
IFAB: VAR-Entscheid gegen Embolo im WM-Viertelfinale war falsch
Das IFAB-Rundschreiben stellt klar, dass die Regel der Verwechslung nicht genutzt werden darf, um die Art eines Vergehens zu ändern. Demnach hätte Breel Embolos zweite Gelbe Karte wegen Simulation gegen Argentinien am 12. Juli nicht ausgesprochen werden dürfen, und das Ausscheiden der Schweiz in der Verlängerung sei durch einen Schiedsrichterfehler beeinflusst worden.
Breel Embolos Platzverweis im WM-Viertelfinale war ein prägender Moment des Schweizer Turniers. Nun hat das International Football Association Board (IFAB) bestätigt, dass die Entscheidung des Schiedsrichters keine Grundlage im VAR-Protokoll hatte.
Der Vorfall
Die Schweiz hatte gerade gegen Argentinien in Kansas City am 12. Juli ausgeglichen. In der 72. Minute, bei einem Stand von 1:1, fiel Stürmer Breel Embolo nach einem Zweikampf mit Leandro Paredes. Schiedsrichter Joao Pinheiro zeigte Paredes zunächst die Gelbe Karte wegen eines Fouls. Der Video-Assistent (VAR) griff ein und argumentierte, es habe keinen Kontakt gegeben und Embolo habe simuliert. Unter Berufung auf die Verwechslungsklausel annullierte Pinheiro die Gelbe Karte gegen Paredes und zeigte Embolo stattdessen die zweite Gelbe wegen Simulation. Embolo flog vom Platz, und die Schweiz, in Unterzahl, verlor 3:1 nach Verlängerung. Titelverteidiger Argentinien verlor später das Finale gegen Spanien.
- Schiedsrichter verwarnt Paredes wegen Fouls an Embolo; VAR greift ein, annulliert die Verwarnung und gibt Embolo die zweite Gelbe wegen Simulation
- Die Schweiz in Unterzahl verliert 3:1 gegen Argentinien
- IFAB-Rundschreiben bestätigt, dass VAR das Vergehen zu Unrecht geändert hat; Embolos Platzverweis war falsch
IFABs Klarstellung
In einem Rundschreiben, das The Athletic vorliegt und vom Montag, 27. Juli, datiert, erklärte das IFAB, dass das VAR-Protokoll falsch angewendet worden sei. Verwechslungsprüfungen dienten ausschließlich dazu, sicherzustellen, dass der richtige Spieler bestraft wird; sie dürften nicht genutzt werden, um die Art des Vergehens von einem Foul in Simulation zu ändern.
Eine Gelbe Karte (Verwarnung), die keine zweite Gelbe Karte ist, darf nur überprüft werden, um den Spieler zu identifizieren, der das geahndete Vergehen begangen hat; das Vergehen selbst darf nicht überprüft / geändert werden.
Da Paredes zuvor nicht verwarnt worden war, war seine Gelbe Karte keine zweite Verwarnung. Daher hatte der VAR keine Befugnis, den Vorfall neu zu bewerten und Embolo eine zweite Gelbe zu geben. Das IFAB räumte ein, dass die Idee, Simulation nachträglich zu bestrafen, gut aufgenommen worden sei, betonte jedoch, dass sie erst nach Abschluss der Überprüfung des VAR-Protokolls angewendet werden könne.
Schweizer Reaktion
Schweiz-Trainer Murat Yakin sagte, der Fehler habe die Chance seiner Mannschaft auf das erste WM-Halbfinale zunichtegemacht.
Es hat unser Spiel heute zerstört. Wir müssen es akzeptieren, aber es ist schmerzhaft, so zu verlieren.
Das Eingeständnis des Regulierungsgremiums bestätigt die schweizerische Frustration. UEFA und Swiss Football League hatten bereits angekündigt, der IFAB-Interpretation zu folgen, und das veröffentlichte Rundschreiben untermauert diese Position nun.
Was als Nächstes passiert
Das IFAB erklärte, dass die Nutzung der Verwechslung zur Ahndung von Simulation „in die detaillierte Überprüfung des VAR-Protokolls aufgenommen wird“, aber nicht angewendet werden könne, bis diese Überprüfung abgeschlossen sei. Bis dahin könne kein ähnlicher Eingriff in einem Wettbewerb nach IFAB-Regeln gerechtfertigt werden. Der Vorfall werde als Fallbeispiel dienen, wenn das Protokoll aktualisiert werde, ändere aber nichts am Ausscheiden der Schweiz oder am Weiterkommen Argentiniens.


