EU bedauert Verschiebung der palästinensischen Wahlen ins Jahr 2027 zutiefst
Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die für den 28. November 2026 angesetzten Parlamentswahlen und die für Anfang 2027 geplante Präsidentschaftswahl verschoben. Die EU erklärte, sie bedauere die Entscheidung zutiefst; Frankreich, Kanada, das Vereinigte Königreich und Australien gaben eine eigene gemeinsame Erklärung ab.
Verschiebung der Abstimmungen
Am Samstag, dem 10. Oktober, kündigte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, an, dass die für den 28. November 2026 angesetzten Parlamentswahlen nicht stattfinden und verschoben werden. Auch die für Anfang 2027 geplante Präsidentschaftswahl wird verschoben, beide Abstimmungen sollen gemeinsam abgehalten werden. Zu dem neuen Termin gibt es unterschiedliche Angaben: Europa Press nennt den 11. November 2027, während ANSA, Der Standard und N-tv über September 2027 berichten. N-tv weist darauf hin, dass Abbas' reguläre vierjährige Amtszeit bereits 2009 endete und dass er die Palästinensische Autonomiebehörde seit mehr als 20 Jahren führt.
- Abbas kündigt die Verschiebung der für den 28. November geplanten Parlamentswahlen an
- EU bringt tiefes Bedauern über die Verschiebung zum Ausdruck
- Ursprünglicher Termin für die Parlamentswahlen, nun verschoben
Gründe der Autonomiebehörde
Abbas verknüpfte die Entscheidung mit israelischen Beschränkungen und Angriffen in Gaza und im Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalem, die nach seinen Worten die für freie Wahlen erforderlichen Bedingungen verhindern. Die Autonomiebehörde verwies auf israelische Militärbeschränkungen, die Ausweitung jüdischer Siedlungen, Angriffe bewaffneter Siedler und den fehlenden Bewegungsfreiraum. Für Gaza führte die Führung die prekäre Sicherheitslage und die noch ausstehende Stationierung internationaler Schutztruppen an. Die Autonomiebehörde wirft Israel zudem vor, Steuereinnahmen abzuzweigen, die unter den für diese Finanzierung festgelegten Bedingungen zur Finanzierung der palästinensischen Regierung bestimmt waren, und die Stationierung einer internationalen Polizeitruppe zur Sicherung einer sauberen Wahl zu behindern. Die israelische Regierung wies die Kritik durch Außenminister Gideon Sa'ar als lächerlich zurück und bezeichnete die Verzögerung als eine weitere Entscheidung eines korrupten Diktators.
Internationale Reaktionen
Am 14. Oktober gab die EU im Namen der 27 Mitgliedstaaten eine Erklärung ab, die unter dem Namen der Außenbeauftragten Kaja Kallas veröffentlicht wurde und tiefes Bedauern über die Entscheidung zum Ausdruck bringt. Darin wurden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen so bald wie möglich gefordert, im Einklang mit früheren Zusagen von Abbas, und es hieß, die Abstimmungen müssten glaubwürdig, inklusiv und transparent sein. Die EU bot an, den Prozess zu unterstützen, unter anderem durch die Entsendung einer Wahlbeobachtungsmission. Zudem knüpfte sie ihre weitere Unterstützung für die Palästinensische Autonomiebehörde an Fortschritte bei den Reformen und beim Staatsaufbau. In einer gemeinsamen Erklärung brachten auch die Außenminister Frankreichs, Kanadas, des Vereinigten Königreichs und Australiens, die Palästina im vergangenen Jahr als Staat anerkannt hatten, ihr tiefes Bedauern zum Ausdruck. Ihre Anerkennung war an Reformen der Autonomiebehörde und an Abbas' Zusage geknüpft gewesen, demokratische Wahlen abzuhalten.
Unbestätigte Angaben und kritische Kommentare
Eine anonyme, von The Times of Israel zitierte Quelle besagt, die Verschiebung sei mit allen palästinensischen Fraktionen ausgehandelt worden und Hamas und Islamischer Dschihad hielten Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. Die Angabe stammt aus einer anonymen Quelle und ist nicht bestätigt. Ein Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung argumentiert, westliches Geld für den palästinensischen Staatsaufbau habe kaum Aussicht auf Erfolg gehabt. Er erinnert daran, dass Hamas die letzten freien Wahlen im Jahr 2006 gewonnen habe und die Gebiete seit einem kurzen Bürgerkrieg gespalten seien. Die Kolumne schreibt, beide Seiten hätten Hilfsgelder zur Selbstbereicherung und im Fall von Hamas für Kriegsvorbereitungen genutzt. Sie merkt an, dass Abbas während seiner langen Amtszeit mehrere Friedensinitiativen abgelehnt habe, und argumentiert, die Anerkennung Palästinas im vergangenen Jahr habe dasselbe Muster wiederholt.
