
EU-Gasspeicher am 1. Oktober zu 72 Prozent gefüllt – Winterversorgung hängt von LNG-Importen ab
ENTSOG erklärt, die EU könne ihren Gasbedarf im Winter decken, doch die Speicher sind nur zu 72 Prozent gefüllt und könnten deutlich unter 30 Prozent fallen, wenn die LNG-Lieferungen begrenzt bleiben.
Winterausblick der Gasnetzbetreiber
Der Verband der europäischen Gasnetzbetreiber ENTSOG erklärte am Donnerstag, dem 8. Oktober, die EU könne ihren Gasbedarf im Winter decken, wenngleich die Speicherstände auf „historisch niedrigem“ Niveau genau beobachtet werden müssten. Die unterirdischen Speicher der EU waren zum 1. Oktober zu 72 Prozent gefüllt – nach einer Saison, die der Verband als „schwierig“ bezeichnete – und damit deutlich unter dem üblichen Ziel von 90 Prozent zu Beginn des Winters, das der Staatenbund während der Energiekrise gelockert hatte. LExpress bezifferte den Füllstand auf etwa zehn Punkte unter dem Vorjahr und mehr als 20 Prozent unter dem Niveau von 2024. Das frühere EU-Ziel von 80 Prozent bis Anfang November ist laut der deutschen Bundesnetzagentur nicht mehr erreichbar; die Behörde erklärte, die täglichen Einspeisungen seien „teilweise recht niedrig“ geblieben. Weder ENTSOG noch die deutschen Behörden sehen für den Winter selbst ein Versorgungsrisiko.
- EU-Durchschnitt (1. Okt.)
- 72 %
- Frankreich
- 85 %
- Deutschland (7. Okt.)
- 59.2 %
Kluft zwischen den Mitgliedstaaten
Die Speicherstände unterscheiden sich stark innerhalb des Staatenbundes: Frankreich liegt laut AFP bei rund 85 Prozent, Deutschland bei 59 Prozent, während die Bundesnetzagentur die deutschen Werte am Mittwoch mit 59,2 Prozent maß. LExpress berichtet, Frankreich, Italien und Portugal lägen über 85 Prozent, während Deutschland, die Niederlande und Belgien den Durchschnitt nach unten zögen. ENTSOG hob Binnenländer in Mittel- und Osteuropa sowie Südosteuropa als diejenigen hervor, die voraussichtlich am stärksten Mühe haben werden, ausreichende LNG-Mengen zu sichern. ENTSOG erklärte, LNG-Importe könnten niedrigere Speicherstände teilweise ausgleichen, und forderte, hohe Lieferungen den ganzen Winter über aufrechtzuerhalten. Der Vorsitzende Piotr Kus brachte die Tragweite in einem Satz auf den Punkt.
Jedes zusätzliche Molekül, das heute verfügbar ist – sei es im Speicher oder über LNG –, stärkt die Lage in Europa.
Szenarien für Preise und Versorgung
IEEFA, ein in den USA ansässiger Energie-Thinktank, schätzt, dass der EU in diesem Winter ein Defizit von bis zu 14 Milliarden Kubikmetern drohen könnte, etwa 7 Prozent des Bedarfs. POLITICO berichtet, der Ausblick der Gasnetzbetreiber warne, die Speicherstände könnten auf bis zu 11 Prozent fallen, wenn die LNG-Importe begrenzt bleiben, während die AFP-Darstellung desselben Ausblicks davon spricht, die Werte könnten bis zum Ende des Winters „deutlich unter 30 Prozent“ sinken. Samantha Dart von Goldman Sachs skizzierte zwei Fälle: Verbessern sich die LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf, könnten sich die europäischen Märkte um die aktuellen Preise von etwa 70 Euro pro Megawattstunde einpendeln; tun sie es nicht, müssten die Preise um etwa 40 Prozent steigen. Der Oxford-Economics-Ökonom Angel Talavera bot die schärfste Einschätzung zu Ziel und Wetter.
Das EU-Speicherziel wird in diesem Jahr schwer zu erreichen sein. Letztlich ist es das Wetter, das den Gasbedarf während der Heizsaison vor allem bestimmt.
Lieferwege und die Russland-Frage
Die Vereinigten Staaten liefern etwa 60 Prozent der LNG-Importe der EU, und Russland bleibt trotz des erklärten Ziels der EU, sich von russischer Energie zu lösen, mit rund 17 Prozent der Importe im Jahr 2026 der zweitgrößte Lieferant. Der Staatenbund plant, alle russischen Gasimporte bis Herbst 2027 zu verbieten. Ana Jaller-Makarewicz, leitende Europa-Energieanalystin bei IEEFA, sagte, die rekordniedrigen Reserven ließen dem Staatenbund „weniger Puffer“ gegenüber globalen Lieferstörungen. LExpress stellt den Winterausblick als davon abhängig dar, ob die Straße von Hormus blockiert bleibt. Kommissar Dan Jorgensen warnte die Minister in einem Schreiben Ende September vor „sehr hohen“ Preisen und drängte die Länder, den Verbrauch zu Spitzenzeiten zu senken, während die Kommission erklärte, es bestehe kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit.
- Kommissar Dan Jorgensen schreibt an die EU-Minister und warnt vor sehr hohen Preisen
- Unterirdische Speicher der EU erreichen 72 Prozent Füllstand
- Bundesnetzagentur beziffert deutsche Speicher auf 59,2 Prozent
- ENTSOG-Winterausblick: EU kann Gasbedarf im Winter decken


