
Deutsche Gewerkschaften mobilisieren Zehntausende in 15 Städten gegen geplante Sozialkürzungen
Zehntausende Arbeiter beteiligten sich am Samstag an Kundgebungen des DGB in 15 deutschen Städten und lehnten geplante Bundesstreichungen bei Renten, Gesundheitsversorgung und Arbeitnehmerschutz ab.
Bundesweite Kundgebungen in 15 Städten
Zehntausende Demonstranten versammelten sich am Samstag in 15 deutschen Städten, um sich gegen die Vorschläge der Bundesregierung zur Sozialpolitik und zum Arbeitsrecht zu stellen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) organisierte den koordinierten Aktionstag unter dem Motto „Hart erarbeitet: Deine Arbeit, deine Gesundheit, deine Rente.“ Die Teilnehmerzahlen variierten in den regionalen Zentren: Die Polizei in Frankfurt schätzte 15.000 Teilnehmer, während die Organisatoren von über 30.000 sprachen. In Nürnberg meldete die Polizei zwischen 20.000 und 25.000 Menschen auf der Straße. In Baden-Württemberg verzeichneten die Gewerkschaften 16.000 Demonstranten in Stuttgart und 4.500 in Freiburg. Die Polizei in Hannover berichtete von rund 13.000 Teilnehmern, und die Organisatoren in Hamburg zählten 13.000 Menschen am Rathausmarkt, nachdem die Polizei vor der Veranstaltung 4.000 registriert hatte. Demonstrationen fanden auch in Leipzig, Bremen, Saarbrücken, Kiel, Rostock und Berlin statt.
- Stuttgart (DGB-Schätzung)
- 16000 Menschen
- Frankfurt (Polizeischätzung)
- 15000 Menschen
- Hamburg (Veranstalterschätzung)
- 13000 Menschen
- Hannover (Polizeischätzung)
- 13000 Menschen
- Freiburg (DGB-Schätzung)
- 4500 Menschen
Forderungen zu Rente, Gesundheit und Arbeitszeit
Gewerkschaftsführer konzentrierten ihre Kritik auf Regierungsvorschläge zu Rente, Krankheitsregeln und gesetzlicher Arbeitszeit. Der DGB forderte ein garantiertes gesetzliches Rentenniveau von mindestens 50 %, den Schutz des Acht-Stunden-Arbeitstages und den Erhalt der Rentenansprüche nach 45 Beitragsjahren. Gewerkschaftsvertreter riefen auch zu gezielten Infrastrukturinvestitionen und einer effizienteren Mittelverteilung im Gesundheitswesen anstelle von Ausgabenkürzungen auf. Der DGB-Bezirksvorsitzende Hessen-Thüringen Michael Rudolph warnte, dass die Arbeiter, die das Land am Laufen halten, nicht die Rechnung für die Haushaltskonsolidierung bezahlen sollten. Ver.di-Chef Frank Werneke sprach in Frankfurt über die soziale Grundlage der Wirtschaft.
Gute Arbeit, ein starker Sozialstaat und eine verlässliche Rente sind keine Last, sondern die Grundlage für eine gerechte Gesellschaft und eine starke Wirtschaft.
Sorgen um Industriearbeitsplätze und Forderungen nach öffentlichen Investitionen
Bei der zentralen Kundgebung auf dem Simsonplatz in Leipzig versammelten sich Demonstranten vor dem Bundesverwaltungsgericht, um gegen Kürzungen bei Sozialstandards zu protestieren. Die stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende Elke Hannack argumentierte, dass Kürzungen des Arbeitnehmerschutzes die deutsche Wirtschaftsstagnation nicht lösen könnten, und verwies stattdessen auf verzögerte Infrastrukturprojekte, hohe Energiepreise und eine langsame Digitalisierung. In Sachsen verwiesen Gewerkschaftsfunktionäre auf Arbeitsplatzängste bei Beschäftigten in der Fertigung von Volkswagen und dem Pharmahersteller GSK. In Hannover sprach die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo vor der Menge, zusammen mit dem IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis, der einen Neustart der Bundesreformpolitik forderte.
Ihr alle, wir alle hier, verdienen Wertschätzung, Respekt, faire Bezahlung für unsere Arbeit und gute Bedingungen, die einen vernünftig und gesund in den Ruhestand führen.
Arbeitgeberkritik und Hamburger Ablauf
Arbeitgebervertreter lehnten die Gewerkschaftsmobilisierungen ab und verteidigten die Notwendigkeit struktureller fiskalischer Anpassungen. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), argumentierte, dass demografischer Wandel, Fachkräftemangel und globaler Wettbewerb eine Anpassung der Politik erfordern und nicht Gewerkschaftsopposition. In Hamburg versammelten sich Mitglieder von ver.di und des Bündnisses Unkürzbar Hamburg um 10:00 Uhr am Besenbinderhof, bevor sie über die Kurt-Schumacher-Allee und die Mönckebergstraße marschierten. Die zentrale Hamburger Kundgebung begann um 11:55 Uhr am Rathausmarkt, eine von der DGB-Hamburg-Vorsitzenden Tanja Chawla gewählte Zeit, um fünf vor zwölf für das Sozialsystem zu symbolisieren.
Die Gewerkschaften sagen zu fast jeder Veränderung Nein. Sie träumen von der Welt von gestern.
- Gewerkschaftsmitglieder versammeln sich am Besenbinderhof, bevor sie durch die Hamburger Innenstadt marschieren
- Der DGB Hamburg eröffnet die zentrale Kundgebung am Rathausmarkt fünf Minuten vor zwölf

