Wahlen · Berlin, Frankfurt am Main und Köln

73 % stehen hinter den Jugendprotesten – 82 % sagen, die Politik vernachlässige junge Deutsche

Eine Umfrage des ARD-Deutschlandtrends von infratest dimap, erhoben vom 2. bis 4. November unter 1.297 Wahlberechtigten, ergibt 73 % Verständnis für die Demonstranten. Junge Befragte trauen der Linken und der AfD am ehesten zu, ihre Interessen zu vertreten.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Berliner Zeitung, Deutsche Welle, Der Tagesspiegel und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Berlin, Frankfurt am Main, Köln · Deutschland
Wie es dazu kam
  1. 4.11.Feldarbeit endet mit 1.297 befragten Wahlberechtigten
  2. 5.11.Ergebnisse des Deutschlandtrends veröffentlicht
  3. 20.11.Für dieses Datum wurde ein weiterer Protesttag angekündigt

Breite Sympathie für die Proteste

Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend, erhoben von infratest dimap, zeigt, dass 73 % der Befragten die Anliegen der Demonstranten verstehen, während 22 % sie ablehnen. Die Erhebung lief von Montag, 2. November, bis Mittwoch, 4. November; 1.297 Wahlberechtigte ab 18 Jahren wurden telefonisch und online befragt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am Donnerstag, 5. November. Angeführt werden die Proteste von der Initiative "Gen Z regelt", die Aufmerksamkeit für Schule und Bildung, hohe Lebenskosten und steigende Mieten fordert und sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht stellt. Ende Oktober fanden erstmals bundesweite Demonstrationen statt, bei denen mehrere zehntausend junge Menschen in mehr als 30 Städten überwiegend friedlich auf die Straße gingen.

Grenzen der Unterstützung

Die Unterstützung hat klare Grenzen. 89 % halten die Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen für gerechtfertigt, 32 % akzeptieren Straßenblockaden und 29 % Besetzungen von Schulen, Universitäten oder Ämtern. Nur 3 % rechtfertigen den Einsatz von Gewalt. Insgesamt lehnen 95 % Gewalt gegen Menschen oder Sachen als politisches Mittel ab, darunter 93 % der Unter-35-Jährigen. Bei den jüngeren Wählern halten sich Zustimmung und Ablehnung von Blockaden in etwa die Waage.

In einigen Städten wurden die Proteste von Ausschreitungen überschattet. In Frankfurt am Main wurden mehrere Geschäfte geplündert und Polizeibeamte verletzt. "Gen Z regelt" distanzierte sich ausdrücklich von der Gewalt, und nach derzeitigen Erkenntnissen lassen sich die gewalttätigen Gruppen nicht eindeutig der Initiative zuordnen.

Junge Wähler fühlen sich nicht gehört

Eine klare Mehrheit von 82 % sagt, die Politik berücksichtige die Anliegen junger Menschen weniger gut oder schlecht, während 13 % dies anders sehen. Bei den 18- bis 34-Jährigen gelten die Linke (29 %) und die AfD (21 %) als am ehesten geeignet, für ihre Interessen einzutreten. Union (5 %), SPD (3 %) und Grüne (12 %) liegen weit zurück. Über alle Altersgruppen hinweg gelten AfD und Grüne (je 18 %) sowie die Linke (15 %) als am kompetentesten in Jugendfragen, vor der Union (9 %) und der SPD (8 %). Bei der sozialen Gerechtigkeit wählen die jungen Befragten die Linke mit 32 %, vor der SPD (17 %) und der AfD (14 %). Auch die Zweifel an der Aufstiegsmobilität sitzen tief: 72 % der 18- bis 34-Jährigen sagen, ihre Generation habe es schwerer, eigenen Wohlstand aufzubauen, als frühere Generationen, und 58 % aller Wahlberechtigten stimmen dem zu.

Parteien, denen am ehesten zugetraut wird, die Interessen der 18- bis 34-Jährigen zu vertreten%
Linke
29 %
AfD
21 %
Grüne
12 %
Union
5 %
SPD
3 %

Daten aus dem Artikeltext

Parteienlage und Koalitionsarithmetik

Bei der bundesweiten Wahlabsicht führt die AfD mit 27 %, vor CDU/CSU mit 20 %, den Grünen mit 16 %, der SPD mit 13 % und der Linken mit 11 %. Die FDP steht bei 3 %, alle anderen Parteien bleiben unter der 5-Prozent-Hürde. Diese Werte sind gegenüber der Umfrage von Anfang Oktober für die genannten Parteien unverändert. Die Regierungskoalition aus Union und SPD hätte weiterhin keine Mehrheit, ein Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und SPD wäre rechnerisch möglich. Alle anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus, die Union zudem eine Zusammenarbeit mit der Linken. Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung stieg leicht auf 11 % (plus ein Punkt), 87 % sind unzufrieden (minus zwei). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt auf 12 % Zufriedene (plus zwei) und 85 % Unzufriedene (minus drei). Die Fehlertoleranz wird mit plus oder minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben.

Wahlabsicht im ARD-Deutschlandtrend, Anfang November 2026%
AfD
27 %
CDU/CSU
20 %
Grüne
16 %
SPD
13 %
Linke
11 %
FDP
3 %

Daten aus dem Artikeltext

Geplante Landesregierungen

Zwei mögliche Koalitionen stießen in derselben Umfrage auf deutliche Ablehnung. Eine geplante von der Linken geführte Regierung in Berlin, ein rot-rot-grünes Bündnis, halten 62 % für schlecht oder weniger gut für die Hauptstadt, während 28 % sie sehr gut oder gut bewerten. Anhänger der Linken stimmen zu 88 % zu, Anhänger der Grünen zu 61 % und Anhänger der SPD zu 40 %, während Anhänger von Union (10 %) und AfD (5 %) sie überwiegend ablehnen. Für Sachsen-Anhalt beurteilen 65 % eine mögliche von der AfD geführte Regierung unter Ulrich Siegmund als schlecht oder weniger gut, 29 % sehen sie positiv. 93 % der AfD-Anhänger unterstützen dieses Szenario.

Wie es weitergeht

Der Protestforscher Jannis Julien Grimm von der Freien Universität Berlin bringt die Bewegung mit einem gemeinsamen Gefühl politischer Ohnmacht in Verbindung.

„Junge Menschen werden die langfristigen Folgen heutiger Entscheidungen besonders stark zu spüren bekommen, haben aber zugleich vergleichsweise wenig politisches Gewicht.“

Jannis Julien Grimm
Für den 20. November wurde ein weiterer Protesttag angekündigt.

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