Drägerwerk-Chef Stefan Dräger warnt vor abrupten politischen Kehrtwenden und lobt die Rentenreform
Der Chef des Familienunternehmens für Medizin- und Sicherheitstechnik sagt, Unternehmer könnten sich anpassen, aber abrupte Kehrtwenden untergrüben Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
Abrupte politische Kehrtwenden
Stefan Dräger, der Chef in sechster Generation der Drägerwerk AG & Co. KGaA, warnte davor, dass Unternehmen sich zwar an neue Regeln anpassen könnten, abrupte Änderungen jedoch schädlich seien. Er erinnerte an die Betonung der Kontinuität durch die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und stellte fest, dass sie sich oft an die Entscheidungen ihrer Vorgänger gebunden fühlte, selbst wenn sie anderer Meinung war. Die Neigung der aktuellen Regierung, frühere Beschlüsse rückgängig zu machen, sei psychologisch problematisch, sagte er.
Hin- und Hergeeiere ist wirklich schlecht.
Er verwies auf das Hin und Her um das Verbrenner-Aus als ein Beispiel, das die deutsche Glaubwürdigkeit in Brüssel massiv beschädigt und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Autoindustrie beeinträchtigt habe.
Rentenreform begrüßt
Dräger hob eine Regierungsmaßnahme besonders lobend hervor: die Regelung, die es Rentnern erlaubt, bis zu 2.000 Euro zu ihrer Rente hinzuzuverdienen. Sein eigenes Unternehmen sehe immer mehr Rentner, die diese Möglichkeit nutzen.
Das ist eine Verbesserung, die wir gerne nutzen. Der Bedarf steigt.
Die menschliche Seite der Bürokratie
Trotz häufiger Klagen über Bürokratie zeigte Dräger ein differenziertes Bild der deutschen Beamtenschaft. Die Menschen in den Behörden seien meist gutwillig, hoch engagiert und wirklich bemüht, die Dinge zu verbessern, sagte er. Gleichzeitig warf er Berlin vor, gezielt Beamte nach Brüssel zu entsenden, um Deregulierungsbemühungen zu behindern – eine Belästigung, die mit deutschem Steuergeld bezahlt werde.
Den Lebensarbeitsbogen neu denken
Der 63-jährige Dräger plädierte für eine flexiblere Gestaltung von Karriere und Ruhestand. Er befürwortet, Mitte 50 eine Auszeit zu nehmen oder die Arbeitszeit zu reduzieren und dann über das gesetzliche Rentenalter hinaus bis 70 zu arbeiten. Da Rentner keine Sozialabgaben mehr zahlen müssten, behielten sie mehr Geld, und auch die Arbeitgeber sparten, erklärte er. Die Debatte über Arbeitszeit und Rente sei völlig berechtigt, fügte er hinzu.
Ich selbst plädiere dafür, Mitte 50 eine Auszeit zu nehmen oder die Stunden zu reduzieren und dafür nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters bis 70 weiterzuarbeiten. Das nützt allen: Rentner müssen keine Sozialabgaben mehr zahlen, haben also mehr Geld in der Tasche, und der Arbeitgeber spart auch. Da steckt noch mehr Potenzial.


