Umweltverbandsbericht: Diesel treibt weiterhin 70 % der Stadtbusse in Deutschland an
Eine Untersuchung kommunaler Verkehrsflotten durch die Deutsche Umwelthilfe zeigt, dass zum Stand Dezember 2025 nur drei der größten deutschen Städte mehr als die Hälfte ihrer Busflotten elektrifiziert hatten.
Drei Städte überschreiten 50 Prozent Elektrifizierung
Die Deutsche Umwelthilfe hat die kommunalen Busflotten in den größten deutschen Städten anhand von Betriebsdaten vom 31. Dezember 2025 untersucht. Nur drei Kommunen erreichten einen Anteil von über 50 % Elektrobussen, alle im Land Baden-Württemberg. Mannheim führte die bundesweite Rangliste mit 60,6 % batterieelektrisch angetriebener Fahrzeuge an, gefolgt von Freiburg mit 51,7 % und Karlsruhe mit 51,6 %. Alle drei Spitzenreiter verpflichteten sich, bei künftigen Flottenerneuerungen bis 2030 ausschließlich Elektrofahrzeuge zu beschaffen. Nürnberg sicherte sich mit 48,1 % batterieelektrischem Anteil den vierten Platz bundesweit.
- Mannheim
- 60.6 %
- Freiburg
- 51.7 %
- Karlsruhe
- 51.6 %
- Nürnberg
- 48.1 %
- Wiesbaden
- 40.2 %
- Leipzig
- 19.6 %
- Frankfurt
- 18.1 %
- München
- 16.7 %
- Mainz
- 14.8 %
- Kassel
- 14 %
- Augsburg
- 0 %
- Magdeburg
- 0 %
Dieseldominanz und künftige Beschaffungspläne
In den 39 untersuchten Städten entfielen zum Jahresende 2025 70 % der im Betrieb befindlichen Busse auf konventionellen Dieselantrieb. Bezieht man Mildhybrid-Systeme ein, machten Verbrenner 77 % der gesamten städtischen Busflotte aus. Die Umweltorganisation berichtete, dass fast die Hälfte der untersuchten Städte zwischen 2026 und 2030 zusätzliche Busse mit Verbrennungsmotor anschaffen will. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt, wo Elektrobusse weniger als 4 % der Flotte ausmachen, sind ältere Dieselbusse unterhalb der Abgasnorm Euro V weiterhin täglich im Fahrgastbetrieb. Mehr als die Hälfte der geplanten Busbeschaffungen in Erfurt entfallen auf Verbrennungsmotoren, während Halle ausschließlich Verbrenner anschaffen will.
Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte den weiteren Einsatz älterer Dieselfahrzeuge in dicht befahrenen Verkehrskorridoren.
Ihre Stickoxidemissionen sind um ein Vielfaches höher als die moderner Euro-VI-Fahrzeuge. Besonders im dicht besiedelten Stadtverkehr sind Tausende Menschen den schädlichen Abgasen direkt ausgesetzt.
Regionale Unterschiede und alternative Antriebsmodelle
Die Elektrifizierungsquoten fielen in den Oberzentren Mittel- und Westdeutschlands sehr unterschiedlich aus. In Ostdeutschland verzeichnete Leipzig mit 19,6 % den höchsten Anteil an Elektrobussen, gefolgt von Dresden mit rund 11 % und Halle mit knapp über 6 %. Fünf Städte meldeten keine einzige batterieelektrische Busse in ihren Flotten: Magdeburg, Essen, Wuppertal, Krefeld und Augsburg. In den westlichen Bundesländern erreichte Wiesbaden 40,2 %, Frankfurt 18,1 %, Mainz 14,8 % und Kassel 14,0 %, womit alle vier in eine Kategorie fielen, die behördlichen Handlungsbedarf begründet.
Eine Nullquote bei der Batterieelektrifizierung bedeutete nicht einheitlich, dass man auf Standard-Dieselmotoren setzte. In Wuppertal machten Wasserstoff-Brennstoffzellenbusse ein Sechstel der kommunalen Verkehrsflotte aus. In Augsburg, das bei der batterieelektrischen Umstellung den letzten Platz belegte, betreiben die Verkehrsbetriebe seit 2011 eine zu 100 % mit Biogas fahrende Busflotte.
Flottenausbaupläne und kommunale Ziele
Verkehrsbetriebe, die früher Umstellungsprogramme auf den Weg brachten, wiesen höhere Umrüstungsquoten auf. In Bayern belegte München mit einem E-Bus-Anteil von 16,7 % Platz 14, während Nürnberg den höchsten Anteil im Land erreichte. Der Nürnberger Verkehrsbetrieb VAG hatte zum Stichtag der Erhebung im Dezember 2025 123 batterieelektrische Busse von rund 200 Fahrzeugen im Einsatz. VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing beschrieb den frühen kommunalen Politikrahmen hinter der Umstellung.
Wir haben uns sehr früh (vor zehn Jahren, 2016) mit einem möglichen Umstieg auf Elektrobusse befasst und dafür eine Elektrobusstrategie verabschiedet.
Nach der Lieferung von 21 weiteren Elektrofahrzeugen im Jahr 2026 wuchs die Nürnberger E-Flotte auf 144 Einheiten, was 70 % aller Fahrzeuge entspricht. Der kommunale Betreiber will die Umstellung seiner Busflotte bis 2030 vollständig auf Elektroantrieb abschließen.
- VAG Nürnberg verabschiedet kommunale Elektrobusstrategie
- Erster batterieelektrischer Bus geht in Nürnberg in den Fahrgastbetrieb
- Flotte erreicht 123 Elektrobusse, rund 60 % aller Fahrzeuge
- Lieferung von 21 neuen Fahrzeugen erweitert die E-Flotte auf 144 Busse
- VAG strebt die 100-prozentige Umstellung der kommunalen Busflotte auf Elektroantrieb an

