche beschränkt sei und nicht auf menschliche Ergebnisse übertragen werden könne. Er erklärte, dass kommerzielle Langlebigkeitsbehauptungen häufig experimentelle Ergebnisse übertreiben, um ungeprüfte Regime zu bewerben.
Die Debatte über die Pathologisierung des Alterns
Die Frankfurter Zusammenkunft wird sich direkt mit der Definition des Alterns befassen. Am Samstag, den 26. September 2026, hat der Kongress eine eigene Sitzung mit dem Titel „Ist Altern eine Krankheit?“ angesetzt. Denkinger, der auch ärztlicher Direktor einer geriatrischen Klinik und Leiter des Instituts für Geriatrische Forschung am Universitätsklinikum Ulm ist, lehnte Versuche, das normale biologische Altern als Pathologie zu behandeln, entschieden ab.
Altern ist keine Krankheit.
Während er einräumte, dass bestimmte Krankheiten mit zunehmendem Alter häufiger auftreten, warnte Denkinger davor, den gesamten Alterungsprozess als Krankheit darzustellen. Er erklärte, dass die Pathologisierung des Alters gesellschaftliche Haltungen fördere, die die positiven Dimensionen des Älterwerdens ignorieren.
Forschungsgestützte gesunde Altersgewohnheiten
Trotz der Infragestellung kommerzieller Langlebigkeitsprodukte betonen Geriater, dass ein langes und gesundes Leben ein erreichbares und legitimes medizinisches Ziel bleibt. Die Maßnahmen, die ein gesundes Altern unterstützen, sind durch klinische Forschung gut dokumentiert, nicht durch ungeprüfte Nahrungsergänzungsmittel. Denkinger bekräftigte, dass regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Tabak und die Einschränkung des Alkoholkonsums die Grundlage für gesundes Altern bilden. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen und aktive soziale Kontakte spielen ebenfalls eine nachgewiesene Rolle bei der Erhaltung der körperlichen Gesundheit und funktionellen Unabhängigkeit im späteren Leben.


