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Konflikte·vor 2 Std.

Deutschland sucht neuen Kampfjet-Partner nach FCAS-Aus – Italiens GCAP und einheimisches Airbus-Team im Rennen

Berlin lotet vier Wege zu einem Kampfjet der sechsten Generation aus, nachdem Kanzler Merz Frankreich empfohlen hat, das zerrüttete FCAS-Programm aufzugeben. Italiens Leonardo umwirbt Deutschland für das GCAP-Projekt, während ein Acht-Firmen-Bündnis unter Führung von Airbus eine nationale Alternative vorschlägt.

Das Ende von FCAS

Deutschland und Frankreich haben das Future Combat Air System (FCAS) offiziell aufgegeben, das trinationale Kampfjet-Programm mit Spanien, das in Streitigkeiten zwischen Dassault und Airbus verstrickt war. Bundeskanzler Friedrich Merz empfahl Präsident Emmanuel Macron am Montag, das Projekt nicht weiterzuverfolgen, wie die Frankfurter Allgemeine berichtet. Das Programm wurde auf über 100 Milliarden Euro geschätzt.

Die GCAP-Alternative

Die Aufmerksamkeit hat sich sofort auf das britisch-italienisch-japanische Global Combat Air Programme (GCAP), auch bekannt als Tempest, verlagert. Die drei Nationen gründeten vor eineinhalb Jahren das Gemeinschaftsunternehmen Edgewing, um einen Kampfjet der sechsten Generation zu entwerfen und zu bauen. Ein Prototypflug ist für nächstes Jahr geplant, die Auslieferungen sollen Mitte des nächsten Jahrzehnts erfolgen. Leonardo-CEO Lorenzo Mariani sagte gegenüber Reuters, Deutschland wäre „ein besonders wertvoller Partner“ und würde „dem Projekt sicherlich Fachwissen bringen“. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, dass weitere Partner willkommen seien, um die Entwicklungskosten zu teilen.

Aus industrieller Sicht würde Deutschland dem Projekt sicherlich Fachwissen bringen.

Das Handelsblatt merkt jedoch an, dass die Aufnahme Deutschlands als vierten Partner das bereits von Kompromissen geprägte Projekt erheblich verkomplizieren und eine Neuverteilung der Entwicklungsarbeiten erforderlich machen würde. Auch Großbritannien hat Zweifel an der Finanzierung geäußert; der Investitionsplan der Labour-Regierung für die Verteidigung, der bereits im vergangenen Herbst vorgelegt werden sollte, ist noch immer unveröffentlicht.

Die nationale Option: Team Gen 6

Ein Bündnis von acht Rüstungsfirmen unter der Führung von Airbus Defence and Space hat dem Bundesverteidigungsministerium ein Positionspapier vorgelegt. Die Gruppe mit dem Namen Team Gen 6 umfasst Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines und Rohde und Schwarz. Ein Sprecher erklärte, das Projekt heiße „Next Generation Weapon System“ (NGWS). Weitere Details werden am Donnerstag auf der ILA in Berlin erwartet.

Das ist denkbar und ist eine der Möglichkeiten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius bestätigte, dass sein Ministerium mehrere Optionen prüft. Er nannte drei öffentlich: den Beitritt zu einem bestehenden internationalen Programm wie GCAP, die Entwicklung eines neuen Jets unter deutscher Führung über Airbus und Partner sowie die Bestellung zusätzlicher F-35-Kampfjets aus den USA. Er fügte hinzu, es könnte eine vierte Option geben, über die er nicht sprechen wolle.

Die F-35-Brücke

Generalleutnant Holger Neumann, Inspekteur der Luftwaffe, sagte dem Handelsblatt, dass zwischen der letzten Eurofighter-Auslieferung im Jahr 2035 und der Verfügbarkeit eines künftigen europäischen Kampfflugzeugs eine Fähigkeitslücke entstehen werde. Künftige Kampfjets bräuchten Tarnkappenfähigkeiten und die Fähigkeit, mit unbemannten Systemen zu operieren – Eigenschaften, die derzeit am besten von der F-35 erfüllt würden. Ohne sie würde die Luftwaffe an „operative Grenzen“ stoßen.

Zwischen der Auslieferung der letzten Eurofighter im Jahr 2035 und der Verfügbarkeit eines künftigen europäischen Kampfflugzeugs wird eine Lücke entstehen, die wir überbrücken müssen.

Der schwedische Weg

Auch Schweden und sein Hersteller Saab werden als potenzielle Partner genannt. Der Gripen-Kampfjet wird von Schweden geflogen und nach Brasilien, Thailand, Südafrika, Tschechien und Ungarn exportiert. Das deutsche KI-Start-up Helsing rüstet schwedische Jets bereits mit künstlicher Intelligenz aus. Das Handelsblatt merkt an, dass Schweden allein wohl keinen Kampfjet der sechsten Generation entwickeln wird, was eine Partnerschaft logisch erscheinen lässt.

Wichtige Meilensteine bei der Kampfjet-Suche nach FCAS
  1. Großbritannien, Italien und Japan starten das Global Combat Air Programme (GCAP) zur Entwicklung eines Kampfjets der sechsten Generation.
  2. Die GCAP-Partner gründen das Gemeinschaftsunternehmen Edgewing, das für Design, Entwicklung und Produktion des Tempest verantwortlich ist.
  3. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärt, dass weitere Partner bei GCAP willkommen seien, um die Entwicklungskosten zu teilen.
  4. Bundeskanzler Friedrich Merz empfiehlt Präsident Macron, das FCAS-Programm aufzugeben.
  5. Team Gen 6, ein Acht-Firmen-Bündnis unter Führung von Airbus, reicht dem Verteidigungsministerium ein Positionspapier für einen deutsch geführten Kampfjet ein.
  6. Leonardo-CEO Lorenzo Mariani wirbt öffentlich um Deutschland für den Beitritt zu GCAP. Verteidigungsminister Pistorius bestätigt, dass vier Optionen geprüft werden.
  7. Erster Prototypflug des GCAP/Tempest-Kampfjets ist geplant.
  8. Angestrebter Auslieferungstermin für den neuen GCAP-Kampfjet. Auch die letzte Eurofighter-Auslieferung an Deutschland ist für dieses Jahr geplant.

Was als Nächstes kommt

Die Bundesregierung steht unter Druck, schnell zu handeln. Das FCAS-Scheitern hat die Schwierigkeiten europäischer Staaten offengelegt, nach Jahrzehnten der Unterinvestition militärische Kapazitäten wieder aufzubauen – zu einer Zeit wachsender Bedrohungen durch Russland und US-Forderungen nach höheren NATO-Verteidigungsausgaben. Auf der ILA-Luftfahrtschau in dieser Woche werden weitere Ankündigungen des Team-Gen-6-Konsortiums erwartet.

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