Energie & Handel · Berlin, Luxemburg und Mailand

Deutschlands Gasspeicher verfehlen 70-Prozent-Ziel, doch die Bundesnetzagentur hält die Versorgung für gesichert

Ende Oktober waren die deutschen Gasspeicher zu etwa 61 Prozent gefüllt und lagen damit unter dem durchschnittlichen Zielwert von rund 70 Prozent zum 1. November. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung weiterhin für gesichert, ihr Präsident warnt jedoch, dass Gas erheblich teurer geworden ist.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Berliner Zeitung, tagesschau.de, N-tv und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Berlin, Mailand · Deutschland, Luxemburg, Italien
Wie es dazu kam
  1. Ende September 2026Wirtschaftsministerin weist SEFE an, mehr Gas einzulagern
  2. 31.10.Füllstand knapp über 61 Prozent, einen Tag vor der Frist
  3. 1.11.Zieldatum für einen durchschnittlichen Füllstand von 70 Prozent, das verfehlt wird

Speicher bleiben unter dem Ziel

Die deutschen Gasspeicher waren Ende Oktober zu etwa 61,17 Prozent gefüllt, wie aus Daten von Gas Infrastructure Europe hervorgeht, die Bloomberg zitiert. Das liegt unter dem Durchschnittsziel von rund 70 Prozent, das für den 1. November angestrebt war. Auf der Website der Bundesnetzagentur ist für diesen Stichtag ein Normalbedarf von 80 Prozent angegeben, doch für sechs Standorte gilt ein Ziel von 45 Prozent, woraus der Durchschnitt von 70 Prozent entsteht. Der EU-Durchschnitt liegt bei rund 75 Prozent. Am Samstag, einen Tag vor der Frist, lag der bundesweite Wert knapp über 61 Prozent.

Füllstände der Gasspeicher im Vergleich zum Ziel%
Deutschland, Ende Oktober (GIE-Daten)
61.17 %
Deutschland, durchschnittliches Ziel zum 1. November
70 %
EU-Durchschnitt (rund 75)
75 %
Italien (aktuellster Stand, laut FT)
91 %

Daten aus dem Artikeltext

Regulierer hält Versorgung für gesichert

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sagte am Sonntag gegenüber Reuters, Deutschland sei auch ohne Erreichen der Speicherziele sicher mit Gas versorgt. Er verwies auf LNG-Terminals, über die Gas importiert werden könne, und sagte:

„Es ist nicht mehr zwingend erforderlich für die sichere Gasversorgung, dass die Speicherziele erreicht werden.“

Klaus Müller, Präsident

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, allein die Füllstände seien nicht entscheidend, da auch tatsächliche Entnahmen und laufende Importe zählten. Die Bundesnetzagentur schätzt das Risiko einer angespannten Gasversorgung als gering ein und sieht keinen Handlungsbedarf, könnte jedoch bei Bedarf nach dem Energiewirtschaftsgesetz gebuchte Speicherkapazitäten entziehen.

Preise und der Iran-Krieg

Die Gaspreise sind ein wesentlicher Grund für die Unterdeckung. Der Iran-Krieg und Störungen im internationalen Energiehandel verteuerten die Beschaffung, sodass es für Händler weniger attraktiv war, im Sommer Gas zu kaufen und für den Winter einzulagern. Die europäischen Gaspreise haben sich in diesem Jahr bereits verdreifacht, und Ende Oktober stiegen die Referenzpreise erstmals seit Dezember 2022 über 100 Euro pro Megawattstunde. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte den bundeseigenen Energieversorger SEFE Ende September angewiesen, mehr Gas einzulagern, und eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, Deutschland dürfte gut durch den Winter kommen. Müller warnte, die Kosten stiegen:

„Gas ist erheblich teurer geworden, und leider müssen sich alle Kunden dessen bewusst sein.“

Klaus Müller, Präsident

Warnungen aus Industrie und Opposition

Der Speicherverband INES bewertet die Unterdeckung anders. Dessen Geschäftsführer Sebastian Heinermann nannte sie ein „Warnsignal“ und sagte, Deutschland gehe mit kleineren Sicherheitsreserven in die Heizperiode, was die Anfälligkeit erhöhe, insbesondere bei extrem niedrigen Temperaturen oder bei Störungen der Gasimporte. Modellrechnungen von INES legen nahe, dass ein sehr kalter Winter erhebliche Versorgungslücken verursachen könnte. Der Verband vertritt Betreiber wie SEFE, Uniper und VNG, die mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazität halten, und fordert staatlich subventionierte günstige Kredite, um das Einspeichern von Gas attraktiver zu machen. Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, warf Reiche unzureichende Vorsorge vor: Die Speicherstände seien so niedrig wie nie, und es gebe keinen Sicherheitspuffer. Tim Kehler, Vorstandsmitglied des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft, sagte, die Ziele seien ein Sicherheitsnetz, und ihre Verfehlung habe keine Sanktionen zur Folge:

„Die Händler haben das für den Winter bestellte Gas für ihre Kunden eingelagert und tun das weiterhin.“

Tim Kehler, Vorstandsmitglied des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft

Druck aus anderen EU-Ländern

Auch in der EU wächst der Druck. Ein hochrangiger italienischer Vertreter warf Deutschland vor, den Rest des Blocks zu belasten, weil es sein Speicherziel von 80 Prozent verfehlt habe. Italiens Speicher sind zu 91 Prozent gefüllt, nachdem das Land 300 Millionen Euro für die Sicherung der Reserven gezahlt hat. Deutschland entschied sich, Speicherbetreiber im Sommer nicht zum Auffüllen zu verpflichten, und setzte stattdessen auf Marktanreize, während hohe Preise und die Nachfrage nach Gaskraftwerken während der europäischen Hitzewelle die Preise hochhielten. Da Deutschland der größte Gasverbraucher der EU ist und über die größten Speicherkapazitäten verfügt, könnten seine fortgesetzten Spotmarkt-Käufe die Preise für andere Länder nach oben treiben. Gasspeicher decken im Winter üblicherweise bis zu einem Drittel des EU-Gasbedarfs. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sagte bei einem Treffen der Energieminister in Luxemburg, er erwarte kein Problem mit der Versorgungssicherheit als solches.

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen