Finanzierungslücke bei der Rader Hochbrücke droht A7-Engpass, da erster Teil kurz vor Fertigstellung und zweiter noch ungesichert
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen fordert von Berlin Geld für die zweite Brückenhälfte der Rader Hochbrücke und warnt, dass eine halbfertige A7-Baustelle einen Dauerstau auf einer wichtigen Skandinavienachse verursachen würde.
Bau-Meilenstein trifft auf Finanzierungsunsicherheit
In wenigen Monaten wird die erste von zwei geplanten Brückenhälften der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal für Autos und Lastwagen auf der A7 freigegeben. Der Brückenersatz und der begleitende sechsspurige Ausbau vom Rendsburger Kreuz bis zum Büdelsdorfer Kreuz, einschließlich des Abrisses der alten Brücke, sind mit knapp 900 Millionen Euro veranschlagt. Das erste Bauwerk schlägt mit 307 Millionen Euro zu Buche und ist laut Landesminister im Zeitplan und im Budget. Doch der Bund hat noch keine Mittel für die zweite Brückenhälfte gesichert, die für den vollständigen sechsspurigen Querschnitt und die Vermeidung eines jahrelangen schweren Nadelöhrs erforderlich ist.
Eine Warnung aus Kiel
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hat an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) geschrieben und fordert, das Geld bereitzustellen. Die dpa zitiert den Landesminister mit den Worten, eine halbfertige Brücke wäre ein „Offenbarungseid“ und das Projekt sei ein „vollständig geplantes und absolut termingerechtes Vorzeigeprojekt“, das zeige, dass Deutschland noch große Baustellen bewältigen könne.
Eine halbfertige Rader Brücke wäre ein Offenbarungseid.
Madsen argumentiert, dass eine Verschiebung der zweiten Brückenhälfte das Rendsburger Kreuz wieder zu einem Dauerstau und einem festen Bestandteil der Verkehrsmeldungen machen würde. Er verweist auch auf die Auswirkungen der Bauinflation und warnt, dass jede Verzögerung von zwei oder drei Jahren alle Kosten- und Zeitrahmen sprengen würde.
Es ist, als würde ein Jumbojet kurz vor der Landung auf der Startbahn eine 180-Grad-Wende vollziehen.
Der Minister fügt hinzu, dass die Brücke auch militärischen Mobilitätsanforderungen diene: Derzeit müssten schwere Transporte über 80 Tonnen über die Bundesstraße B5 und die A23 ausweichen. Während die erste Brückenhälfte diese Gewichtsbeschränkung aufhebe, so Madsen, werde das Ziel einer nahezu uneingeschränkten militärischen Mobilität ohne die zweite Brückenhälfte verfehlt.
Berlins Haushaltsrechnung
Das Bundesverkehrsministerium, von der dpa befragt, verweist auf die angespannten öffentlichen Finanzen. In der Erklärung des Ministeriums heißt es, dass die sinkenden Lkw-Maut-Einnahmen (eine Folge des erwarteten Hochlaufs von Elektro-Lkw), die allgemeine Wirtschaftslage und der Konsolidierungsbedarf des Bundeshaushalts dazu führten, dass die Investitionen in Bundesfernstraßen bis 2030 auf dem Niveau früherer Planungen blieben. Gleichzeitig sei der Baupreisindex für den Bundesfernstraßenbau seit 2021 um fast 40 Prozent gestiegen. Das Ministerium sagt, dass selbst laufende Projekte mit den derzeit veranschlagten Mitteln noch nicht vollständig finanziert seien.
Dennoch betont das Ministerium die Priorität des Projekts: Es werde weiterhin intensiv mit der Autobahn GmbH des Bundes zusammenarbeiten, um den „weiterhin dringenden sechsspurigen Ausbau der A7 bei Rendsburg einschließlich des vollständigen Ersatzes der Rader Hochbrücke“ voranzutreiben.
Das Bundesverkehrsministerium wird gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes weiterhin auf die erfolgreiche Umsetzung des weiterhin dringenden sechsspurigen Ausbaus der A7 bei Rendsburg einschließlich des vollständigen Ersatzes der Rader Hochbrücke drängen.
Was als Nächstes kommt
Verkehrsprognosen gehen von über 60.000 Fahrzeugen pro Tag auf dieser leistungsstarken Korridor nach Skandinavien aus. Madsen, ein CDU-Politiker, erinnert Berlin daran, dass eine frühere Bundesregierung den sechsspurigen Ausbau vor mehr als zehn Jahren aus gutem Grund beschlossen habe. Sein Protestbrief warnt, dass der Neubau ohne die zweite Brückenhälfte keine Verbesserung gegenüber der Situation vor 2013 bringen werde, als die alte Brücke noch ohne Lkw-Beschränkungen in Betrieb war. Die zweite Brückenhälfte ist für 2031 geplant, die Finanzierungsentscheidung ist nun die kritische Variable.
- Erste Brückenhälfte
- 307 Mio. Euro
- Restliche Arbeiten (geschätzt)
- 593 Mio. Euro


