
Farage verspricht Aussetzung von Asylverfahren in Großbritannien für bis zu fünf Jahre
Der Reform-UK-Chef Nigel Farage würde rund 90.000 laufende Asylanträge für nichtig erklären und abgelehnte Antragsteller in ihre Heimatländer oder in einen sicheren Drittstaat zurückbringen. Gegen Staaten, die Rücknahmen verweigern, sollen Visasperren, Zölle und Luftraumbeschränkungen eingesetzt werden.
Die Ankündigung
Nigel Farage, Vorsitzender der populistischen Partei Reform UK, kündigte am Montag, dem 12. Oktober, an, dass er niemandem für bis zu fünf Jahre Asyl gewähren würde, sollte seine Partei die nächste nationale Wahl gewinnen, die 2029 ansteht. An der Südküste Englands sagte er, die rund 90.000 laufenden Asylanträge würden für nichtig erklärt und neue Anträge automatisch abgelehnt. Abgelehnte Antragsteller würden entweder in ihre Heimatländer oder in einen sicheren Drittstaat zurückgebracht. Farage fügte hinzu, er könne Zölle, Visasperren oder Luftraumbeschränkungen gegen Länder verhängen, die sich weigern, die Rücknahme von Asylsuchenden zu akzeptieren.
Was der Plan enthält
Reform erklärte zudem, alle legalen Wege zur Asylansiedlung streichen zu wollen, mit Ausnahme von Ukrainern, die nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 nach Großbritannien geflohen waren. Das 20-seitige Dokument der Partei nimmt außerdem Einwohner Hongkongs mit britischen National-(Overseas)-Pässen aus, die erst "zurückkehren würden, sobald es sicher ist". Visasperren sollen für Länder gelten, aus denen eine bedeutende Zahl legaler ausländischer Staatsangehöriger in Großbritannien lebt, und das Dokument nennt Pakistan, Somalia, Eritrea, Syrien, Afghanistan und Sudan als Länder mit großen illegalen Migrantenpopulationen im Vereinigten Königreich. Zölle sollen auf Länder abzielen, die weniger solche Bindungen haben, vor allem Entwicklungsländer mit bedeutendem Handel mit natürlichen Ressourcen und Grundgütern. Sollten beide Maßnahmen scheitern, heißt es in dem Dokument, "werden wir weitere Sanktionen verhängen, darunter ein Verbot der Fluggesellschaften eines Landes im britischen Luftraum und ein Transitverbot für deren Bürger".
Rechtliche und praktische Fragen
Es ist unklar, ob Visasperren und Zölle Länder dazu bringen würden, Rücknahmen zu akzeptieren. Zölle könnten mit Regeln der Welthandelsorganisation kollidieren, die verlangen, dass jedem Mitglied derselbe Zoll auferlegt wird – eine "Meistbegünstigungs"-Regel, die eine Ausnahme für Krieg oder "Notstand in den internationalen Beziehungen" kennt. Der Plan hängt daher davon ab, ob Handels- und Visadruck ausreichen, um die Zusammenarbeit der betroffenen Länder zu sichern.
Politischer Hintergrund
Reform UK führte bis zu diesem Sommer die Meinungsumfragen an, doch eine Kombination aus laufenden polizeilichen und parlamentarischen Untersuchungen zur Finanzierung der Partei sowie der Amtsübernahme von Andy Burnham als Labour-Premierminister drückte sie auf den zweiten Platz. Reform bestreitet, gegen Wahlgesetze verstoßen zu haben. Einwanderung bleibt laut Umfragen das wichtigste Thema für britische Wähler, angetrieben auch von Frustration über das Versäumnis aufeinanderfolgender Regierungen, die Ankunft Zehntausender Asylsuchender in Booten vom europäischen Festland zu stoppen. Großbritannien erhielt im Jahr bis Juni 85.891 Asylanträge, ein Rückgang um 21 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die größte Zahl der Antragsteller kam aus Pakistan, Eritrea, Iran, Sudan und Afghanistan.
Reaktionen
Flüchtlingsorganisationen erklärten, Farages Abschiebungspläne würden bedeuten, Asylsuchende in Länder wie Afghanistan oder Iran zu schicken, wo ihnen Verfolgung, Folter und Tod drohen könnten. Farage formulierte das Ziel an der Südküste mit Blick auf nationale Normen.
Wir wollen wieder ein normales Land sein, ein Land, das Menschen, die illegal kommen, inhaftiert und abschiebt, wie es praktisch jedes andere Land der Welt tut.
Die Vorschläge bleiben ein Wahlversprechen für die nächste nationale Wahl, die 2029 ansteht; Gesetze wurden nicht eingebracht.
