
Europäisches Parlament erkennt neue russische Staatsduma nicht als legitim an und fordert Sanktionen
Die mit 482 zu 41 Stimmen bei 39 Enthaltungen verabschiedete Resolution fordert die EU-Staaten auf, offizielle Kontakte zur Duma abzubrechen, und erklärt, die Abstimmung vom 18. bis 20. September sei weder frei noch fair gewesen.
Eine Abstimmung, die die Legitimität der Duma zurückweist
Das Europäische Parlament hat am Donnerstag, dem 8. Oktober, eine Resolution verabschiedet, die die Staatsduma, die untere Kammer des russischen Parlaments, nicht als legitimes gesetzgebendes und repräsentatives Organ der Russischen Föderation anerkennt. Die Duma wurde nach den vom 18. bis 20. September 2026 abgehaltenen Wahlen gebildet. Der Text wurde mit 482 Ja-Stimmen, 41 Nein-Stimmen und 39 Enthaltungen angenommen. Die Resolution verurteilt zudem die Durchführung russischer Wahlen auf der Krim, in Teilen der von Russland besetzten Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja, in Transnistrien in Moldau sowie in den georgischen Regionen Abchasien und Südossetien. Sie wendet sich außerdem dagegen, dass Russland unter Vorkriegsbedingungen zu internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen zurückkehrt.
- Dafür
- 482 Stimmen
- Dagegen
- 41 Stimmen
- Enthaltungen
- 39 Stimmen
Betrugsvorwürfe und Repression
Die Resolution bezeichnet die Wahlen als gefälscht und erklärt, sie hätten ohne echte Alternativkandidaten, ohne freie Presse, ohne glaubwürdige Beobachter und ohne politische Freiheiten stattgefunden. Dem Text zufolge wurde in 33 Regionen elektronische Stimmabgabe eingeführt, erstreckte sich die Abstimmung über mehrere Tage, und Menschen in besetzten Gebieten wurden zur Teilnahme gezwungen. Diese Faktoren, so heißt es in der Resolution, führten zu einer Wahlbeteiligung von 59,58 Prozent und verschafften Einiges Russland 349 von 450 Sitzen, also über 77 Prozent. La Vanguardia berichtet von 355 Sitzen für Einiges Russland und nennt ebenfalls Unregelmäßigkeiten sowie das Fehlen internationaler Beobachter. Gegner des Regimes, so die Abgeordneten, seien inhaftiert, getötet oder ins Exil gezwungen worden. Die Resolution fasst den Kernpunkt so zusammen:
Die gefälschten Dumawahlen von 2026 waren die ersten landesweiten Parlamentswahlen, die während des Krieges abgehalten wurden.
Sanktionen und Isolation der neuen Duma
Die Resolution fordert die EU-Mitgliedstaaten auf, jegliche offiziellen Kontakte zur neu gebildeten Duma und ihren Mitgliedern zu verweigern, sich russischer Beteiligung an interparlamentarischen Versammlungen zu widersetzen und jeden Duma-Beschluss als nichtig zu betrachten, der den Status besetzter ukrainischer Gebiete gesetzlich regelt, annektiert oder ratifiziert. Sie verlangt neue Sanktionen gegen Richter, Staatsanwälte, Beamte von Rosfinmonitoring (dem russischen Bundesdienst für Finanzaufsicht), Mitglieder der Zentralen Wahlkommission und Beamte, die die Abstimmungen in besetzten Gebieten organisiert haben. Die EU will am Montag Sanktionen gegen 77 Personen verhängen, die mit den Dumawahlen in Verbindung stehen, darunter drei Beamte der Zentralen Wahlkommission. Kaja Kallas, von La Vanguardia als Leiterin der europäischen Diplomatie bezeichnet, sagte, die EU arbeite an Sanktionen gegen die Organisatoren der Wahlen. La Vanguardia berichtet zudem, das Parlament zähle 46 Personen, die an der Invasion der Ukraine beteiligt gewesen seien, darunter eine Person, die der Folter beschuldigt werde und nun Teil des russischen Staatsorgans werde.
- Dumawahlen abgehalten, wobei die Resolution die Abstimmung auf den 18. bis 20. September datiert
- Europäisches Parlament verabschiedet Resolution, die die Legitimität der Duma mit 482 zu 41 Stimmen zurückweist
- EU will Sanktionen gegen 77 Personen verhängen, die mit den Dumawahlen in Verbindung stehen
Bedingungen für eine Normalisierung der Beziehungen
Dem Bericht von RFI über den Text zufolge ist eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland nur nach einem gerechten und dauerhaften Frieden für die Ukraine möglich. Die Resolution nennt Bedingungen: vollständige Achtung der territorialen Integrität der Ukraine, vollständiger Abzug der russischen Truppen, Freilassung der Kriegsgefangenen, Rückkehr der deportierten ukrainischen Kinder, russische Reparationen und Entschädigungen sowie Rechenschaft für Verbrechen gegen die Ukraine. Der Text fordert außerdem anhaltende Unterstützung für russische demokratische Kräfte, die sich der Invasion der Ukraine und hybriden Angriffen auf europäische Demokratien widersetzen. Er verurteilt ferner die Repression gegen die Zivilgesellschaft, Menschenrechtsverteidiger und unabhängige Medien und nennt Zahlen aus einem Bericht der UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Russland, Mariana Katzarov. Die Forderungen der Resolution reichen damit von der Duma selbst bis zum gesamten System der Repression und des Krieges.


