
Irakisches Gericht eröffnet Prozess gegen sechs französische IS-Verdächtige mit Todesstrafe
Ein Strafgericht in Bagdad hat am Sonntag das Verfahren gegen sechs französische Staatsangehörige eröffnet, die der Mitgliedschaft im Islamischen Staat beschuldigt werden. Die Verhandlung wurde auf den 5. Oktober vertagt, um den Verteidigern Zeit zur Einsicht in die Akten zu geben.
Verfahrenseröffnung in Bagdad
Ein Strafgericht in Bagdad eröffnete am 20. September 2026 den Prozess gegen sechs französische Staatsangehörige, die der Mitgliedschaft im Islamischen Staat beschuldigt werden. Die Angeklagten, vor Gericht identifiziert als Charlie Sun, Kamel Ben Mbarek, Mehdi Ismaël Sida, Ibrahim Azahaf, Noureddine el-Mansouri und Najib Megherbi, trafen unter bewaffneter Eskorte irakischer Spezialeinheiten in einer Kolonne von Humvees ein. In gelben und orangefarbenen Gefängnisuniformen erschienen die Männer vor den Richtern zu einer dreistündigen Sitzung, in der Ermittlungsakten und Aussagen der Verdächtigen verlesen wurden. Vertreter der französischen Botschaft beobachteten die Verhandlung aus dem Gerichtssaal. Der vorsitzende Richter vertagte das Verfahren bis zum 5. Oktober 2026, um den Verteidigern Zeit zur Einsicht in die Akten zu geben.
Überstellungen aus Syrien und Hintergründe
Die sechs Angeklagten gehören zu einer Gruppe von 47 französischen Staatsangehörigen, die 2025 aus Haftzentren in Nordostsyrien in den Irak überstellt wurden. US-amerikanische und irakische Behörden koordinierten die Überstellungen, nachdem Sicherheitsbedenken aufgekommen waren, weil kurdisch geführte Kräfte die Kontrolle über Teile der syrischen Grenzregion verloren hatten. Justizermittler berichteten, dass die Angeklagten zunächst durch die Türkei reisten, bevor sie in von Islamischer Staat kontrolliertes Gebiet gelangten. Die größere Gruppe von 47 Häftlingen umfasst auch Adrien Guihal, der zuvor die Verantwortung für den Lkw-Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 übernommen hatte, bei dem 86 Menschen getötet wurden. Akten zeigen, dass Noureddine el-Mansouri im Juni 2016 die französische Staatsbürgerschaft entzogen wurde, eine Entscheidung, die derzeit angefochten wird.
- IS-Anschlag in Nizza tötet 86 Menschen, später von Adrien Guihal reklamiert
- Irakische Gerichte verurteilen 11 französische Bürger wegen Terrorismus zum Tode
- Behörden überstellen 47 französische IS-Häftlinge von Syrien in den Irak
- Prozessauftakt in Bagdad für sechs französische Verdächtige vor Vertagung auf den 5. Oktober
- Geplante Wiederaufnahme des Verfahrens zur Prüfung der Verteidigungsunterlagen
Rechtliche Herausforderungen und Minderjährigenrekrutierung
Der gerichtlich bestellte Anwalt Abbas al-Maliki vertrat einen der Angeklagten und bestätigte, dass sich die Anklage auf die IS-Mitgliedschaft nach irakischem Anti-Terror-Recht konzentriert. Französische Verteidiger, darunter Marie Dosé, Matthieu Bagard, Victoire d'Humières, Pauline Gamba-Martini und Baptiste Vachon, gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Undurchsichtigkeit des irakischen Justizverfahrens und das Fehlen eines vollständigen Verteidigungszugangs kritisierten. Laut Dosé und Bagard war Ibrahim Azahaf 14 Jahre alt, als er nach Syrien gebracht wurde. Matthieu Bagard argumentierte, dass mehrere Häftlinge als Minderjährige gezwungen wurden, und forderte Paris zum Eingreifen auf.
Es gibt das, was wir junge Erwachsene nennen, das heißt Kinder, die von ihren Eltern gewaltsam nach Syrien gebracht, zwangsweise dem Islamischen Staat zugeführt wurden, letztlich Kriegsopfer, und die nun illegal nach Bagdad überstellt wurden, um dort vor Gericht gestellt zu werden.
Todesstrafe und Rückführungsstreitigkeiten
Ein Vertreter des Obersten Justizrats des Irak erklärte, dass die Angeklagten im Falle einer Verurteilung nach irakischem Anti-Terror-Recht mit der Todesstrafe rechnen müssten. Irakische Gerichte haben zuvor Hunderte von Todesurteilen und lebenslangen Haftstrafen gegen ausländische IS-Verdächtige verhängt, darunter 11 französische Staatsangehörige, die 2019 zum Tode verurteilt wurden. Die Französische Liga für Menschenrechte und französische Verteidiger haben die dringende Rückführung aller im Irak inhaftierten französischen Gefangenen gefordert. Im Februar 2026 erklärte der irakische Außenminister Fuad Hussein, dass Bagdad Rückführungsgespräche mit ausländischen Regierungen führe und gleichzeitig um internationale Finanzhilfe zur Bewältigung des Zustroms von Häftlingen bitte.


