
Kanadische Praktikantin chinesischer Herkunft wegen Spionagevorwürfen im NATO-Hauptquartier SHAPE festgenommen
Eine Kanadierin chinesischer Abstammung, die ein Praktikum im NATO-Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe in Mons absolvierte, wurde am Donnerstag festgenommen, nachdem Sicherheitskräfte sie beim Zugriff auf geschützte Dateien ertappt hatten. Ein belgischer Richter ordnete am Freitag ihre Untersuchungshaft an, vorläufig angeklagt wegen Spionage für eine fremde Macht.
Entdeckung im Hauptquartier
Die Praktikantin, eine kanadische Staatsbürgerin chinesischer Herkunft, hatte vor Kurzem ein Praktikum im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Mons, Belgien, begonnen. Die Sicherheitskräfte des Stützpunkts bemerkten, dass sie Computerdateien und Dokumente einsehen wollte, die weit außerhalb ihres Aufgabenbereichs lagen. Das Verhalten wurde umgehend dem belgischen Allgemeinen Nachrichten- und Sicherheitsdienst (SGRS), dem militärischen Geheimdienst, mit dem Verdacht auf Spionage gemeldet.
Festnahme und formelle Anklage
Nach der ersten Alarmierung übernahm die belgische Bundesstaatsanwaltschaft den Fall und übertrug die Ermittlungen der föderalen Kriminalpolizei in Charleroi. Am Donnerstag, den 23. Juli, wurden Durchsuchungen in der Wohnung der Verdächtigen und an ihrem Arbeitsplatz im SHAPE durchgeführt. Die Polizei beschlagnahmte ihren Laptop und ihr Mobiltelefon, die nun von einer Computerkriminalitätseinheit untersucht werden. Ein Untersuchungsrichter in Mons ordnete am darauffolgenden Tag, Freitag, den 24. Juli, die Festnahme der Frau an, wegen des Vorwurfs der „Spionage zugunsten eines Drittlandes“ und der „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“.
- Die SHAPE-Sicherheitsdienste entdecken, dass die Praktikantin auf geschützte Computerdateien zugreift, und melden dies dem belgischen militärischen Geheimdienst SGRS.
- Die belgische föderale Kriminalpolizei durchsucht am Donnerstag, den 23. Juli, mit Unterstützung von Computerkriminalitäts- und technischen Einheiten die Wohnung der Verdächtigen und ihren Arbeitsplatz im SHAPE.
- Ein Untersuchungsrichter in Mons ordnet am Freitag, den 24. Juli, die Festnahme der Frau wegen Spionage zugunsten eines Drittlandes und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung an.
- Am Samstag, den 25. Juli, bestätigt die Bundesstaatsanwaltschaft öffentlich die Festnahme und erklärt, die Ermittlungen dauerten an, es werde keine weiteren Kommentare geben.
Die Bundesstaatsanwaltschaft nannte weder das Land, für das die Praktikantin angeblich gearbeitet hat, noch gab sie weitere Einzelheiten über die Art des von ihr eingesehenen Geheimmaterials bekannt. Die Ermittlungen dauern an, und die Behörden erklärten, sie würden sich während der laufenden Untersuchungen nicht weiter äußern.
Keine Auswirkungen auf NATO-Operationen
SHAPE-Sprecher Martin O'Donnell gab eine Erklärung ab, in der er die Festnahme bestätigte, aber betonte, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass der Vorfall die militärischen Fähigkeiten des Bündnisses beeinträchtigt habe.
Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die operative Einsatzbereitschaft der NATO oder des SHAPE, die Befehls- und Kontrollstrukturen oder laufende Aufgaben beeinträchtigt wurden. Das SHAPE führt seine Aufgaben ohne Unterbrechung weiter.
SHAPE ist das strategische militärische Zentrum, in dem Kommandeure alle NATO-Missionen planen und durchführen, und der Standort beherbergt hochsensible operative Planungsdaten.
Belgischer Verteidigungsminister reagiert
Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken begrüßte die schnelle Reaktion der Sicherheitsdienste und der Justiz. Er unterstrich, dass die Spionageabwehr für Belgien, das sowohl das SHAPE als auch das politische NATO-Hauptquartier sowie die EU-Institutionen beherbergt, weiterhin höchste Priorität habe.
Ich bin zufrieden mit der Wachsamkeit der SHAPE-Sicherheitsdienste und dem entschlossenen Handeln der belgischen Sicherheits- und Justizbehörden. Spionageabwehr bleibt eine vorrangige Aufgabe für Dienste wie den VSSE und den SGRS. Unser Land ist nach Washington das wichtigste diplomatische Zentrum der Welt. Spionageaktivitäten sind zahlreich. Die Botschaft ist klar: Wachsam bleiben.
Weiteres Muster mutmaßlicher ausländischer Spionage
Die Festnahme erfolgt vor dem Hintergrund mehrerer in Europa aufgedeckter Spionagefälle. In den letzten zwei Jahren wurden in Belgien, Italien, Griechenland, Polen und Deutschland mindestens 30 Personen wegen des Verdachts der Spionage für China festgenommen, häufig handelte es sich um Staatsangehörige chinesischer Herkunft, aber auch um europäische Bürger. Ein prominenter Fall betraf einen griechischen Oberst der Luftwaffe, der über einen LinkedIn-Kontakt angeworben wurde und später Kryptowährungszahlungen in Höhe von 15.000 Euro pro Charge von Militärgeheimnissen erhielt. Während im Fall der SHAPE-Praktikantin noch kein staatlicher Akteur genannt wird, haben europäische Sicherheitsdienste wiederholt gewarnt, dass ausländische Geheimdienstoperationen, auch durch Peking, auf dem Kontinent zunehmen.
Die Bundesstaatsanwaltschaft bestätigte, dass die Ermittlungen noch andauern und zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Informationen veröffentlicht werden.


